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16. Juli 2011

Ein Kämpfer für die Bildung

Wolfgang Kremp, seit fast einem Vierteljahrhundert Leiter der Justus-von-Liebig-Schule in Waldshut, hat am 27. Juli seinen letzten Schultag.

  1. Wolfram Kremp, Leiter der Justus-von-Liebig-Schule, geht in den Ruhestand. Foto: Elisabeth Willers

WALDSHUT-TIENGEN. Wolfram Kremp hat einen langen Atem. Den braucht er nicht nur, wenn er in den Alpen unterwegs ist. Fast ein Vierteljahrhundert ist Kremp nun schon Schulleiter an der Justus-von-Liebig-Schule in Waldshut und auch da hat ihm die gute Kondition oft geholfen. Ein Pädagoge muss Geduld haben, damit sich bei jungen Menschen die Dinge entwickeln können, findet er. Mit seiner Geduld ist er längst nicht am Ende, wohl aber mit seinem Engagement als Lehrer. Ende Juli geht der 65-Jährige in den Ruhestand.

Der scheidende Chef der Justus-von- Liebig-Schule ist keiner, der viel Aufhebens um seine Person macht. Für das Abschiedsfest, das nach insgesamt 36 Jahren als Lehrer und Leiter der Waldshuter Kreisschule irgendwie sein muss (am Donnerstag, 21. Juli), hat er sich ausbedungen, dass nicht so viel geredet wird. Kremp hat es lieber kurz, knapp, unverschnörkelt. Wenn es um das Wohl und Wehe "seiner" Schule geht, scheut er allerdings weder Zeit noch Mühen, um für das zu kämpfen, was er für richtig hält. Das hat er vor allem beim Umzug der Justus-von-Liebig-Schule vom alten Sipo-Gebäude in das neue Domizil an der Von-Kilianstraße bewiesen. Kremp ist stolz, Schulleiter der ersten Energiesparschule Deutschlands zu sein. Es lebe sich gut in dem Passivhaus mit kontinuierlicher Frischluftzufuhr, sagt er jedem, der nach der nun achtjährigen Erfahrung fragt. Und 82 Prozent weniger Energieverbrauch ist seiner Meinung nach wahrhaftig eine nennenswerte Leistung.

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Wolfram Kremp ist 1946 in Durbach in der Ortenau geboren. In Umkirch besuchte er die Volksschule, in Freiburg machte er sein Abitur, um danach Germanistik und Politikwissenschaften zu studieren. Nach dem Referendariat trat er 1977 seine erste Stelle an der Rudolf-Eberle-Schule und den hauswirtschaftlichen Schulen in Bad Säckingen an und wechselte 1980 an die Justus-von-Liebig-Schule nach Waldshut. 1984 wurde er stellvertretender Schulleiter, drei Jahre später Schulleiter. Hatte der Landkreis Waldshut als Schulträger schon geraume Zeit mit einem Neubau für die Justus-von-Liebig-Schule geliebäugelt, so wurde 2003 der Traum endlich wahr. Die Idee von Architekten und Planern, eine Energiesparschule zu bauen, habe er von Anfang an gut gefunden, sagt Kremp rückblickend. Nach den Höhepunkten seines 36-jährigen Arbeitslebens als Lehrer und Schulleiter gefragt sagt er: "Bis heute gehe ich immer noch am liebsten in den Unterricht." 13 Schularten sammeln sich unter dem Dach seiner Schule. Dazu zählen das Biotechnologische und das Ernährungswissenschaftliche Gymnasium ebenso wie die berufsqualifizierenden Abschlüsse für Erzieher, Altenpfleger oder auch Assistenten zum Gesundheits- und Sozialwesen.

Als Wolfram Kremp nach Waldshut kam, waren es 372 Schüler, heute werden annähernd 800 Schüler unterrichtet, davon 82 Prozent Mädchen und junge Frauen. Auch das Kollegium mit 73 Lehrern besteht bis heute zu zwei Dritteln aus Frauen.

Kremp ist überzeugt: Unterstützung und Förderung zahlen sich aus

War es früher einfacher junge Menschen zu unterrichten? Werden einem Lehrer und Schulleiter heute andere Fähigkeiten abverlangt? "Das Schulsystem in der heutigen Form kann kaum auffangen, wenn jungen Menschen durch die teilweise massiven Probleme in ihren Familien nicht die notwendige Leistung erbringen", formuliert es Kremp vorsichtig. Junge Leute seien heute nicht besser oder schlechter als früher, doch fehle es immer öfter an Orientierung.

Für die Justus-von-Liebig-Schule ist er froh, dass es eine Jugendberufshelferin gibt, die es immer wieder schaffe, Kontakte zu den Betrieben zu knüpfen und Perspektiven zu schaffen. Unterstützung und Förderung seien aber immer auch eine Frage der Kosten und der personellen Besetzung – und beides müsse politisch gewollt sein. "Aber es bringt was", ist seine Überzeugung.

Wolfram Kremp gerät richtig in Fahrt, wenn es um die Bildungspolitik geht. Der Gedanke, dass an den beruflichen Schulen im Kreis Waldshut im kommenden Schuljahr viel zu viel Stellen nicht besetzt sein werden, treibt ihn um. Könnte ihm ja eigentlich egal sein. Sein letzter Schultag ist der 27. Juli. Danach wird aufgeräumt und am 31. Juli der Schlüssel seinem Nachfolger Thomas Gehr übergeben.

Doch ein Lehrerdasein streift einer wie Kremp nicht einfach so ab. Und so, wie er den Kontakt zu früheren Schülern pflegt, wird er sicher auch die Waldshuter Schullandschaft im Blick behalten. Das heißt, erst einmal wollen er und seine Frau fünf Monate lang verreisen, Freunde und Verwandte in Neuseeland und Brasilien besuchen. Und dann? Der Garten rund ums Eigenheim in Remetschwiel ist groß und vor dort aus sieht man die Alpen, wo er sicher von Zeit zu Zeit seine Kondition unter Beweis stellen wird. Für Kremp bleibt das Leben spannend.

Autor: Elisabeth Willers