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17. März 2009

Warten auf die Retter in luftiger Höhe

Die Todtnauer Bergwacht probte mit umliegenden Ortsgruppen eine Rettungsaktion / 92 Wintersportler saßen im Sessellift fest.

TODTNAU-FAHL. Ein mit knapp hundert Personen besetzter Sessellift, der sich weder vor noch zurück bewegen lässt, Dutzende Einsatzkräfte der Bergwacht, Pistenbullys und Motorschlitten im Dauereinsatz: Das war das Szenario einer Rettungsübung an der Rothausbahn in Fahl am Wochenende.

Kurz nach dem offiziellen Betriebsschluss informiert Armin Savoy, Geschäftsführer des Alpin Centers, die 92 Fahrgäste auf den Liftsesseln per Lautsprecherdurchsage über einen technischen Defekt, der eine Weiterfahrt unmöglich macht. Die alarmierte Bergwacht eilt zu Hilfe und soll die Fahrgäste abseilen. "Bitte bewahren Sie Ruhe und befolgen Sie die Anweisungen", tönt es aus den Lautsprechern entlang der Bahntrasse.

Keine angenehme Situation für die Passagiere. Dennoch herrscht in den Sesseln ausgezeichnete Stimmung. Alle sind eingeweiht und haben sich freiwillig gemeldet, an der Rettungsübung teilzunehmen. So wie Familie Gripp aus Karlsruhe. Sie hat an der Infotafel von der Übung gelesen und sich spontan angemeldet. "Wir freuen uns, Angst haben wir keine", so die dreiköpfige Familie einstimmig.

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Armin Savoy hatte zuvor den Ablauf der Übung bekannt gegeben. So bereiteten sich alle auf ihre Art auf die Wartezeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte vor. Todtnaus Hauptamtsleiter Hugo Keller hatte seinen Rucksack prall gefüllt um seine Begleiter zu versorgen. Manche haben Tee und Glühwein dabei.

Tragbare DVD-Spieler sind ebenso vertreten wie Mini-Laptops. Von einem Sessel kann man sogar die Liveübertragung eines Fußballspiels hören. Andere genießen einfach nur die abendliche Stille. Die milden Temperaturen sorgen dafür, dass niemand frieren muss.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Szenario Realität wird, ist glücklicherweise gering."

Manfred Tschirner
Für die Rettungskräfte beginnt mit dem Stillstand der Bahn die Arbeit. Es gilt einen engen zeitlichen Rahmen einzuhalten. Weil so viele Wintersportler gerettet werden müssen, sind zehn Gruppen der Bergwacht im Einsatz. Die Einsatzleitung richtet sich in der Bergrettungswache Hebelhof ein. Von dort aus werden unter der Regie von Uwe Männel, Leiter Bergrettungsdienst der Bergwacht Schwarzwald, die 62 Helfer koordiniert. Mit Pistenbullys fahren sie zur Bahn. Die Kräfte des Oberen Wiesentals und der Bergwacht Bernau finden sich im Bereich der Talstation in Fahl ein, die anderen Gruppen sammeln sich an der Wache Hebelhof.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Szenario Realität wird, ist glücklicherweise gering", so Betriebsleiter Manfred Tschirner vom Alpin Center. Sollte der Strom ausfallen, kann auf einen kraftstoffbetriebenen Notantrieb zurückgegriffen werden. Und wenn dieser versagt, lässt sich immer noch die Schwerkraft nutzen und der Sessellift kann rückwärts fahren. "Eine Seilentgleisung wäre eine Möglichkeit, bei der wir nichts mehr machen können", berichtet Tschirner. Dann käme die Bergwacht zum Einsatz. Der letzte "echte" Einsatz am Feldberg liegt bereits Jahrzehnte zurück.

196 Personen kann die eineinhalb Kilometer lange Bahn maximal transportieren. Viel Arbeit für die ehrenamtlichen Bergwacht-Helfer. Sessel für Sessel arbeiten sie sich durch die Stützenfelder. Nichts für Leute mit Höhenangst.

An der höchsten Stelle müssen die Fahrgäste aus 16 Metern abgeseilt werden, die Stützen, über welche die Helfer auf das Seil gelangen, sind deutlich höher. Mittels einem Seilfahrgeräts bewegen sich die Helfer auf dem 45 Millimeter dicken Drahtseil vorwärts. Zusätzlich können Luftretter der Bergwacht zum Einsatz kommen, die vom Hubschrauber aus zu den Passagieren gelangen.

An den Sesseln angekommen, werden die Insassen gesichert und mit einem Dreiecksgurt versehen. Die Helfer am Boden können die Passagiere über eine Umlenkrolle ablassen. Nach und nach können so alle Personen aus luftiger Höhe gerettet werden. Im Übungsfall macht das allen Spaß: Ein Junge verkündet nach seiner Rettung, der Lift könne ruhig öfters stehen bleiben.

Joachim Schäfer von der Landesbergdirektion verfolgt den Ablauf der Übung genau. Seine Behörde überwacht die Sicherheit der Seilbahnen im Land und ordnet regelmäßige Übungen an. Mit dem Ablauf zeigte er sich zufrieden, die geforderte Frist von zwei Stunden wird eingehalten.

Auf sicherem Boden angekommen nehmen Bergwacht und Liftpersonal die Fahrgäste in Empfang. Von dort gelangen sie mit Pistenraupen zur Talstation. Zum Dank spendiert das Alpin Center einen Imbiss und eine Tageskarte. Auch Familie Gripp kommt heil wieder am Boden an und kann sich mit neuen Eindrücken auf den Weg zurück nach Karlsruhe machen. Bei der nächsten Übung wollen sie unbedingt wieder dabei sein. Und damit sind sie nicht die Einzigen.
Weitere Fotos der Rettungsübung gibt es im Internet in einem Fotoalbum auf http://www.badische-zeitung.de/todtnau

Autor: Thomas Frank