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16. Juli 2012

"Warum bist du hier?"

Kurt Krömer und sein "Nackter Wahnsinn" beim ZMF.

  1. Kurt Krömer Foto: W. Grabherr

Er pöbelt sein Publikum an ("Hör auf zu lachen! Macht dich hässlich!"), schnäuzt sich spurenreich in den Vorhang oder erzählt Flachwitze bis hin zum Rohrkrepierer ("Kommt ’ne Schwangere zum Bäcker. . . "), die er dann mit einem gelangweilten "Ham wa" von seiner Gag- Liste abhakt. An wem der Berliner Komiker und Schauspieler Kurt Krömer trotz diverser Fernsehshows bisher vorüber ging, der mag sich bei seinem neuen Programm "Der nackte Wahnsinn" im ZMF - Zirkuszelt schon wundern: Dieser unscheinbare Typ in zu großen Bundfaltenhosen mit Hosenträgern soll der Grimme-Preisträger 2011 sein? Und dieses Flickwerk aus Beschimpfungen und Miniaturtexten ein Programm? ("Konzept? – Hab ich noch nicht gefunden. . . ")

Wobei man schon beim Markenzeichen des 1974 geborenen Anarcho-Clowns wäre: Seine Kunstfigur lebt von Berliner Kodderschnauze, derber Provokation bis hin zur wilden Freude am Tabubruch, die von einem Mario Barth gar nicht so weit entfernt ist. Auch wenn er letzteres bestimmt nicht gerne hört. Was ihn allerdings deutlich von dem unterscheidet, sind seine Überraschungsmomente: Glatt oder absehbar geht anders.

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So wird erst mal einem fiktiven Techniker wegen seiner "Kackbratze" Gewalt angedroht, ein Zuschauer auf der Bühne niedergerungen, ein anderer weggejagt ("Warum bist du hier? Brennt irgendwo ’n Heim?"), dazwischen gibt’s ein bisschen FDP-Schmäh, Telecom-Anekdötchen und viel Selbstironie. In der Pause bleibt er zum Rauchen einfach sitzen, gibt dann doch den legendären Schneckenwitz als Zugabe ("Ich bin jetzt da angekommen, wo’s mir keinen Spaß mehr macht"), am Ende singt er "Ave Maria" und streckt dem Publikum sein nacktes Hinterteil entgegen. Das war’s.

Der Reiz liegt in Krömers Situationskomik und Improvisationsgabe, beides ergibt sich vor allem beim Zuschauerkontakt und ist Stand-up- Comedy pur: Mal mimt er den psychopathischen Kotzbrocken, ohne Übergang dann das Schlitzohr mit dem Charme eines ausgekochten Zwölfjährigen. Diese abrupten Heiß- Kaltduschen und sein spontaner, authentischer Mutterwitz, der jeglicher political correctness den Kampf erklärt, halten den inhaltsschwachen Abend in Spannung. Denn dieser Typ, der traut sich was. So gnadenlos, dass man ihm wirklich alles zutraut.

Autor: Marion Klötzer


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