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03. Dezember 2008
Was das Publikum wollte
Marc Chagall und Griechenland: Der Europa-Park in Rust zeigt Grafiken des Künstlers.
Eine Kunstausstellung im Europa-Park? Die Zuschauer strömen schon zur Vernissage. Und auch die Zahlen, die Kommunikationschefin Caroline Becker zu bieten hat, sind beeindruckend. Sie spricht von 100 000 Besuchern in der ersten Ausstellung vor einem Jahr. Marc Chagall ist nun also wieder dort zu sehen, wo das große Publikum das Freizeitvergnügen sucht. Herausgekommen ist eine intelligent gemachte Ausstellung, die die Chagall’schen "Daphnis und Chloe"-Illustrationen mit Textauszügen im Großformat ergänzt. Die Ausstellungseröffnung, in der neben Parkchef Roland Mack auch Chagall-Enkelin Meret Meyer das Wort ergreift, ist angenehm kurz, so dass die Lithographien selbst in den Mittelpunkt des Interesses treten.
"Das Erlebnis, Marc Chagall. Seine Liebe zu Griechenland" ist der etwas sperrige Titel der Schau. Meret Meyer erläutert dem Publikum, Chagall habe sich schon im Studium mit griechisch-byzantinischen Themen beschäftigt, später aber zunächst gezögert, als ihm die Illustration von "Daphnis und Chloe" angeboten wurde. Chagall wollte erst selbst nach Griechenland reisen. Insgesamt 42 Lithographien zu diesem Thema sind nun in Rust zu sehen. Der Umgang mit Farben, ihr Detailreichtum ist faszinierend. Wer etwa "Die Weinlese" ansieht, hört gleichsam die im Weinberg Arbeitenden rufen und reden und die Reben rascheln. Chagall schafft es, durch eine einzige, beherrschende Farbe (hier ist es ein warmes Grün), den Betrachter in sein Bild zu ziehen.
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Zweiter Schwerpunkt der Ruster Ausstellung sind 15 Farblithographien aus "Die Odyssee", die in zwei Bänden 1974 und 1975 in Paris entstanden ist. Hier wirken die Farben etwas fahler. "Athena führt das Schiff Telemachs" sticht heraus, auch "Die Sirenen". Mitten im Raum ist ein begehbarer Kubus platziert: Er ist von innen verspiegelt und der Betrachter hört Meeresrauschen. Chagalls Odysseus ist hier figürlich hineinappliziert. Ein erster Kubus übrigens, durch den man die Ausstellung betritt, ist ganz mit einer Chagall-Arbeit ausgekleidet, und wer einen Moment stehen bleibt, hört Vögel zwitschern. Nur im ersten Moment mag einem – wie bei den übergroßen Chagall-Pappfiguren im Eingang – derlei als Zugeständnis an den Freizeitpark vorkommen. Im Grunde ist es ein überdenkenswerter Versuch, Kunst auf diese Art begreifbar zu machen. Nicht unerwähnt sollen auch die Lithographien "Auf der Erde der Götter" bleiben, die den dritten Schwerpunkt in der Ausstellung bilden.
"Der Europa-Park hat das Publikum, das Marc Chagall wollte", sagt Roland Mack. Der Parkchef will die Idee, Kunstausstellungen im Freizeitpark zu veranstalten, 2009 seinem Weltverband in den USA vorstellen. Der Weg nach Rust jedenfalls lohnt sich.
– Europa-Park Rust, bis 11. Januar.
Autor: Frank Berno Timm
