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17. März 2017 17:47 Uhr

Urteil Ende März

Angeklagter gesteht im Stühlinger Mordprozess

Der 48-jährige Angeklagte im Stühlinger Mordprozess hat gestanden, im Februar 2016 einen 88-jährigen Waffenhändler getötet zu haben. Das Urteil wird Ende März erwartet.

  1. Der 48-jährige Angeklagte im Stühlinger Mordprozess hat gestanden, im Februar 2016 einen 88-jährigen Waffenhändler getötet zu haben. Foto: Wilfried Dieckmann

Es tue ihm "unendlich leid", sagte der 48-Jährige, der bisher bestritten hatte, den 88 Jahre alten Geschäftsmann getötet zu haben.

Eine Verlängerung der Hauptverhandlung bleibt dem Schwurgericht erspart, nachdem die Verteidigung den Beweisantrag zurückzog, der eine weitere Begutachtung der Todeskugeln und einer Patronenhülse bedingt hätte. Im Gespräch mit dem Angeklagten über die Beweislage habe dieser erklärt, er werde die Verantwortung für die Tötung des Waffenhändlers und die anschließende Brandstiftung übernehmen, sagte Anwalt Thilo Bohr.

Mandant unter Druck

Er habe bei diesem Gespräch gespürt, "dass mein Mandant unter einem Wahnsinns-Druck steht. Er leidet unter dieser großen Schuld und empfindet Scham gegenüber dem Gericht, seinen Eltern, der Lebensgefährtin und den Geschwistern", so der Verteidiger. In gewisser Weise sei der Angeklagte nach dem Eingeständnis ihm gegenüber erleichtert gewesen. Der 48-Jährige bestätigte die Erklärung seines Anwalts. "Es tut mir unendlich leid", sagte er, gab aber keine weitere Erklärung ab.

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War es Mord oder Totschlag?

Offen scheint, ob der Angeklagte für die Tötung, für die es keinen Augenzeugen gibt, wegen Mordes oder Totschlags verurteilt wird. Kammervorsitzender Martin Hauser hält es nicht für sicher, dass die später beim Waffenhändler vermissten Gewehre am Tattag noch da waren. Damit könnte das angenommene Motiv – die Aneignung der Langwaffen – als Mordmerkmal entfallen.

Am vorherigen Verhandlungstag hatte der Vorsitzende auf Wunsch des Verteidigers den Beteiligten eine Zwischenbeweiswürdigung mitgeteilt. Laut Richter Hauser entwickelte sich daraus eine "Gerüchteküche" zum Prozess. Tatsächlich sei das Gericht wegen des Tatgeschehens nie "ratlos" gewesen. Adressaten einer solchen Erklärung im Prozess seien die Beteiligten, nicht die Öffentlichkeit.

Als erwiesen sah die Kammer nach der seit Januar laufenden Beweisaufnahme an, dass sich das Handy des Angeklagten am Abend des 15. Februar 2016 in unmittelbarer Nähe des Tatorts befand – und dass die neben der Leiche gefundene Patronenhülse aus einer Waffe kam, die damals im Besitz des Angeklagten war. Dass ein anderer zum Tatzeitpunkt im Besitz von Handy und Waffe gewesen sein könnte, sei so abwegig, dass sich die Strafkammer nicht weiter damit beschäftigt habe.

Am 28. März sollen Staatsanwalt und Verteidiger plädieren. Dann oder Tags darauf dürften die drei Berufsrichter und zwei Schöffen ihr Urteil verkünden.

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Autor: hjh