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13. September 2017

Kandidatencheck

Lothar Schuchmann (Die Linke) im Wahlkreis 288 Waldshut

Seine Oma war Lothar Schuchmanns Vorbild, klug, standhaft und streitbar. Aufmerksam zu sein und sich einzusetzen, habe sie ihn gelehrt. Nicht zuletzt sein Beruf als Kinderarzt prägte ihn für das Anliegen soziale Gerechtigkeit, für die er sich beharrlich politisch einsetzt.

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"Was ich im Sinn habe..."

"Alle Menschen sollten schon als kleinste Kinder emotional gepflegt in ihren Familien Bindung und stabile, soziale Beziehungen erleben und erlernen können. Je ärmer und bildungsferner, desto schwieriger ist das oft. Wir sollten Programme auflegen, die ganz früh mit unterstützender Begleitung ansetzen. In der außerfamiliären Hilfe müssen wir die Eltern einbeziehen. Mehr Unterstützung hier ist auch wertvoll für die Demokratie, denn die ist vor allem gefährdet durch die fortgesetzte, extreme Ungleichheit."  

Autor: bz

"Was ich anpacken will..."

"Ein zentrales Anliegen ist das Gesundheitswesen. Die Finanzierung von Krankenhäusern lässt sich anders strukturieren. Die Diagnose ist klar: zu wenig Fachpersonal in der Pflege, Sanierungsstau bei den Kliniken. Die Fallpauschalen erhöhen den Druck, viel zu schnell zu entlassen. Der Trend zur Differenzierung der Krankheiten nach der Höhe des Entgelts und auch zu nicht notwendigen Eingriffen. Die ärztliche Profession wird von der Ökonomie entwertet – das muss sich ändern!"  

Autor: bz

"Mein Herz schlägt für..."

"Als Kinderarzt liegt mir das Wohl von Kindern und Jugendlichen am Herzen, speziell für die, die in Armut und Ausgrenzung aufwachsen. Jetzt haben wir endlich ein Bewusstsein für das Klima und den Umweltschutz geweckt – aber dramatisch mangelt es am Schutz der "Innenwelt". Also: Wie geht man mit den Allerkleinsten um? Die Wurzeln für schlechte Perspektiven liegen in den frühesten Lebensphasen. Das heißt: Das erste unterstützende Gespräch muss in den geburtshilflichen Abteilungen stattfinden und sollte nicht abreißen. Wir erleben die negativen Auswirkungen eines Aufwachsens ohne die Fähigkeit zu Mitgefühl, aber auch des Aufwachsens mit der Aufforderung, sich gefügig unterzuordnen. Beides ist schlimm."  

Autor: bz

"An die Nieren geht mir..."

"Soziale Ausgrenzung im Miteinander und in den politisch gesetzten Strukturen machen mich wütend. Jegliches soziale Elend geht mir an die Nieren. Genauso wie die Wohnungslosigkeit – nicht nur als wohnungspolitisch gewolltes Phänomen, sondern auch als Ausdruck von sozialer Unbehaustheit. Genauso der Pflegenotstand. Wie zum Beispiel die Infrastruktur für ältere Menschen in den ländlichen Regionen nachlässt. Da bürdet man den Ehrenamtlichen zu viel auf."  

Autor: bz

Drei Ziele...

... für meinen Wahlkreis

» Die Unterbringung von Kleinkindern in Flüchtlingsunterkünften verbessern
Die Krippensituation auf dem Land verbessern

» Die Attraktivität der ländlichen Regionen stärken, etwa im Nahverkehr

... für die Bundespolitik

Programme auflegen für (Klein-) Kinderschutz und (Klein-) Kinderförderung
» Eine kommunale Ebene für Mitsprache im Bund, etwa für das drängende Problem Wohnungsbau  

Autor: bz

"Beweglichkeit in der Politik..."

"Die Situation mit den Flüchtlingen bebildert schön, wie Beweglichkeit bei politischen Entscheidungen oft lebensnaher und einfach besser wäre. Es bieten sich immer wieder gute Lösungen vor Ort an, die wir unterstützen könnten, anstatt die Kommunen den Verwaltungsapparat durchlaufen zu lassen. Da gibt’s so unsinnige Dinge wie das neue Flüchtlingsheim am Ende des Dorfs ohne Infrastruktur, obwohl man die Flüchtlingsfamilien dezentral unterbringen könnte."  

Autor: bz

"Mein weiterer Weg führt mich..."

"Die Linke ist nicht die typische Ärzte-Partei, aber ich sehe hier meinen Platz auf dem Weg für Friedenspolitik, soziale Gerechtigkeit, Kinderschutz und Gemeinschaftsschule, Daseinsvorsorge. Da heißt’s ja gerne: Das rechnet sich nicht. Aber was wir durch mangelnden Einsatz begünstigen, kommt unsere Gesellschaft fiskalisch erst recht teuer: Gefängnis, Sucht, Wohnungslosigkeit, Krankheit und so weiter. Das müssen wir besser lösen. Ich fühle mich freier und weniger einschüchterbar als viele Mitstreiter – und eine gewisse Sturheit ist mir in die Wiege gelegt!"  

Autor: bz

ZUR PERSON: Lothar Schuchmann

Der 77-Jährige trat 1967 der SPD bei und 1993 aus Protest gegen die Asylpolitik aus. 2004 gründete er die WASG mit, seit 2007 ist er Mitglied der Linken und seit 2009 Stadtrat der Unabhängigen Listen in Freiburg. 2009 kandidierte er für den Bundestag, 2016 für den Landtag. Verheiratet, vier Kinder und acht Enkel.

Geboren: 9. März 1940 in Freiburg
Wohnort: Freiburg, Unterwiehre Nord
Beruf: Kinderarzt im Ruhestand

Karriere: Erst angestellter Kinderarzt, von 1984 bis 2009 Praxis in Landwasser
Studium: in Berlin, Hamburg und Freiburg

Parteimitglied seit 2007

http://www.die-linke-freiburg.de  

Autor: bz

NACHGEHAKT: Info

Erfolg sagt nichts über die Richtigkeit der Arbeit aus

Wie ist das mit der Motivation, wenn man über 5 Prozent der Stimmen froh wäre und bei 6,6 Prozent, wie man sie schon einmal hatte, sich selbst beglückwünschen würde? Lothar Schuchmann sagt, das Ansehen der Linken sei gering, die Chancen für die Wahl stünden also nicht besonders. Er erklärt sich das damit, dass der Linken die Fusion mit der PDS als Fehler noch nachhänge. Als Kommunist bezeichnet oder mit der Stasi in Verbindung gebracht zu werden, sei nichts Ungewöhnliches. Vor allem aber fehlten ihr die Strukturen und die Verwurzelung in den Städten und Gemeinden. Wenige Mitglieder machten eben noch keine Partei.

Die Motivation? "Wir dürfen reden und werden nicht eingesperrt. Wir müssen eben unsere Anliegen erklären, müssen präsent sein, mit Bildung, Überzeugungskraft, ausdauernd und freundlich. Die CDU hat Jahrzehnte Vorsprung." Schuchmann hat die Erfahrung gemacht, "dass wir, wenn wir uns für die Alltagsprobleme interessieren, ankommen und auch Sympathisanten gewinnen, aber ohne Mehrheit nichts machen können". Seine Lesart: Der Erfolg anderer Parteien sagt noch lange nichts über die Richtigkeit deren politischer Arbeit aus.

An seinen Infoständen erlebt es der Kandidat meist so, dass sich die Älteren interessiert und gesprächsbereit zeigen. Er seinerseits nehme sich die Zeit zum Zuhören, denn "in jeder persönlichen Geschichte stecke ein Körnchen Wahrheit. Als Linker in diesem Wahlkreis dogmatisch aufzutreten, davon hält er nichts. Der theoretische Unterbau müsse wohl sein, aber "man muss schon überlegen, wo man wie spricht". Und das sind aus seiner Sicht die Themen, die Menschen in ihrem Alltag beschäftigen. Nahverkehr, Bildung und Schule oder auch die Situation der Landwirtschaft. Apropos Bildung: Schuchmann kann nicht verstehen, dass Grundschullehrer schlechter verdienen als Gymnasiallehrer; ihrer Arbeit komme gesellschaftlich und kulturell besonders große Bedeutung zu. Sein persönliches Thema ist soziale Gerechtigkeit und hier vor allem Chancengleichheit für Kinder. Egal, aus welchem Umfeld sie kommen, ihrem Wohl müsse die Aufmerksamkeit gelten.

Motivation? Der 77-Jährige fühlt sich gesund. Wenn es so bleibt, will er sich bei den nächsten Landtags- und Bundestagswahlen wieder um 5 Prozent bemühen.  

Autor: pes

Autor: Peter Stellmach