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24. Dezember 2008

Weihnachten als "Wiegenfest"

BZ-Mitarbeiter spüren eigenen Weihnachtserinnerungen nach (III): Es gab auch immer mal was zu lachen

  1. Warten auf’s Christkind: Waldkirch im weihnachtlichen Lichterglanz Foto: Frank Berno Timm

  2. Katharina und Christoph Mosmann am Klavier – eine weihnachtliche Tradition im Haus Foto: privat

Die Vorbereitungen zu Heiligabend sind bei uns recht unkompliziert. Meistens schaffen wir es dennoch, die Lichterkette draußen an einer Tanne zu befestigen, wo andere seit Wochen schon damit fertig sind. Obwohl, die Kette musste dreimal verlängert werden, weil der Baum wuchs. Meine beiden Söhne haben schon seit dem Grundschulalter den Weihnachtsbaum im Wohnzimmer geschmückt. Als sie kleiner waren, räumte ich ganz schnell die echten Wachskerzen und Glaskugeln weg und ersetzte sie durch Strohsterne und eine elektrische Beleuchtung. Nachdem gebackene Sterne an einem roten Band während des Dekorierens aufgefuttert wurden, blieb es wohl so um die zehn Jahre bei Strohsternen. Dann liefen mir mal bei einem Besuch in der Glasbläserei "Dorotheenhütte" solche tiefroten, wie Satin schimmernde Glaskugeln einfach hinterher. Sie hatten mich gefunden. Alle gaben sich die größte Mühe, diese ganz besonderen Weihnachtskugeln der Mama ja nicht kaputt zu machen. Den Bann brach ich nach acht Jahren selbst: Beim Entstauben flutsche eine stattliche Kugel auf den Boden – vorbei. Mein jüngster Sohn wollte trösten: "Des macht doch nix. Du machst doch auch den ersten Klecks auf eine neue Tischdecke."  

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Dieses Jahr hätte ich trotz Weihnachtsmarkt, Weihnachtsmützen und Nikoläusen beinahe den ersten Advent vergessen. Das hängt wohl damit zusammen, dass ich seit zwei Jahren nicht mehr bei meinen Eltern wohne. Dort hängt jedes Jahr traditionell der selbst gemachte Adventskranz, der im Winter Wärme spendet und daran erinnert, dass ein besonderer Tag ist. Dieses Jahr musste mich Karenn, meine Frau, an den ersten Advent erinnern. Einen Adventskranz haben wir  immer noch nicht. Aber immerhin hat meine Frau vier Kerzen aufgestellt, und Woche für Woche zünden wir eine mehr an. Und Weihnachten werden wir so feiern wie bisher:  Zusammen mit den Eltern,  Großeltern und der einen oder anderen Tante. Zu essen gibt es  – wie jedes Jahr – Pasteten mit einer Soße, die meine Mutter über 20 Jahre perfektioniert hat. Darauf freue ich mich jetzt schon.

Schon mit fünf und sechs Jahren gingen die beiden Ältesten von ’s Mosmanns aus Oberwinden in Waldkirch bei der legendären "Frau Weißmann" zum Klavierunterricht. An jeder Weihnacht sollte natürlich vierhändig vorgespielt werden zu Hause, so befahl es damals die strenge Musiklehrerin. Und das höchste der Gefühle war dann bald die "Petersburger Schlittenfahrt". Der Sohn ist längst über alle Berge, aber es gab noch keine einzige Weihnacht, wo er nicht zu Hause war und mit seiner Schwester die "Petersburger Schlittenfahrt" gespielt hat. Jeder übt bei sich zu Hause, so kurz vorher noch einmal, damit es an Vaters Klavier wieder klappt. Auch dieses Jahr steht die Komposition von Richard Eilenberg aus dem alten Weihnachtsheft am Heiligen Abend vor der Bescherung auf dem Programm, denn ohne "Petersburger Schlittenfahrt" keine Bescherung bei ’s Mosmanns.

Da meine Familie konfessionslos ist, gehört ein Kirchenbesuch bei uns in der Regel nicht zum Weihnachtsfest, einmal, ich war sieben Jahre alt, ist meine Mutter allerdings mit mir zum Gottesdienst gegangen. Beim Verlassen der Kirche ging ich im Gedränge an ihrer Hand, als die Pastorin, die am Ausgang stand, eben diese Hand ergriff, sie herzlich schüttelte und eine frohe Weihnacht wünschte. Ich hatte das nicht mitbekommen und war einfach weiter geradeaus gelaufen, als es plötzlich sehr dunkel wurde: Ich war im weiten Ärmel des Talars gelandet. Meine Mutter hat mich dann am Kragen gepackt und schnellstens wieder daraus entfernt, vor lauter Lachen konnten wir kaum nach Hause laufen. Dort erwartete mich zu allem Überfluss noch eine Überraschung: Mein Vater hatte unsere Abwesenheit genutzt, um den von meinen Eltern schon Wochen vorher ausgesuchten kleinen Dackel vom Züchter abzuholen: Mein sehnlichster Wunsch so ziemlich, seit ich alt genug war, überhaupt Wünsche zu äußern. Das ist jetzt 30 Jahre her, aber es vergeht kein Weihnachten, ohne, dass ich mich daran erinnere.

Zu Weihnachten erinnere ich mich gerne an meine Kindheit zurück, die ich mit drei Schwestern im Hochschwarzwald erleben durfte. Es war ein Familienfest, das wir kaum erwarten konnten. Nicht der Kommerz heutiger Zeit, nein es waren kleine Geschenke, die uns erfreuten. Unsere Mutter war tagelang am Brötle backen und überlegte sich immer neue Verstecke, die wir dann doch fanden. Ärgerlich, wenn einige Sorten plötzlich weniger wurden. Am Heiligen Abend liefen die Vorbereitungen zur Bescherung auf Hochtouren, wir konnten es kaum erwarten. Nur meine älteste Schwester durfte beim Schmücken des Baumes helfen. Tradition waren rote Kugeln, rote Kerzen und Lametta haarfein aufgetragen. Dann wurde die Stube abgeschlossen, Zum Abendessen gab es meist Schäufele mit Kartoffelsalat. Mit einem Glöckchen wurde endlich die Bescherung eingeläutet. Unser Vater spielte Zither oder Violine, eine Schwester Akkordeon und die andere Blockflöte. Es wurden von den Weihnachtsliedern alle Strophen gesungen, bevor es dann die Geschenke gab. Einmal habe ich beim Toben den schönen Baum umgeschmissen, so dass kaum eine Kugel heil blieb. Das war eine "schöne" Bescherung.

Pünktlich am Samstag vor dem ersten Advent wurden früher zu Hause in Dresden die Kisten mit den erzgebirgischen Nussknackern, Engeln, Räuchermännchen und Weihnachtspyramiden aus dem Abstellraum geholt und im Wohnzimmer verteilt, so dass es sich – im Laufe der Jahre immer mehr, denn immer wieder kamen neue Figuren dazu – in ein regelrechtes Weihnachtsland verwandelte. Mein Vater baute Jahr für Jahr geduldig den Herrnhuter Weihnachtsstern zusammen, der, an Stelle einer normalen Lampe, alles in ein etwas schummrigeres Licht tauchte. Und Bastler wie er war und bis heute ist, sägte er in einem Jahr monatelang im Hobbyraum des Hochhauses, in dem wir wohnten, bis er eine etwa ein Meter hohe, fünfstöckige Weihnachtspyramide fertig hatte, die dann allerdings nicht mehr von Kerzen betrieben werden konnte, sondern von einem 16er Schallplattenspielermotor. So etwas hinterlässt Spuren, die heute bis nach Südbaden führen, wenn auch in Abwandlungen: Am Fenster stehen bei mir in Kollnau zwei Schwibbögen aus Seiffen im Erzgebirge und hinter der Balkontür hängt – weithin leuchtend – der Herrnhuter Stern (der aber im Ganzen, mit halbwegs schlechtem Gewissen, im Keller aufbewahrt wird). An den vier Adventssonntagen räuchern die Männchen und werfen die Kerzen das Licht- und Schattenspiel der Pyramidenflügel an Wand und Decken. Und den Weihnachtsstollen aus Dresden schickt der Vater.

Neben Ostern und Pfingsten ist Weihnachten  als Fest des Friedens und der Besinnung wohl das höchste Kirchenfest der Christen und hat auch in meiner Familie eine alte Tradition. So stellten die Eltern früher den Christbaum auf , schmückten ihn und am Heiligen Abend wurde dann mein jüngerer Bruder und ich mit dem " Weihnachtsglöckle "  ins Wohnzimmer gerufen.  Dann gab es ein  Festessen, es folgte die  Bescherung,  und etwas sehr Herausragendes   war später der Besuch der Mitternachtsmette, oft bei viel Schnee und klirrender   Kälte, was den  Zauber der Weihnacht als etwas Geheimnisvolles   für mich als Kind noch mehr unterstrich. Die schöne Tradition zu Weihnachten wird nach wie vor weitergeführt: Meine Familie besucht in Gutach nach Einbruch der Dunkelheit am Heiligen Abend in St. Michael  die Christmette.   Die Kirche ist immer brechend voll und mehr als 30 Jahre lang war ich im inzwischen aufgelösten Kirchenchor St. Michael Gutach auf  der Empore am Heiligen Abend   als Sänger mit dabei.  Im   Wohnzimmer mit bunt gschmücktem Christbaum werden   Weihnachtslieder gesungen, begleitet   durch   Akkordeon- und Flötenspiel  von meiner Frau. Obligatorisch folgen Festessen und Bescherung. Im Gegensatz zu früher, als man noch  abwechselnd   am ersten und zweiten Weihnachtstag Eltern und Schwiegereltern besuchte, macht man es sich heute über die Feiertage   zu Hause gemütlich. Am zweiten Weihnachtstag singe ich im  Chor "La Musica" um 10.30 Uhr in der Gutacher Kirche mit.

Die Vorfreude auf das Fest fällt inzwischen nüchterner aus und den Christbaum muss meine Mutter alleine schmücken. Doch auch wenn der weihnachtliche Zauber der Kindheit etwas verschwunden ist, freue ich mich jedes Jahr auf den Heiligen Abend, den ich zusammen mit meinen Eltern, meiner Großmutter und meinem Bruder verbringe. Obwohl auch mein Bruder längst volljährig ist, sind wir beide in diesem Kreis immer noch die "Kinder" geblieben – und bleiben das wahrscheinlich, bis wir selbst Kinder haben. Ich glaube aber, deshalb fällt es mir besonders leicht, noch einmal etwas von der Unbesorgtheit zu spüren, die man wahrnahm, als man die Welt mit Kinderaugen sah. Nach der Christmette beginnt dann aber der zweite Teil des Heiligen Abends. Gemeinsam mit Freunden feiere ich im Elzacher Städtle. Da trifft man viele alte Bekannte, die teilweise auswärts wohnen und arbeiten und zu Weihnachten in Elzach sind. Meist wird es sehr lustig und gesellig. Genau das richtige Ambiente, diesen Abend ausklingen zu lassen.
Meine Mutter findet die folgende Anekdote, die sich im Jahr 1977 an Weihnachten bei uns ereignete, sehr charakteristisch und hat sie immer wieder einmal gerne so erzählt: "Ich habe dir eine von deinem Großvater gebaute Wiege mit Bauernmalerei verziert. Du musst so drei Jahre alt gewesen sein. Die Puppe, die dazu gehörte, hatte Augen mit langen Wimpern, die sich schlossen, wenn man sie in den Arm nahm. Ich legte sie in die Wiege unter dem Baum, so dass man sie beim Betreten des Wohnzimmers gleich sah und ich war gespannt, wie sie dir gefallen würde. Nachdem dann dein Vater mit dem Glöckchen bimmelte, liefst du geradewegs zur Tür hinein, zielstrebig auf die Wiege zu, legtest die Puppe aus der Wiege, setztest dich selbst hinein und schaukeltest selig. Ich glaube, du fandest die neue Wippe ein gelungenes  Geschenk".  

Autor: Gerda Oswald