Schutz für Opfer von häuslicher Gewalt

Susanne Schleinzer-Bilal

Von Susanne Schleinzer-Bilal

Di, 27. Juni 2017

Waldshut-Tiengen

Verein Frauen- und Kinderschutzhaus Waldshut-Tiengen zieht Jahresbilanz.

KREIS WALDSHUT. Einen eindrucksvollen Überblick über den Alltag der Beratungsstelle Courage gab Geschäftsführerin Regina Keite an der Hauptversammlung des Frauen- und Kinderschutzhauses Waldshut-Tiengen. 2016 sei das Frauenhaus zu 121 Prozent belegt gewesen. 32 Frauen und 28 Kinder hätten Schutz vor häuslicher Gewalt im Frauenhaus gesucht, die meisten Frauen waren zwischen 40 und 50 Jahre alt, aber auch einige Frauen unter 20 Jahren suchten Schutz. Die Kinder waren zwischen sechs und zwölf Jahre alt. Als Täter sei meist der Ehemann oder Lebensgefährte angegeben worden. Nichtsdestotrotz seien zwölf Prozent der Frauen wieder zu ihren Ehemännern zurückgekehrt, erklärte Keite. Die Gründe dafür seien vielfältig. Einige Frauen seien mit der neuen Position als Alleinerziehende überfordert. Dazu verspreche der Partner eine Therapie in Angriff zu nehmen oder drohe mit der Wegnahme der Kinder. Die Frauen kehrten zurück in der Hoffnung, die Beziehung doch noch retten zu können.

Problematisch werde es, wenn es sich um Frauen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus handle, die jederzeit abgeschoben werden könnten. In einem Fall sei eine Frau, die in einem Asylheim gewohnt habe, von ihrem Mann schwer misshandelt und ins Frauenhaus geschickt worden. Sie sei von der Familie unter Druck gesetzt worden, zusammen mit dem Ehemann in die Heimat zurückzukehren. Eigentlich habe sie hierbleiben wollen, habe aber dem Druck nicht standgehalten und sei gegangen.

Das Thema Frauen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus sei schwierig, bestätigte auch Gabriele Schmidt, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Frauenhaus und CDU-Bundestagsabgeordnete. Insgesamt seien 2015 über 100 000 Frauen Opfer ihrer gewalttätigen Partner geworden, 331-mal sei es gar zu Mord oder Totschlag gekommen. Die Politik sei hier laut Schmidt keineswegs untätig: Seit Kurzem gebe es ein Gesetz gegen sexuelle Gewalt. Dazu gebe es seit dem 1. Juni die sogenannte Istanbul-Konvention-Ratifizierung. Deutschland sei das 23. Land, das die Konvention ratifiziert habe. Hiermit habe sich das Land zu einer Reihe von Maßnahmen verpflichtet, die der Gewalt gegen Frauen ein Ende setzen sollen.