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26. August 2009

Waldkirch, die Elfte: ein Feuerwerk

Die Boogie-Connection füllte erneut den Marktplatz mit begeistertem Publikum / Eine gut überlegte Mischung an Stücken.

WALDKIRCH. Die Boogie-Connection begeistert ihre Zuhörer auf dem Marktplatz. Vier Stunden (allerdings mit Pausen) dauert das Konzert am vergangenen Samstag, wieder veranstaltet von den Wirten auf dem Platz, es fand nun zum elften Mal statt.

Die Szenerie ähnelt sich über die Jahre: Zusätzliche Bierbänke, Zapfwagen, diesmal sogar ein großer Grill. Kellnerinnen eilen mit riesigen Salattellern über den Markt oder kämpfen mit den Papiertischdecken, die der Wind entsorgen will. Zusätzlich zu den Marktstammgästen kommt nahezu die ganze Stadt – und wohl auch viele Gäste von auswärts. Mindestens drei, wenn nicht gar schon vier Generationen tanzen, klatschen im Takt, schreien und pfeifen. Das Sommer-OpenAir der Boogie-Connection aus Christoph Pfaff (Gitarre, "Mundie", Gesang), Thomas Scheytt (E-Piano) und diesmal Paul Weidlich (Schlagzeug) brennt sein Feuerwerk aus Blues, Boogie-Woogie und Rock’n Roll ab. Im Lauf der Zeit wird der Markt richtig voll, bis dicht an die Bühne sitzen, stehen und tanzen die Leute.

Dass vieles seinen Reiz aus dem Wiederhören gewinnt, ist keine ausreichende Erklärung dafür, wie gut die Boogie-Connection ankommt. Pfaff und seine Kollegen folgen einem Prinzip, das auch in der klassischen Kammermusik gilt; sie bescheiden sich mit wenig: ein kleines Schlagzeug, das fast ausschließlich mit dem E-Piano-Register gespielte Keyboard, dazu eine akustische oder eine E-Gitarre.

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Der Kontakt zum Publikum entsteht fast vom ersten Augenblick an. Eine der wichtigsten Zutaten des Abends ist die heitere Gelassenheit, die aus der perfekten Beherrschung der Instrumente kommt. Scheytt kann auf dem E-Piano alles tun, was er möchte – vom virtuos entfesselten Solo bis zum zurückhaltenden Begleiten. Dazu hat er, immer wieder, sichtlich Spaß an der Begeisterung des Publikums. Weidlich spielt sein Schlagzeug mit beneidenswerter Entspanntheit und Virtuosität. Frontmann Christoph Pfaff moderiert mit selbstironischem Witz, singt mit unglaublicher Power, spielt wie nebenbei Gitarre und greift ab und zu auch zur Blues-Mundharmonika.

Die Mischung der drei Sets des Abends ist – wie immer – gut überlegt. Im Grunde hat das Trio sein Publikum schon mit dem rasanten "San Francisco Bay Blues", dem zweiten Stück, gewonnen. Und, natürlich unausgesprochen, schwingt in den Texten des Abends für manchen im Publikum immer mal ein "Ja, so ist es!"-Gefühl mit, wenn Sehnsucht, Liebe und Begehren besungen werden. "That’s why I keep on drinkin’" und das (auch von B.B. King und Eric Clapton eingespielte) "Help the poor" sind nur zwei Beispiele (obwohl bei letzterem zuviel Hall auf der Gitarre lag).

Klar, dass die Leute bei Chuck Berrys "Roll over Beethoven" anfangen zu tanzen, und logisch, das einem Verse wie dieser ans Herz gehen: "Need someone’s hand to lead me through the night/ I need someones arms to hold and squeeze me tight..." – Fleetwod Macs "Need your love so bad” passt auch an diesen Abend.

Was fehlt, was stimmt nicht? Die Beleuchtung der Bühne wirkt etwas unmotiviert – unnachvollziehbar wechseln die Schweinwerfer zwischen grünen, blauen und roten Tönen hin und her. Glücklicherweise nur selten hat Pfaff Mühe, große Höhen in der entsprechenden Lautstärke unverkrampft zu erreichen, leichte Unkonzentriertheiten (Anfänge, Schlusssequenzen) bleiben im Rahmen.

Erstaunlich ist auch, dass sich Scheytt in seinen Boogies an diesem Abend die harmonischen "Ausflüge" in klassische Regionen, wie sie in früheren Jahren noch zu hören waren, weitgehend schenkt. Und: Warum frönt die "Boogie-Connection" der Unsitte, Pausen mit Konservenmusik zuzududeln? CDs würden die Leute gewiss auch kaufen, wenn Ruhe herrschte.

Die Stimmung kocht in dieser angenehm kühlen Sommernacht immer wieder hoch: "Sweet little sixteen" ist so ein Beispiel. Dass die drei Musiker weit mehr drauf haben als "nur" das Schema aus Strophen und wechselnden Soli, dass sie hochintelligente, knifflige Arrangements beherrschen, zeigt Muddy Waters’/Willie Dixons "I be loved". Manche Nummern sind schon fast "Boogie-Conncetion"-Schlager: "I’m just a little country boy" gehört dazu wie Elvis’ "Jailhouse Rock". Auch Eric Claptons "Before you accuse me!" kommt gut, genauso das "Nobody knows you when you're down and out", ein bisschen pathetisch das "Thank you for the memories ...", in dem Pfaff sein Publikum besingt. Das fordert Zugaben – für ein sehr gutes, zuweilen ausgezeichnetes Konzert. Nächstes Jahr wieder?

Mehr Infos im Internet unter: http://www.boogie-connection.de

Autor: Frank Berno Timm