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20. Juli 2012

WARUM

  1. Foto: bz

  2. Foto: Wilfried Dieckmann

Warum hat Fürstabt Martin die Brauerei Rothaus gegründet?

Eine Frage ist nicht selten die Geburtshelferin einer neuen Frage. Die Beschäftigung am letzten Freitag mit dem Brauerei- oder David-/Judenstern hat die Nachfrage zu den Motiven für die (zudem auch späte) Gründung der Brauerei Rothaus durch Fürstabt Martin Gerbert ausgelöst. Auch viele Gäste der einstigen Klostersiedlung vermissen eine Brauerei als wichtigen und anscheinend unverzichtbaren Nebenbetrieb eines Klosters.

WARUM
also hat der bedeutendste Fürstabt die Brauerei doch noch gegründet und dann so spät (sechzehn Jahre vor dem Ende der Benediktinerherrschaft)?
Die laienhafte Meinung, zu jedem "richtigen" Kloster gehöre eine zünftige Brauerei, gilt für viele Klöster, aber nicht für alle. Die Suche nach Gründen für die lange Jahrhunderte fehlende Brauerei ist nahezu ergebnislos. Und Fürstabt Martin war viel zu sehr ein Mann der Religionslehre und der theologischen Wissenschaft, als dass er sich zu Beginn seiner Regierungszeit (dann noch völlig beansprucht durch den Dombau) mit dem Gedanken an eine Brauerei aufgehalten hätte. Auch die Finanzierungsfragen scheinen angesichts der Kosten für Dom, Abtei und fürstlichen Hof von Gewicht gewesen zu sein. Dann aber hat Martin II. doch der Eifer des Landesvaters übermannt. Die Begründung, er habe den Bauern das Schnapstrinken abgewöhnen wollen, ist sicher von sehr untergeordneter Bedeutung. Der "Nachbarstaat" der Fürstenberg hatte vielmehr längst seine Brauerei – mit ihm wollte er aus machtpolitischen Gründen gleichziehen. Sein Sinnen und Trachten galt aber auch der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Abwehr des angeblich überteuerten Biers aus Donaueschingen. Also fällt am Silvestertag 1790 im Mönchsrat die Entscheidung. Das dem Kloster bereits gehörende Gasthaus "Rothe Haus" (benannt nach den früheren Besitzern, der Patrizierfamilie von Roth aus Schaffhausen, und nicht nach der roten Farbe) bietet sich förmlich an. Im Januar 1791 beginnen die Vorbereitungen, vor allem die ersten Brauversuche, die vorzüglich ausfallen. 1792 läuft der umfassende Braubetrieb an. Die Fortsetzung ist eine bis zum heutigen Tag bekannte Erfolgsgeschichte. Noch eine schöne, aber eben nur schöne Deutung: Der Fürstabt wollte den Menschen etwas für Seele und Leib bieten, eben den St. Blasier Dom und die Brauerei Rothaus. Wie glücklich wäre St. Blasien erst, wenn es Dom und Brauerei sein Eigen nennen dürfte!

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Autor: Thomas Mutter