Versiert, lebhaft, intensiv

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Di, 03. Juli 2018

Waldkirch

Waldkircher Abendmusik der Chapelle de la Vigne in der St.-Margarethen-Kirche.

WALDKIRCH. Fast stellte sich eine Hausmusik-Atmosphäre ein: für die 16. Waldkircher Abendmusik am Samstagabend war der Chorraum der Stiftskirche St. Margarethen bestuhlt. Die Nähe zu den Musikerinnen und Musikern des Ensembles "La chapelle de la vigne" ließ den großen Kirchenraum vergessen. Ein intensives Miteinander von Musizierenden und Hörern war gegeben und prägte die musikalische Abendstunde. Unterstrichen noch durch die programmatisch sinnvolle, verbindende Einladung an die Zuhörer, sich singend mit einbeziehen zu lassen.

Die Vorstellung, wie die Bach-Kantaten in ihren ersten Aufführungen erlebt wurden, spielte in die Gestaltung dieser Waldkircher Abendmusik deutlich hinein. Die Kantate war in den evangelischen Gottesdiensten zu Bachs Zeit neben der Predigt das zweitwichtigste Element. Es war also konsequent, die für diese Waldkircher Abendmusik ausgewählte Kantatenaufführung mit Gebeten und Segen, einer Schriftlesung und Auslegung und dem gemeinsam gesungenen Choral zu begleiten. Programmatisch und theologisch begründet, so man will, wurde der Choral gemeinsam gesungen. Und dessen letzte Strophe wird in der Kantate selbst wieder hörbar.

Pfarrer Heinz Vogel zeigte Bachs individuelle Auslegung der dieser Kantate zugrunde liegenden Bibelstelle auf. Er stellte die Entstehung der Kantate 1726 in Verbindung zu der Wahl eines Probstes im selben Jahr und damit Veränderungen für St. Margarethen. Ganz authentisch blieb Heinz Vogel nicht, denn im Gegensatz zu den oft einstündigen Predigten zu Zeiten Bachs dauerte seine Auslegung nur einige Minuten.

Für die Zuhörer bedeutete sie einen inhaltlichen Zugang zum Hören der Kantate, die eine hochzeitliche Freude und unbändige tänzerische Beschwingtheit atmet. Bach hat die Suche des Königs für das Hochzeitsmahl übertragen auf die Suche des Heilands, die menschliche Seele für sich zu gewinnen. Sich finden zu lassen vom suchenden Heiland, sich schön zu fühlen in seinem Gegenüber sind Inhalt der Sopranarie. Durch die Instrumentierung mit der Oboe und einem verhaltenen basso continuo kommt der menschlichen Stimme eine besondere Ausdruckskraft zu. Ihr entsprach die klare Stimme, gut artikulierend und empathisch von Caroline Adler eingesetzt.

Das abschließende Duett von Bass und Sopran ist ein Beispiel für Bachs Kompositionskunst und Phantasie: Er unterlegt die Bassarie mit der siebten Strophe des Chorals "Wie schön leuchtet der Morgenstern", die von der Sopranistin gesungen wird. Die beschwingte Bassarie und der fröhliche Tanzreigen der Instrumente stehen in einem anrührenden Gegensatz zu dem ruhigen, verhalten durchklingenden Choral.

Die Gesamtinterpretation durch das Ensemble bedeutete eine beispielhafte Befassung mit der Musik Bachs. Die historisch-informiert gespielten Instrumente trugen zu der authentischen Wiedergabe klangschön bei.

Das kammermusikalische Miteinander war intensiv und lebhaft und optimal ausgerichtet auf die Einbeziehung von Sopran- und Bass-Stimme, was die Intensität des Zusammenspiels noch unterstrich. Die Instrumentalstimmen waren solistisch besetzt, die Transparenz, die damit gegeben war, verdeutlichte die kompositorische Anlage.

Und ließ umso mehr die Klangschönheit der einzelnen Instrumente zur Geltung kommen. Die Ensemblemitglieder agierten spieltechnisch versiert, ausdrucksvoll interpretierend und von ansteckender Musikbegeisterung.

Die Gesangssolisten Caroline Adler und Karsten Müller brachten ihre geschulten Stimmen bezogen auf ein Gesamtkonzept ein. Kritisch bleibt anzumerken, dass die doppelt besetzte Bassstimme mit Cello und Kontrabass im Rezitativ von Sopran und Bass ein klangliches Ungleichgewicht bedeutete. Wie erfreulich, dass als Abschluss die Sinfonia, der erste Satz dieser Kantate, wiederholt wurde. Sebastian Bausch spielte den für die Orgel konzertierend geschriebenen Satz ein weiteres Mal freudig beschwingt. Alle Schwere verflüchtigte sich mit dieser Wiederholung.