Waldkirch

Volles Haus bei der Podiumsdiskussion zum Waldkircher Bruder-Klaus-Krankenhaus

Jonas Hirt

Von Jonas Hirt

So, 15. April 2018 um 09:54 Uhr

Waldkirch

Am Donnerstag fand die BZ-hautnah Debatte über das Bruder-Klaus-Krankenhaus statt. Mehr als 400 Zuschauer kamen in die Halle nach Kollnau. Sie stellten Fragen, buhten und applaudierten.

Emotionen:

"Ein Krankenhaus gab es in Waldkirch schon immer, es gehört einfach dazu", beschreibt Holger Knöferl, BZ-Heimatchef. Jetzt drohe die Schließung. "Hier in Waldkirch hat die Debatte auch eine wichtige emotionale Komponente." Die Auseinandersetzung beginnt im Januar. Geschäftsführer Bernd Fey und der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Schmieg teilen mit, dass der Regionalverbund kirchlicher Krankenhäuser (RKK) das BKK-Klinikum verkaufen will. Es fahre seit Jahren Verluste ein, die anderen Häuser im Verbund könnten das nicht mehr kompensieren. Zum RKK, einer Allianz aus vier Ordensgemeinschaften, gehören seit 2000 auch das Loretto- und das St. Josefskrankenhaus – beide in Freiburg. Die Entscheidung solle deren Bestehen sichern.

Viele Elztäler wollen aber, dass auch ihre Klinik bleibt: Vor der Debatte übergeben die Mitarbeitervertretung, der Gewerbeverein Elzach und die Gewerbegemeinschaft Waldkirch drei Ordner an Sozialminister Manfred Lucha. Ungefähr 23 000 Unterschriften seien gesammelt worden, erklärt Moderator Knöferl. Mitarbeitervertreterin Benedicte Franki wirft Lucha einen absichtlichen Kurs vor, der dazu führe, dass das Klinikum dichtgemacht werde. "Wir sind mit einer Schließung nicht einverstanden." Der Minister entgegnet: "Das muss ich zurückweisen, das Gegenteil ist der Fall" – Teile des Publikums lachen. "Die Entscheidung des Trägers ist seine freie Entscheidung", sagt Lucha.

Geld:

Die Waldkircher Redaktionsleiterin der BZ, Sylvia Sredniawa, fragt Geschäftsführer Fey, was passieren müsse, damit der Regionalverband das Waldkircher Haus weiter betreibe. "Ich habe nicht eine schwarze Zahl gesehen seit 18 Jahren", lautet die Antwort. "Was uns fehlt", sagt der Geschäftsführer, "ist Geld." Fey schildert, wie sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren verändert hätten: Chronische Unterfinanzierung, schwierige Personalgewinnung, weniger Geld für erbrachte Leistungen – das Defizit werde größer. Das BKK in seiner jetzigen Form werde nicht erhalten: "Es wird auf jeden Fall irgendeine Veränderung geben", sagt Fey. Er führe Gespräche mit der Elzacher BDH-Klinik und weiteren Trägern, die Namen wolle er nicht nennen.

Fey: "Die Gespräche sind im Fluss." Er hoffe, dass es im Sommer ein Ergebnis gibt. Der Geschäftsführer habe auch die Hoffnung gehabt, dass der Landkreis einspringt. Der Kreistag lehnte einen Kauf ab. "Wir haben es uns alle im Kreistag nicht einfach gemacht", sagt Landrat Hanno Hurth. Das Defizit des Kreiskrankenhauses hätte bei einer Übernahme um eine weitere Million Euro steigen können. 2016 waren es 1,8 Millionen Euro. Knöferl hakt nach, ob der Kreis diese Aufgabe nicht stemmen könne. Das seien sechs Euro je Kreisbewohner. Hurth verweist auf die großen Investitionen, von denen die Menschen in der Waldkircher Umgebung profitieren würden, zum Beispiel der Ausbau der Elztalbahn.

Angst:

Was bedeutet die drohende Schließung für die Menschen, fragt Sredniawa Stadtseniorenratschefin Ursula Querfurth. "Es tritt ganz klar zu Tage, dass die Menschen Angst haben", sagt Querfurth. Die Bevölkerung werde immer älter. "Wie gehen wir miteinander um", fragte sie. Applaus brandet auf. Es gebe zu wenig Kurzzeitpflegeplätze. "Wir müssen umdenken", sagt die Stadtseniorenrätin, "und zwar von ganz oben her." Erneuter Applaus. Krankenhäuser sollten keine "auf Wirtschaftlichkeit getrimmten Betriebe sein", sagt Querfurth. Wenn das Krankenhaus seit 18 Jahren rote Zahlen schreibe, warum habe man dann immer wieder investiert.

"Das erschließt sich dem Laien nicht", sagt Querfurth. Sredniawa fragt Fey, warum das gut erhaltene Waldkircher Haus geschlossen werden soll, obwohl in Freiburg teure Sanierungen anstünden. Das Loretto sei keine Bruchbude, entgegnet Fey. "Das ist Quatsch." Fey weiter: "Sie können nicht sagen, schließt das Loretto." Aus dem Publikum rufen mehrere "Doch, doch."

Kommunikation:

"Wir haben eine Kommunikationsstrategie gewählt, die man kritisch sehen kann", sagt Fey. "Die keine ist", ruft ein Mann aus dem Publikum. Querfurth merkt an, dass Stadt und Träger früher zweimal jährlich zusammenkamen und über die Lage beraten hätten. Von der Schieflage habe man zu spät erfahren: "Hätten wir es früher gewusst, hätten wir mehr Zeit gehabt, intelligente Lösungen zu finden." Querfurth kritisiert, dass es zudem keine Vergleichsbasis für das Defizit gebe: "Wir haben nie eine Zahl gehört." Die Bilanz sei zugänglich, kontert Fey. Sredniawa hakt ein: Laut der 2016er Bilanz sei keines der drei Häuser im Bestand gefährdet. Das sei zu vereinfacht, sagt der Geschäftsführer: 10,9 Millionen Euro groß sei in dem Jahr das Defizit, entgegnet Fey, unter anderem auch wegen hoher Pensionsrückstellungen. "Das ist dramatisch, das steht so drin." Zwei Drittel des Defizits verursache Waldkirch.

Perspektiven:

Knöferl fragt: "Wie könnte die Versorgung ausschauen?" Fey sagt: "Wir haben 18 Jahre versucht, Konzepte zu entwickeln." Minister Lucha schlägt eines für künftige Formen unterhalb eines Krankenhauses vor. "So wie es jetzt ist, wird es nicht mehr sein." Hurth sagt: "Wir haben vor Ort genügend Konzepte, uns fehlt es an Unterstützung." Hurth verdeutlicht, dass es um die medizinische Versorgung gehe, in der Umgebung einer der größten Unikliniken Deutschlands. Sredniawa erwähnt die Idee, einen Förderverein zu gründen.

"Damit können Sie einen Spielplatz bauen", antwortet Fey. Ein Krankenhaus könne der Verein nicht retten. Gerne hätte er sich früher einen gewünscht. "Warum jetzt?", fragt der Geschäftsführer. "Pfui" und "arrogant", schallt aus den Reihen. Einem Beschlussvorschlag für den Waldkircher Stadtrat kann Fey ebenfalls wenig abgewinnen. Dieser sieht vor, dass die Stadt einen Teil des Grundstücks kauft. Zugleich bleibt das BKK mindestens acht Jahre ein Akutkrankenhaus. "Völlig unbrauchbar", sagt Fey. Er könne nicht garantieren, dass alle Arbeitsplätze bleiben. Aber der Arbeitsmarkt sucht Ärzte, Krankenschwestern, Medizinisch-Technische-Assistenten: "Niemand von den Genannten muss sich Sorgen machen, dass er arbeitslos wird."