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07. Februar 2012
Aus der Bahn geworfen
Getöteter Pole hinterlässt Frau und drei Kinder / Nebenklägeranwalt vertritt ihre Interessen.
WALDSHUT-TIENGEN (uma). 1500 Kilometer von Waldshut-Tiengen entfernt, im Nordosten Polens, verfolgt eine Familie den Fortgang der Hauptverhandlung um Totschlag und versuchten Mord mit Bangen. Es sind die Witwe des Mannes, der in der Nacht zum 29. Mai auf dem Waldshuter Busbahnhof tödlich verletzt wurde, und ihre drei Kinder, heute 14, 16 und 19 Jahre alt. Rechtsanwalt Waldemar Lenz aus Mannheim, der die Nebenklägerin, die Witwe, vertritt, ist an jedem Verhandlungstag im Gerichtssaal präsent.
"Der Tod des Mannes und Vaters hat die Lebenspläne aller durchkreuzt", sagt Lenz. Die 43-jährige Witwe ist heute Alleinversorgerin, arbeitet als Flechterin. Sie verdiene etwa 1200 Zloty im Monat, umgerechnet 300 Euro. "Sie ist eine Frau in der Mitte ihres Lebens. Auch das Opfer war erst 50. Natürlich hat durch den Mord ein wesentlicher Einschnitt in die Lebensplanung aller stattgefunden." Die Kinder sind in der Ausbildung. "Der Älteste macht bald Abitur. Da stellt sich die Frage, was für eine Ausbildung er sich leisten kann."
Erst etwa zwei Monate lebte und arbeitete der Familienvater in Waldshut, bevor er am Morgen des 29. Mai in der Uniklinik Freiburg an seinen schweren Verletzungen starb. Mit seinem Bruder zusammen war der Landwirt an den Hochrhein gekommen, hatte einen Job als Arbeiter. Freunde oder gute Bekannte hatte der 50-Jährige in der kurzen Zeit noch nicht gefunden – er sprach kein Deutsch, erzählt Waldemar Lenz.
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Die Nachricht vom gewaltsamen Tod traf die Familie wie ein Schock. Wohl der Bruder und polnische Behörden brachten der Witwe und den Kindern die Nachricht. Eine Tochter leider immer noch sehr unter dem Tod des Vaters, so der Anwalt. Es seien noch Rechnungen offen, die die Familie bezahlen müsse. Die Behandlung in der Uniklinik Freiburg, die Kosten für die Beerdigung. Die Hinterbliebenen hofften auf eine kleine Auszahlung einer Versicherung. "Die bezahlt aber nur bei Unfall als Todesursache", so der Anwalt.
Die Familie habe auch Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. Doch bei der finanziellen Lage des Angeklagten seien auch hier Prognosen schwierig. In jedem Fall plant Rechtsanwalt Lenz, zivilrechtlich vorzugehen, um etwas Konkretes für die Hinterbliebenen zu erreichen.
Unter anderem der Bruder des Getöteten, der in der Zwischenzeit nach Polen zurückgekehrt ist, soll in der Hauptverhandlung noch gehört werden.
Autor: bz
