"Das Engagement beim THW ist ein sehr interessantes Ehrenamt"

skk

Von skk

Mi, 16. Januar 2019

Waldshut-Tiengen

BZ-INTERVIEW mit Christian Hipp, dem die vielfältigen Aufgaben und Einsätze des Technischen Hilfswerkes Waldshut-Tiengen viel Spaß machen.

WALDSHUT-TIENGEN. Das Technische Hilfswerk (THW) bietet umfangreiche Hilfen in Notfällen an. Ursula Freudig sprach mit Christian Hipp, Ortsbeauftragter für Waldshut-Tiengen, über die Organisation.

BZ: Herr Hipp, was alles gehört zu den Aufgaben des THW?
Hipp: Unser Grundauftrag ist der Zivil- und Katastrophenschutz im Auftrag des Bundes. Dabei sind wir im Rahmen der örtlichen Gefahrenabwehr hauptsächlich unterstützend tätig, das heißt, wir stehen an der Seite anderer Organisationen wie der Feuerwehr, der Polizei und dem Zoll. Wir arbeiten natürlich auch untereinander zusammen, insbesondere mit den THW-Ortsverbänden in Laufenburg und Bad Säckingen.

BZ: Können Sie Beispiele für Einsätze aus dem vergangenen Jahr nennen?

Hipp: 2018 waren es 23 Einsätze. Anfang des Jahres waren wir vier Tage lang mit der Notstromversorgung in Ühlingen-Birkendorf nach dem Sturm "Burglind" beschäftigt. Auch beim Hochwasser in St. Blasien waren wir mit rund 30 Leuten im Einsatz.

BZ: Was war die größte Herausforderung im Jahr 2018?

Hipp: Eine defekte Abwasserleitung in Wutöschingen. Über sechs Tage lang mussten wir rund um die Uhr Abwasser über einen Bypass pumpen. Für solche Dinge haben wir im Rahmen der Fachgruppe "Wasserschaden/Pumpen" spezielle Gerätschaften. Unsere Großpumpe war vor Jahren sogar einmal für einen Einsatz nach einem Hurrikan in New Orleans vorgesehen. Ab und zu sind auch Leute von uns bei überregionalen Einsätzen dabei. Mein Stellvertreter zum Beispiel war 2005 in Liberia, wo das THW im Rahmen eines UN-Projekts bei der Wartung von Notstromaggregaten geholfen hat.

BZ: Das klingt sehr vielfältig und an-spruchsvoll. Kann jeder mitmachen?

Hipp: Eine gewisse gesundheitliche Eignung muss man mitbringen. Eine Grunduntersuchung und bestimmte Impfungen sind Voraussetzungen für Einsätze. Ebenso eine Grundausbildung, sie dauert rund 80 Stunden und wird einmal im Jahr im Herbst angeboten. Aber man kann auch Helfer ohne Einsatzbefähigung werden. Wir würden uns zum Beispiel sehr über einen Koch oder eine Köchin freuen, der oder die ab und zu für unsere Aktiven kocht oder über jemanden, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

BZ: Muss man nicht auch technisches Verständnis mitbringen?

Hipp: Nein, die technischen Grundlagen werden neben anderen Dingen in der Grundausbildung vermittelt. Jeder kann das lernen. Unsere 40 Helfer, darunter fünf Frauen, kommen aus verschiedensten Berufen. Und in unserer Jugendgruppe werden die Kinder und Jugendlichen spielerisch an technische Gerätschaften herangeführt. Mit allem, was in unserem Fuhrpark steht, dürfen sie arbeiten.

BZ: Würden Sie sagen, man kann viel beim THW lernen?

Hipp: Ja, auf jeden Fall. Es ist ein sehr interessantes Ehrenamt, bei dem man viel erleben und auch vieles lernen kann, was man beruflich und privat gebrauchen kann. Zum Beispiel kann man bei uns den Lastwagen- oder den Gabelstapler-Führerschein machen oder den Motorsägeschein. Es hängt von der Eignung ab, wer was machen kann und natürlich auch vom Bedarf. Grundsätzlich gilt aber: Wer sich weiterbilden will, bekommt auch die Chance dazu.

BZ: Kann man die Aufgaben des THW eigentlich klar von denen der Feuerwehr abgrenzen?

Hipp: Es gibt Überschneidungen, aber niemand nimmt jemandem etwas weg. Die Zuständigkeiten von Feuerwehr und THW sind unterschiedlich angelegt und klar geregelt. Ich sehe es so, dass wir ergänzend tätig sind und dadurch alle davon profitieren. Ein kameradschaftliches Verhältnis zwischen Feuerwehr und THW ist mir wichtig.

BZ: Wem ist Ihr Ortsverband unterstellt, und wer finanziert Sie?

Hipp: Wir sind eine Organisation des Bundes und direkt dem Bundesministerium des Inneren unterstellt. Diese Struktur ist einmalig in der Welt. Wir werden auch vom Bund finanziert und bekommen Gelder für den Fuhrpark und beispielsweise die Lohnfortzahlung der Helfer, die im Einsatzfall vom Arbeitgeber freigestellt werden müssen. Grundsätzlich entsteht Helfern kein Nachteil, wenn sie bei uns mitmachen. Die Bundesmittel sichern unsere Grundausstattung, aber um den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten gerecht zu werden, sind wir auf Unterstützung angewiesen. Wir haben deshalb einen Förderverein gegründet.

BZ: Mehr Mitglieder und mehr Geld wären also gut?

Hipp: Ja, wir freuen uns über jedes neue Mitglied, sei es als Helfer, im Förderverein oder in der Jugendgruppe. Auf unserer Homepage http://www.thw-waldshut-tiengen.de kann man sich informieren und Kontakt aufnehmen. Wer will, kann auch einfach vorbeischauen. Wir treffen uns in der Regel jeden Montag um 19 Uhr im Kaitle, Von-Opel-Straße 7.