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29. Mai 2010

Wünschen und Träumen

Siebtklässler inszenierten den Kinderklassiker "Zauberer von Oz" als Marionettenspiel.

  1. Ensemblearbeit: Die Schüler führten bisweilen mehrere Figuren. Foto: timm

WALDKIRCH. Lyman Frank Baums "Der Zauberer von Oz" ist Weltliteratur. Die Geschichte von dem Mädchen Dorothy, die sich zusammen mit Vogelscheuche, dem blechernen Holzfäller und einem ziemlich feigen Löwen aufmacht, die eigenen Hoffnungen und Wünsche erfüllt zu sehen, haben Siebtklässler aus der Freien Schule Elztal auf die Marionettenbühne gebracht. Am Mittwochnachmittag zeigten sie ihre Inszenierung im Orgelbauersaal.

Vorausgegangen war die intensive Auseinandersetzung mit der Erzählung, inbegriffen die Bearbeitung für die Bühne unter Silke Heere-Lehmann und Johannes Kranz, die Produktion der Figuren unter Leitung von Marius Lehmann und die des Bühnenbilds. Auch um die Beleuchtung (Nathael Kaltenbach und Fiona Lehmann) kümmerten sich die Kinder selbst. Das Ergebnis kann man nur professionell nennen. Die leider etwas blasse Musik lieferte Fachlehrer Christoph Westpfahl.

Der Plot dürfte weithin bekannt sein: Dorothy wird durch einen Sturm samt Haus und Hund in die Ferne geweht und will um jeden Preis zurück nach Kansas. Auf ihrem Weg durch die Fremde muss sie sich mit Hexen auseinandersetzen und trifft allerlei merkwürdige Gestalten. Da ist die Vogelscheuche, die mehr Verstand will. Da ist der Holzfäller, der sich aus lauter Verzweiflung um eine verlorene Liebe so heftig und häufig verletzt hat, dass er nur noch aus Blech besteht. Da ist der Löwe, der alles andere als königlich, nämlich ein ziemlicher Angsthase ist. Sie erhoffen sich die Rettung vom Zauberer von Oz in der Smaragdenstadt: Herz, Hirn, Mut und Heimkehr soll er möglich machen. Nebenbei lernt sich, dass das Böse in Hexengestalt oft ziemlich einfach zu besiegen ist.

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Das Marionettenspiel der Siebtklässler wusste die Geschichte auf lebhafte und authentische Weise zu transportieren – allenfalls gehemmt durch einige Umbaupausen. Weniger Requisiten, mehr Vertrauen auf die Imagination des Publikums wäre eindeutig mehr gewesen.

Natürlich: Der Zauberer von Oz ist ein Schwindler. Ein verwehter Ballonflieger, der in der Fremde nicht den Mut fand, wirklich zu sagen, woher er kam und warum. Einer, der mit einfachen Worten und schlichten Symbolen dem scheinbar feigen Löwen, der nur vordergründig verstandlosen Vogelscheuche und dem unglücklichen Holzfäller ihr Selbstvertrauen zurückgibt – und sich dann aus dem Staub macht: Die Szene, als der Ballon von der Bühne weg in den Saal entschwindet, hatte Witz. Dass Dorothy letztlich doch durch Zauberei nach Hause zurückfindet, geht schon in Ordnung.

Mehr als jede andere Theaterarbeit ist Marionettenspiel Ensemblearbeit. Die Beteiligten führten nicht selten mehrere Marionetten und sprachen zuweilen mehrere Rollen – in beeindruckender Qualität.

Die Inszenierung der Freien Schule reiht sich ein in andere, vergleichbare Projekte an den Schulen des Tals. Endlich beginnt sich herumzusprechen, wie wichtig und entscheidend Kreativität und Phantasie sind. Das ist die Botschaft über diesen Nachmittag hinaus.



Autor: Frank Berno Timm