Frauenpower

Warum die Landfrauen im Kandertal ihrem Verband treu bleiben

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Do, 24. Januar 2019 um 10:15 Uhr

Kandern

Die Beitragserhöhung beim Landfrauenverband hat im Wiesental für den Austritt eines Ortsvereins gesorgt. Wie reagieren die Landfrauen im Kandertal?

Weil der südbadische Hauptverband zum Januar seine Gebühren erhöht hat, tritt ein Landfrauenverein im Wiesental aus dem Verband aus. Bei den Ortsvereinen im Kandertal hingegen hat man kein Verständnis für diesen Schritt. Die Landfrauen der Ortsvereine Kandertal, Binzen und Rümmingen sowie Schallbach wollen dem Hauptverband treu bleiben. Nur gemeinsam sei man stark, betonen sie.

Zum 1. Januar hat der südbadische Hauptverband der Landfrauen die Gebühren für seine Mitglieder erhöht. Dies hatte der Verein der Landfrauen in Gresgen (Wiesental) zum Anlass genommen, aus dem Verband auszutreten. Die Gebühren sollen von 15,40 Euro auf 25 Euro pro Jahr steigen. Für die Landfrauen im Kandertal mit Ortsvereinen in Binzen und Rümmingen, in den Kanderner Ortsteilen und in Schallbach ist das keine Option.

Die Beiträge sind 20 Jahre lang nicht gestiegen

"Die Beiträge sind seit 20 Jahren nicht gestiegen", sagt Gabi Herrmann, erste Vorsitzende der Landfrauen in Binzen und Rümmingen. Dies sei angesichts der allgemein steigenden Kosten bemerkenswert, so Hermann. Ihr Ortsverein zählt fast 100 Mitglieder, die zum Teil auch aus Weil am Rhein und Haltingen kommen, etwa um die Fitness-Übungen nutzen zu können, die der Verein anbietet. Hermann weist darauf hin, dass im gleichen Zuge der Betrag gestiegen sei, den jeder Ortsverein pro Mitglied vom Hauptverband zugewiesen bekomme, und zwar von 2,10 Euro auf 3,50 Euro. Hermann findet: "Auch 25 Euro Jahresbeitrag sind nicht die Welt." Die Mitgliedschaft in vielen anderen Vereinen sei deutlich teurer.

Im Gegenzug biete der Hauptverband zahlreiche Schulungen, Vorträge und Veranstaltungen für seine Mitglieder an. Zudem sei man über den Verband für die eigenen Veranstaltungen versichert, was etwa bei Sportangeboten wichtig sei. Auch würde der Verband den Vereinen für eigene Veranstaltungen Referenten vermitteln, die diese zwar bezahlen müssten, aber einen Zuschuss erhielten.

Der Verband leistet wichtige politische Arbeit

Besonders wichtig sei zudem die politische Arbeit, die der Verband leiste, sagt Herrmann. So setze sich dieser auf Bezirksebene für eine Palliativ-Station für das neue Kreiskrankenhaus in Lörrach ein. Und auch auf der höheren politischen Ebene engagiere sich der Landfrauenverband. Als Beispiele nennt Herrmann etwa den Einsatz für die sogenannte "Mütter-Rente", bei der die Kindererziehung bei der Rentenberechnung berücksichtigt wird.

Auch Elke Littin, eigentlich zweite Vorsitzende des Schallbacher Ortsvereins, die vorübergehend aber den Vorsitz übernommen hat, bekräftigt das. Als kleiner Ortsverein könne man in der "großen Politik" nicht viel bewirken. Deshalb sei die Mitgliedschaft im Verband wichtig, gemeinsam sei man stark. Der Verband habe die Möglichkeit, sich politisch einzumischen. Auch im Schallbacher Ortsverein mit 72 Mitgliedern, die fast alle aus Schallbach kommen, denke angesichts der Beitragserhöhung nicht an einen Austritt. Littin findet: "Eine Erhöhung um zehn Euro ist eigentlich nicht viel".

Dieser Ansicht ist auch Gisela Bauer, Vorsitzende des Ortsvereins Kandertal. Auch für sie kommt ein Austritt nicht infrage. Zwar sei die Mitgliederversammlung erst im April geplant, sie ist sich aber sicher, dass die Beitragserhöhung nicht dafür sorgen wird, dass die 48 Mitglieder aus den Kanderner Ortsteilen Holzen, Wollbach, Tannenkirch und Riedlingen dem Verband den Rücken kehren wollen. "Die übergeordnete Struktur ist wichtig", sagt Gisela Bauer. Und weist darauf hin, dass sich der Verband nicht nur für Landwirtinnen, sondern für alle Frauen stark mache.
Die Mitgliederversammlung der Landfrauen im Bezirk Lörrach findet am kommenden Dienstag, 25. Januar, von 14 bis 17 Uhr in der Wolferhalle in Blansingen statt.

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