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26. August 2010
Klinikhygiene ständig im Fokus
Waldshuter Krankenhaus bescheinigt sich einen hohen Standard.
WALDSHUT-TIENGEN (rog). Infektionsrisiken durch Säuglings-Infusionen wie bei den Todesfällen in der Mainzer Uni-Klinik sind im Spital Waldshut kein Thema. Denn das Krankenhaus verfügt weder über eine Intensivstation für Babys noch über eine Frühgeburtsabteilung. Permanent auf der Tagesordnung steht jedoch das Thema Klinkhygiene, wobei das Spital über einen hohen Standard berichtet.
Nährlösungs-Infusionen würden Babys ausschließlich auf Frühgeborenen- oder Intensivstationen gelegt. Dies erklärt Günter Michaelis, stellvertretender Ärztlicher Direktor des Waldshuter Spitals. Komplikationsfälle, die in Waldshut pro Jahr etwa sechs- bis achtmal aufträten, würden in Spezialkrankenhäuser verlegt. In der Regel geschehe dies noch vor der Geburt. Nächstgelegene Einrichtung ist die Kinderklinik in Lörrach.Im Zusammenhang mit dem Tod von drei Babys in der Mainzer Uni-Klinik ist die Klinikhygiene allgemein ins Blickfeld geraten. Günter Michaelis sagt dazu: "Krankenhaus-Hygiene ist immer ein Thema." Der Mediziner berichtet über intensive Bemühungen und Erfolge des Waldshuter Spitals auf diesem Gebiet. Als Indikator für den Hygiene-Standard könne der Eitererreger MRSA betrachtet werden, der wegen seiner Resistenz gegen herkömmliche Antibiotika gefürchtet ist. Im Durchschnitt seien 30 Prozent der Patienten auf deutschen Intensivstationen von dem Bakterium befallen. Im Waldshuter Krankenhaus betrage die Rate nur drei Prozent, so Michaelis weiter. Darüber hinaus weist er darauf hin, dass die Feststellung des Erregers noch nicht gleichbedeutend mit einer Infektionserkrankung sei.
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Im bundesweiten Durchschnitt erkranken laut Michaelis 3,6 Prozent der stationären Patienten an einer bakteriellen Infektion. Ein Drittel der Fälle könne laut Fachleuten durch verbesserte Hygiene vermieden werden. Der Ärztliche Direktor sagt: "Das ist ein Potenzial, das man angehen muss."
Dass die Klinikhygiene eine wachsende Herausforderung darstellt, hängt unter anderem mit der demografischen Entwicklung zusammen. Jakob Englisch, Assistent der Spital-Geschäftsleitung: "Das Problem nimmt zu, weil wir alle immer älter werden."
Michaelis erklärt, das Waldshuter Spital sei um stetigen Fortschritt bemüht: "Wir sind ständig dabei, unsere Hygienemaßnahmen zu überprüfen." Beispiel für besondere Vorsorge: Jeder Patient, der aus einem anderen Krankenhaus oder aus einem Pflegeheim kommt, werde zunächst isoliert und auf Befall mit dem MRSA-Erreger untersucht.
Die aktuelle Hygiene-Diskussion wird im Spital mit gemischten Gefühlen verfolgt. Während Politiker schärfere Vorschriften fordern, sehen die Praktiker sich im Stich gelassen. Hygienefachmann Peter Vogelbacher vom Spital verweist darauf, dass Krankenkassen die Untersuchung auf MRSA nicht bezahlten. Auch den Hausärzten würden diese Mehrkosten nicht erstattet.
Hygieneplan
Krankenhaus Waldshut: Das Spital, das im Besitz einer städtischen Stiftung ist, hat rund 560 Beschäftigte. Darunter sind 65 Arztstellen. Jährlich werden etwa 11 000 Patienten stationär aufgenommen und 6000 bis 7000 Operationen vorgenommen.
Hygieneplan: Das Waldshuter Spital hat für die Beschäftigten einen Hygieneplan erstellt. Darin sind Vorgehensweisen detailliert festgeschrieben, von der Blutabnahme über die Isolation bis hin zur Zimmerreinigung. Das Spital nimmt in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt am baden-württembergischen Modellprojekt MRE-Netzwerk teil. Ziel ist die Bekämpfung der Weiterverbreitung multiresistenter Erreger (MRE). Dabei handelt es sich um Bakterien, die durch ihre Antibiotika-Resistenzen die Therapie von Patienten erschweren. Zudem ist das Spital dem Deutschen Beratungszentrum für Hygiene (BZH) angeschlossen, das 1995 am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg gegründet wurde.
Zentralsterilisisation: Vor zwei Jahren wurde im Waldshuter Spital die Abteilung für Zentralsterilisation erneuert. Dort werden, hauptsächlich aus dem Operationsbereich, täglich mehrere Hundert Geräte gereinigt und neu sterilisiert.
Autor: rog
Autor: bz
