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05. Juli 2012
Rückzug
Was das Aus der Bundesschatzbriefe für die Anleger bedeutet
Der Bund zieht sich aus dem Geschäft mit Privatanlegern zurück, weil es ihm zu teuer ist. Was bedeutet das Aus der Bundesschatzbriefe für die Anleger?
FRANKFURT. Der Bund zieht sich aus dem Geschäft mit Privatanlegern zurück, weil es ihm zu teuer ist. Das Aus trifft 330 000 Privatanleger. 8,5 Milliarden Euro haben sie in Bundeswertpapieren auf Schuldbuchkonten der Finanzagentur des Bundes angelegt – kostenfrei. Damit ist 2013 Schluss. Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze des Bundes wird es nicht mehr geben.
Warum gibt der Finanzministerdas Privatkundengeschäft auf?
Zum einen ist es Wolfgang Schäuble (CDU) zu teuer. Einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag hat es zuletzt pro Jahr verschlungen. Zum anderen ist das Interesse von Privatanlegern angesichts der niedrigen Zinsen schon seit längerem deutlich gesunken. Die Tagesanleihe, das Äquivalent zu Tagesgeldkonten von Banken und Sparkassen, bringt aktuell nur einen Zins von 0,18 Prozent. Bei Bundesschatzbriefen liegt die Rendite je nach Laufzeit zwischen 0,05 und 0,69 Prozent.
Wie viele der Bundesschuld
halten Privatanleger?
Es sind weniger als ein Prozent der gesamten Schulden des Bundes, die sich auf fast 1,3 Billionen Euro summieren. Mehr als 99 Prozent der Verbindlichkeiten halten heute Großinvestoren wie Versicherungen, Banken, Fonds oder Pensionskassen – zur Hälfte in Europa.
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Was passiert jetzt im Detail?
Die Finanzagentur wird den Vertrieb von Bundeswertpapieren – Bundesanleihen, Bundesobligationen, Bundesschatzbriefe und Tagesanleihe – an Privatanleger Ende 2012 einstellen. Ab 22. August können keine neu aufgelegten Bundeswertpapiere mehr auf ein Schuldbuchkonto der Finanzagentur übertragen, neue Konten ab 2013 nicht mehr eröffnet werden.
Wird es Bundeswertpapiere
weiter geben?
Ja, aber einzelne Gattungen werden verschwinden. Das gilt für Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze. Diese 1969 erstmals aufgelegten Papiere werden nicht an der Börse gehandelt und waren Privatanlegern und gemeinnützigen Organisationen vorbehalten. Anfang des Jahrtausends waren noch 36 Milliarden Euro in Bundesschatzbriefen angelegt. Heute sind es weniger als acht Milliarden, davon 4,6 Milliarden bei Kleinanlegern.
Was passiert mit der Tagesanleihe?
Das ist offen. Klar ist, dass der Vertrieb ab 2013 nicht mehr über die Finanzagentur läuft. Vermutlich wird sie aufgegeben. Zur Freude von Banken und Sparkassen, die sich über den staatlichen Wettbewerber gehörig ärgern. Aktuell haben Privatanleger 1,7 Milliarden Euro in der Tagesanleihe angelegt.
Wie lange laufen Altkonten und wohin mit den
neuen Papieren?
Bestehende Konten werden analog der Laufzeit der gelagerten Wertpapiere weitergeführt. Im Extremfall könnten dies 30 Jahre sein, wenn auf dem Konto Bundesanleihen mit entsprechender Laufzeit liegen. Wer künftig noch Bundeswertpapiere kauft, wird sie in einem Depot seiner Bank oder Sparkassen lagern müssen. Diese Dienstleistung kostet. Vergleichen lohnt sich. Möglicherweise kommt es zu Streitereien zwischen Anlegern und Finanzministerium. Schließlich haben sie die Bundespapiere im Vertrauen darauf gekauft, dass sie auf dem Schuldbuchkonto der Finanzagentur kostenfrei gelagert werden können.
Wo gibt es Alternativen zu den
Papieren, die auslaufen?
Bundesanleihen mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren können Anleger weiter über ihre Bank oder Sparkasse kaufen. Sie sind genauso sicher, die Rendite ist bei zehnjährigen Bundesanleihen mit 1,5 Prozent aber auch niedrig. Alternativ bieten sich kostenfreie Tagesgeldkonten bei Banken und Sparkassen an, bei Zinsen von bis zu 2,5 Prozent. Auch kostenfreie Sparkassenbriefe, Festzinssparen oder ähnliche Offerten bei Banken sind eine Möglichkeit. Vorteil: Sie bieten oft eine höhere Rendite als Schatzbriefe. Nachteil: Der Einstiegsbetrag liegt bei 500 Euro und mehr, bei Schatzbriefen sind es 52 Euro.
Autor: Rolf Obertreis



