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17. Oktober 2013

Beznau rüstet nach

Vier zusätzliche Notstrom-Dieselmotoren sollen für mehr Sicherheit im AKW sorgen.

  1. Beim schweizerischen Atomkraftwerk Beznau ist am Mittwoch das zweite Dieselaggregat für das Projekt der neuen Notstromversorgung angeliefert worden. Im Bild Leiter Urs Weidmann. Foto: Gerard

WALDSHUT/BEZNAU (rog). Ab Ende 2014 soll es im Schweizer Atomkraftwerk Beznau mehr Sicherheit im Fall einer Störung geben. Dann wird der erste Teil einer neuen Notstromversorgung fertiggestellt. Das Projekt steht im Zusammenhang mit einer Forderung der Atomaufsichtsbehörde.

Das Schweizer Atomkraftwerk Beznau, das sieben Kilometer Luftlinie entfernt von Waldshut-Tiengen steht, erhält für seine beiden Blöcke jeweils zwei neue Notstromaggregate. Sie werden in zwei eigens errichteten Gebäuden installiert, die gegen Flugzeugabstürze, Überflutung und Erdbeben ausgelegt sind.

Am Mittwochvormittag ist der zweite von insgesamt vier Dieselgeneratoren angeliefert worden. Zunächst sollen zwei Aggregate mit dem älteren Block 1 verbunden werden, der im Jahr 1969 ans Netz gegangen ist. Die aufwendigen Arbeiten dazu – für den Anschluss aller vier Motoren werden mehr als 100 Kilometer Kabel verlegt – werden laut Werksangaben bis Ende 2014 abgeschlossen. Bis Mitte 2015 sollen dann die anderen zwei Notstrom-Motoren am Reaktorblock 2 angeschlossen sein.

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Störfall vor fünf Jahren war der Anlass

Bereits jetzt verfügt das Werk über Notstrom-Systeme, die eine Kühlung des Reaktors im Pannenfall sicherstellen sollen. Seit 1992/93 gibt es zwei Notstand-Dieselgeneratoren, daneben stehen zwei mobile Aggregate zur Verfügung. Zum Reservesystem zählt auch der Strom aus dem Wasserkraftwerk Beznau, das jedoch wegen Ablauf der Konzession 2022 vor einem Neubau steht. "Mit den geplanten Nachrüstmaßnahmen wird das Sicherheitsniveau beider Blöcke des Kernkraftwerks Beznau nochmals erhöht." Dies teilte das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) auf BZ-Anfrage mit. Das Nachrüstprojekt, dessen Titel Autanove für "autarke Notstromversorgung" steht, sei ausgelöst worden durch die Forderung der Atomaufsichtsbehörde, die Auslegung der Notstromversorgung zu verbessern.

Anlass war laut Ensi ein Zwischenfall am 21. August 2007. Dabei kam es im Zusammenhang mit der Jahresrevision im Block 2 zum Ausfall eines Notstand-Dieselgenerators. Das Ereignis wurde mit Stufe 1 der von 0 bis 7 reichenden internationalen Störfall-Skala bewertet.

Die Kosten des Gesamtprojekts werden vom Betreiber Axpo mit 500 Millionen Schweizer Franken angegeben. Laut Werksleiter Urs Widmann wurde eine Nachrüstung unabhängig vom Ensi bereits vor August 2007 als notwendig erkannt und auf den Weg gebracht. Nach Angaben des Kraftwerks-Chefs wurden allein bis 2008 insgesamt 1,6 Milliarden Franken in Sicherheits-Nachrüstungen investiert. Diese Summe mache ein Dreifaches der ursprünglichen Baukosten aus.

Autor: bz