Klettern statt schwimmen

Juliane Schlichter

Von Juliane Schlichter

Mi, 05. September 2018

Waldshut-Tiengen

Paul Albiez-Kaiser von den Grünen ist gegen Erhalt des Freibads in Waldshut und schlägt stattdessen ein Freizeitgelände vor .

WALDSHUT-TIENGEN. Während die Mitglieder und Unterstützer des Vereins Pro Freibad die Werbetrommel für den Bürgerentscheid am 21. Oktober rühren, gibt es auch Menschen, die sich darüber Gedanken machen, was aus dem Gelände am Rhein wird, sollte der Bürgerentscheid doch die Schließung des Freibads als Ergebnis hervorbringen. So wie Paul Albiez-Kaiser aus Waldshut.

Der Stadtrat der Grünen hatte im März gegen den Weiterbetrieb in Waldshut gestimmt. "Weil ich denke, dass für die Stadt Waldshut-Tiengen ein attraktives Freibad ausreichend ist", begründet er seine Entscheidung und verweist auf das Freibad in Tiengen, das für sechs Millionen Euro saniert wird.

Auch wenn Paul Albiez-Kaiser und die Pro-Freibad-Kämpfer unterschiedliche Interessen verfolgen, stimmen sie in einem überein: "Das herausragende Merkmal des Waldshuter Freibades ist seine Lage am Rhein." Für den Kommunalpolitiker muss das Gelände in dieser besonderen Lage aber nicht zwingend als Freibad genutzt werden. "Alternativ ist doch auch ein Freizeitgelände denkbar", sagt Albiez-Kaiser. Der Oberstudienrat hat sich bereits konkrete Gedanken gemacht, wie ein solches Freizeitgelände aussehen und welche Attraktionen es bieten könnte: "Eine Soccerbox – die fehlt in Waldshut", sagt er. Dabei handelt es sich um ein kleines Fußballfeld, das von Netzen und einer Bande umschlossen wird. Der Vorteil gegenüber einem Bolzplatz: Der Ball kann nicht weit weggeschossen werden. "Die Soccerbox wäre bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt", glaubt Albiez-Kaiser.
Des Weiteren kann sich der Stadtrat der Grünen auf dem Freibad-Gelände in Waldshut eine Kletterpyramide und einen großen Kinderspielplatz mit Wasserspielen vorstellen. Außerdem schlägt er vor, das vorhandene Beachvolleyballfeld um eine Dusche zu ergänzen. Mehrere Grillstellen dürfen in seinen Augen auch nicht auf dem weitläufigen Areal fehlen. "Abends mit Freunden und Familie dort zu grillen, kommt bestimmt gut an", ist Albiez-Kaiser überzeugt.

Obwohl er ganz genaue Vorstellungen für die spätere Nutzung hat, möchte Paul Albiez-Kaiser "keinen abschließenden Plan vorlegen". "Wichtig ist, dass andere Bevölkerungsgruppen einbezogen werden", betont er. Denn "je mehr Gruppierungen beteiligt sind, desto größer wird die Identifikation mit dem Projekt".

Einen entscheidenden Vorteil sieht Paul Albiez-Kaiser darin, dass ein Freizeitgelände ganzjährig genutzt werden könnte, im Gegensatz zum Freibad, das nur in den Sommermonaten seine Türen öffnet. Obwohl er gegen den Erhalt des Freibads im Gemeinderat stimmte, hat er Verständnis für das Anliegen des Vereins Pro Freibad Waldshut: "Es ist nachvollziehbar, dass die Mitglieder für den Erhalt kämpfen, aber ich bin nun mal anderer Meinung." Albiez-Kaiser hofft, dass möglichst viele Waldshut-Tiengener Bürger zur Abstimmung am 21. Oktober gehen.

Das Gelände
Die Verwaltung hat keinen Auftrag, planungsrechtliche Möglichkeiten für das Freibadgelände auszuarbeiten, sagt Bürgermeister Joachim Baumert auf die Frage, was dort wäre. Planungsrechtlich liege das Gebiet Freibad Waldshut im Außenbereich. Im Flächennutzungsplan sei die Fläche als "Grünfläche Freibad" ausgewiesen. Seit 2006 ist der Bereich auch festgesetztes Überschwemmungsgebiet. Planungsrechtlich zu beachten sei außerdem, dass ein Teil des Geländes in einem Wasserschutzgebiet liegt. Dort besteht ein grundsätzliches Bauverbot.

Das Projekt Almhütte
Auf Einladung des SPD-Ortsvereins Waldshut stellten der Unternehmer Philipp Schmidt und der ehemalige Pächter des Schwimmbad-Cafés Andreas Schnäbele zusammen mit dem Hamburger Investor Christoph Fischer Anfang Juli ihre Pläne für eine Almhütte oder einen Beachclub auf dem Gelände des Waldshuter Freibads vor. Die Anlage würde Platz für 180 Personen bieten und könnte für viele Anlässe genutzt werden. Auch im Falle der Schließung des Bades könnte die Einrichtung profitabel genutzt werden, hieß es bei der Vorstellung des Projekts. "Das Projekt hat Charme, ist aber, wenn überhaupt, nicht so schnell umsetzbar, wie es Pro Freibad und Investoren vorschwebt", sagte OB Philipp Frank zu den Plänen. Zunächst gelte es, den Bürgerentscheid im Herbst abzuwarten.

Der Bürgerentscheid
Die Bürger der Stadt Waldshut-Tiengen sind aufgerufen, beim Bürgerentscheid am Sonntag, 21. Oktober, abzustimmen, ob das Waldshuter Freibad geöffnet bleiben und weiterhin durch die Stadtwerke Waldshut-Tiengen GmbH betrieben werden soll. Den Weg geebnet für den Bürgerentscheid hat das Bürgerbegehren des Vereins Pro Freibad, der rund 4900 Unterschriften gesammelt hatte. Der Bürgerentscheid wäre aus Sicht von Pro Freibad unter zwei Voraussetzungen erfolgreich. Zum einen, wenn es mehr Ja- als Nein-Stimmen gibt. Es genügt die einfache Mehrheit. Allerdings muss die Summe der Ja-Stimmen zugleich auch mindestens 20 Prozent aller Stimmberechtigten ausmachen. Das wären etwa dann 3800 Ja-Stimmen.