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21. März 2017

Bauern müssen sich nicht sorgen

Im Biosphärengebiet Schwarzwald ist ihre Mitarbeit gefragt / Anerkennung durch die Unesco soll im Sommer kommen.

  1. Ziegen helfen dabei, die Landschaft im Biosphärengebiet Südschwarzwald offen zu halten. Foto: Sattelberger

KREIS WALDSHUT. Nach einer vierjährigen Verfahrensdauer trat 2016 die Verordnung über das Biosphärengebiet Schwarzwald in Kraft. Im Sommer 2017 wird mit einer Anerkennung durch die Unesco gerechnet. Das berichtete Walter Kemkes, Leiter der neu eingerichteten Geschäftsstelle des Biosphärengebiets Schwarzwald, mit Sitz in Schönau, in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses des Landkreises.

An dem Projekt, das ein Gebiet von 63 000 Hektar umfasst, sind die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach Waldshut, die Stadt Freiburg und 28 Kommunen beteiligt, darunter die Kreisgemeinden Albbruck, Bernau, Ibach, Dachsberg, Häusern, Höchenschwand, St. Blasien, Ühlingen-Birkendorf und Wehr.

"Willkommen im Biosphärengebiet Schwarzwald", heißt es in dem Flyer, den Walter Kemkes vorstellte. Die charakteristischen Merkmale des neuen Biosphärengebiets: "Artenreiche Bergmischwälder im reizvollen Wechsel mit Bergweiden, sagenhafte Ausblicke, schützenswerte Natur, uriges Wäldervieh, regionale Spezialitäten, traditionsreiches Handwerk, Kultur und Brauchtum." Landrat Martin Kistler kommentierte: "Das macht Lust auf Biosphäre. Mit der neuen Geschäftsstelle sind wir soweit, dass wir Fahrt aufnehmen können und mit der Umsetzung einzelner Projekte durchstarten können."

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Die Geschäftsstelle soll eine Agentur für die regionale Entwicklung sein und zusammen mit dem Land, der Region und dem Naturpark Südschwarzwald partnerschaftlich daran arbeiten, den Südschwarzwald zu einer Modellregion für nachhaltige Entwicklung zu machen. An den jährlich zu tragenden Kosten wird sich der Landkreis ab 2019 mit rund 28 000 Euro beteiligen. Bis dahin zahlt der Landkreis in den Projektfond ein, insgesamt 50 400 Euro. Anträge und Vorschläge für Projekte rund um das Biosphärengebiet können jederzeit an die Geschäftsstelle gerichtet werden, von Kommunen, Körperschaften, aber auch von privater Seite.

Karin Rehbock-Zureich (SPD) sprach in der Ausschusssitzung die Sorge der Landwirte nach zusätzlichen Auflagen und Einschränkungen an. "Grund zur Sorge besteht eigentlich nicht", erklärte Kemkes. Im Gegenteil sei man bei den Landwirten auf großes Interesse gestoßen, da auch Fördermittel zu erwarten seien. Mittlerweise seien Fördermittel in einer Höhe von 700 000 Euro aufgelaufen. "Wir sind ja auch auf die Mitarbeit der Landwirte angewiesen, um die Flächen offenzuhalten"!, so Kemkes. "Wir werden Mittel und Wege finden, die Landwirte dabei zu unterstützen." Erhard Graunke (FDP) regte eine spezielle Förderung für Steillagen an und forderte die Sicherung der Triebwege für Schafherden. Claus Schlachter (CDU) erklärte, es werde immer schwieriger, junge Landwirte zu motivieren, "da müssen mehr Fördergelder her". Helmut Kaiser (CDU), Vorsitzender des neuen Biosphären-Beirats, schlug vor, auch Mobilitätsprojekte ins Programm zu nehmen. Iris Wallaschek (Grüne) hofft, "... dass das Engagement und die Motivation auch bei der Bevölkerung ankommen, denn anfangs waren viele falsche Informationen im Umlauf."

Weltweit gibt es 669 Biosphärengebiete in mehr als 120 Ländern. Viele von ihnen stehen allerdings nur auf dem Papier und werden nicht weiterentwickelt, sie werden möglicherweise ihre Anerkennung verlieren. In Deutschland gibt es 17, davon wurden 15 bereits von der Unesco anerkannt.

Autor: Manfred Dinort