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30. Juli 2009
Virtuose Flötensehnsucht
Ukrainische Künstler gastierten auf Europareise in Waldkirch / Junge Musiker wussten zu faszinieren
WALDKIRCH. Dieses Konzert verdient Superlative. Maksim Berezhniuk ist ein unglaublicher Flötist: Er weiß den Raum der Evangelischen Stadtkirche mit Charme und Klugheit auszunutzen; er entwickelt auf seinen verschiedenen Flöten phantastische Virtuosität und zugleich genau dosierte Leidenschaft. Zusammen mit der jungen Nadiya Yuriychuk, immerhin Cheforganistin am Konzerthaus der ukrainischen Millionenstadt Dnipropetrovsk, versetzt Berezhniuk am Samstag sein Publikum in einem gut einstündigen, sehr schlecht besuchten Konzert immer neu in Erstaunen.
Lesja Dyckos "Karpatische Fresken", ein dreisätziges Werk, eröffnet das Programm. Schon hier spielt Berezhniuk unterschiedliche Flöten. Die Musik Dyckos nimmt Folklore-Klänge auf, wird dann immer moderner. Berezhniuks Partnerin bestreitet zwei Sätze allein – auch sie ist eine großartige Musikerin, die sich nicht nur jeder technischen Schwierigkeit gewachsen zeigt, sondern die Stadtkirchen-Orgel als respektables, klangfarbenreiches Instrument präsentiert. So möchte man dieses Instrument öfter hören.
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Maksim Berezhniuk wechselt nicht nur häufig seine Flöten, sondern kommt auch immer wieder von der Empore hinunter in den Altarraum, um von dort zu musizieren. Ein ums andere Mal erklingen Tänze und Volkslieder – mal mit Orgelbegleitung, dann wieder Solo. Berezhniuk genügt auch eine einfache Maultrommel, mit der er dann seinen Gesang begleitet. Selbst auf einer schlichten Metallpfeife (mit Holz-Mundstück oder ohne) kann er Musik machen. Auch eine Ukulele-ähnliche Flöte gehört zu seinem Repertoire. Schade: Im Programm findet sich keine einzige Erklärung zu diesen verschiedenen Instrumenten. Ob die Mischung zwischen häufig modern klingender Orgel- und Folklore-Flötenmusik immer gelungen ist, bleibt eine der wenigen Fragen dieses Abends. Mit am überzeugendsten ist noch Dmitry Bornyanskys Orgelsonate. Oleg Yanchencos Meditation erinnert etwas an Mendelssohn, auch M. Shuhs Silent Prayer für Orgel und Panflöte kommt einem bekannt vor. Berezhniuk und Yuriychuk wagen das Zusammenspiel von der Empore zum Altarraum – das geht fast immer gut. Die verschiedenen Flöten harmonieren ausgezeichnet mit der Orgel, die Leidenschaft – vor allem der Panflöte – wirkt exakt dosiert, die Grenze zum Kitsch (á la Panflötenpop von Gheorghe Zamfir) bleibt unüberschritten. Vielleicht, weil Berezhniuk auch das rasende Tempo beherrscht und seine Flöte schon mal vor Übermut in die Luft wirft. Nicht zuletzt auch, weil der Musiker dankbar und mit sichtlicher Freude den offenen Beifall des Publikums, der ja im Kirchenkonzert nicht die Regel ist, registriert. Beide Musiker bedanken sich am Ende des 15 Nummern umfassenden Programms mit einer Zugabe. Was bleibt? Das ukrainische Duo würde gut ins Konzertprogramm des – besser geeigneten – Waldkircher Orgelbauersaals passen. Vielleicht in der nächsten Saison?
Autor: Frank Berno Timm
