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04. Februar 2012

Arm trotz Erwerbstätigkeit

DGB: Rund 900 000 Euro fließen im Jahr im Kreis in die Lohnaufstockung.

WALDSHUT-TIENGEN (BZ). Im Kreis Waldshut müssen nach DGB-Berechnungen jährlich rund 150 000 Euro an Steuermitteln aufgewendet werden, um Geringverdienern mit Vollzeitjob das Existenzminimum zu sichern. Rechnet man die Betroffenen mit sozialversicherten Teilzeitjobs hinzu, sind es gut 240 000 Euro, die Stadt und Bund über das Hartz-IV-System beisteuern müssen. "Armut trotz Erwerbstätigkeit ist auch in Waldshut ein ernstes Problem, das uns alle teuer zu stehen kommt", sagt Jürgen Höfflin, Vorsitzender der DGB-Region Südbaden.

746 Haushalte wurden allein im Kreis Waldshut im Durchschnitt des Jahres 2010 gezählt, die von der Arbeit mindestens eines sozialversichert Beschäftigten nicht leben konnten. Im Schnitt musste der Lohn ergänzend über Hartz IV um 588 Euro im Monat aufgestockt werden. Dabei nehmen längst nicht alle in Frage kommenden Geringverdiener ihren Anspruch auf zusätzliche Fürsorgeleistungen wahr. "Nur etwa jeder zweite Vollzeitbeschäftigte stockt den geringen Verdienst mit Hartz IV auf", glaubt Höfflin. Der DGB beruft sich dabei auf wissenschaftliche Studien. Wesentliche Gründe für den Verzicht seien fehlendes Wissen, aber auch Scheu vor dem Antragsverfahren. Viele wollten sich nicht finanziell vor den Behörden "ausziehen".

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Auch 70 Haushalte von selbstständig Tätigen werden unterstützt

Neben den Aufstockern mit sozialversichertem Job gab es 2010 auch 70 Hartz IV-Haushalte von selbständig Tätigen und weitere 489 Haushalte, in denen mindestens eine Person einen Minijob hat. Unter Einbeziehung dieser Bedarfsgemeinschaften mussten insgesamt für alle Erwerbstätigen mit Niedrigeinkommen im Kreis sogar fast 900 000 Euro ergänzend zum Lohn über Hartz IV zugeschossen werden.

"Wenn Lohndumping und prekäre Beschäftigung nicht zurückgedrängt werden, müssen bundesweit dauerhaft Steuermittel in Milliardenhöhe aufgebraucht werden. Dadurch drohen weitere Wettbewerbsverzerrungen zwischen Unternehmen, die existenzsichernde Löhne zahlten und denjenigen, die sich die Armutsfalle zunutze machen", so der Gewerkschafter. Er fordert, dass die staatliche Subventionierung der Niedriglöhne durch Mindestlöhne und ein besseres Wohngeld zurückgedrängt wird.

Autor: bz