Feuerwerkskörper

Warnung vor Polenböllern

dpa/AFP

Von dpa & AFP

Di, 11. Dezember 2018 um 20:30 Uhr

Panorama

Wie jedes Jahr droht an Silvester Gefahr. Experten warnen vor Böllern aus Polen und vor dem falschen Umgang mit Feuerwerkskörpern.

BERLIN (dpa). Jedes Jahr ist wieder Silvester, und jedes Jahr verletzen sich dann Menschen mit Feuerwerkskörpern, bisweilen auch tödlich. Deshalb warnt, auch jedes Jahr, die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), vor gefährlichen illegalen Böllern und vor unsachgemäßem Umgang mit Raketen und Knallern.

"Drei, zwei, eins." Die Umstehenden halten sich die Ohren zu. Aber nichts passiert. Der als besonders stark angekündigte illegale Böller auf einem Testgelände der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin zündet nicht. Es regnet ja auch in Strömen. Der Nachbau einer Menschenhand, der den Knaller auf einem Versuchstisch hält, bleibt diesmal unversehrt. Ein ganz normaler Knaller allerdings hatte vorher eine andere künstliche Hand durchaus beschädigt.

Anstatt die Folgen einer "Polenböller"-Explosion für Finger zu demonstrieren, können die Pyrotechnik-Experten der BAM nun immerhin noch zeigen, wie man mit Blindgängern umgehen sollte: Man nähert sich kein zweites Mal mit dem Streichholz, fummelt nicht daran herum. Ende der Vorführung.

Raketen, Böller und andere Knaller verletzen am Jahresende regelmäßig Menschen – mal denjenigen, der sie abfeuert, mal Unbeteiligte. Ein Teil der Opfer zieht sich zum Beispiel Verbrennungen zu. Geht ein hierzulande illegaler Knaller wie ein sogenannter Polenböller versehentlich in der Hand hoch, kann das sogar mehrere Finger kosten. Und auch Todesfälle kommen vor – allein in Brandenburg starben voriges Silvester unabhängig voneinander zwei Männer. Einer hatte sein Feuerwerk selbst gebaut.Klar, dass bei der BAM vor Manipulationen auf Schärfste gewarnt wird.

Aber die Menschen scheinen die Risiken nicht immer leichtfertig, sondern oft auch unwissentlich einzugehen. Die BAM-Experten machen klar: Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass im EU-Ausland gekauftes Feuerwerk automatisch sicher und auch in Deutschland legal ist. Denn neben EU-Regelungen gibt es auch noch länderspezifische Vorgaben. Deshalb kann der Böller aus Polen statt mit Schwarzpulver mit anderen "brisanten Substanzen" gefüllt sein, wie Pyrotechnik-Fachmann Christian Lohrer von der BAM sagt. Er spricht von einem sogenannten Blitzknallsatz, der sehr viel stärker reagiere. Damit gehen höhere Temperaturen und ein heller Lichtblitz einher. In Südeuropa hingegen seien beispielsweise deutlich lautere Feuerwerkskörper erlaubt, sagt sein Kollege Martin Dümmel.

Zur Verwendung in Deutschland solle man sein Feuerwerk auch hierzulande kaufen, in "vertrauenswürdigen Läden" und nicht etwa aus Kofferräumen an Autobahnparkplätzen, betont Lohrer. Geprüftes Feuerwerk erkennen Käufer am CE-Zeichen und an der Registriernummer. Diese enthält die Kennnummer der Stelle, die die Feuerwerkskörper geprüft hat. In Deutschland ist das die BAM. Sie hat die Kennnummer 0589, die am Anfang jeder Registriernummer steht. Es folgt die Feuerwerkskategorie (F1 oder F2) und eine fortlaufende Nummer. Eine vollständige Registriernummer kann also etwa 0589-F2-1254 lauten, nennt die BAM als Beispiel.

Zur Feuerwerkskategorie F1 gehören zum Beispiel Knallerbsen, Knallbonbons, Tischfeuerwerk, Wunderkerzen oder Party-Knaller. Diese Waren dürfen das ganze Jahr hindurch verkauft und benutzt werden. Gekauft werden dürfen diese Artikel auch von Minderjährigen ab 12 Jahren. Raketen, Batterien, Römische Lichter oder Knallkörper gehören zur Feuerwerkskategorie F2. Diese Artikel dürfen nur befristet und nur an Personen ab 18 Jahren abgegeben werden. Der Verkauf erfolgt in diesem Jahr laut BAM vom 28. bis 31. Dezember.

Nicht nur die Herkunft der Knaller, auch das falsche Hantieren damit kann den Fachleuten zufolge böse enden. BAM-Expertin Heidrun Fink betont, dass Raketen keinesfalls aus der Hand abgefeuert und Böller nicht geworfen werden dürften. Weil leere Flaschen für den Raketenstart oft zu unstabil seien, empfiehlt sie, eine Sektflasche für zusätzlichen Halt noch in eine Getränkekiste zu stellen. "Nach dem Anzünden direkt in den Mindestabstand begeben!", appelliert Fink noch. Dieser betrage bei Raketen, Batterien und Knallkörpern acht Meter. Ein Radius, der an Silvester in Städten selten zu sehen ist.