Abwicklung statt Absprung

Was der Ausfall des Skisprung-Weltcups für Neustadt bedeutet

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Von Peter Stellmach & Tanja Bury

Do, 06. Dezember 2018 um 09:13 Uhr

Titisee-Neustadt

Wenn die Küche kalt bleibt: Die Absage des Weltcups hat Auswirkungen auf Caterer, Lieferanten und Vereine, die sich um die Bewirtung der Besucher kümmern. Rund 2000 Tickets wurden bereits verkauft. Wie kommen die Skisprungfans nun an ihr Geld?

Der Weltcup in Neustadt ist Geschichte, bevor er begonnen hat. Die Abwicklung der ausgefallenen Sportveranstaltung bedeutet für die Veranstalter viel Arbeit, etwa, was die Rückgabe der bereits verkauften Tickets angeht. Auch der Weltcup-Caterer und die Vereine, die im Skisprungstadion bewirten, müssen jetzt reagieren – und haben Einnahmeausfälle zu verkraften.

Die Tickets

Ungefähr 2000 Karten sind im Vorverkauf schon abgesetzt worden. Der Preis wird erstattet. Kunden von Vorverkaufsstellen können sich direkt dorthin wenden, wer bei Reservix gekauft hat, geht über deren Homepage. Wer sich in einer der Tourist-Informationen mit Karten versorgt hat, kann direkt dort hingehen oder aber sich von der Skisprung-Homepage eine PDF-Datei herunterladen, ausfüllen und digital oder auf dem Postweg an die Infostelle schicken (siehe Infobox unten). Das Weltcupbüro versichert: "Die Leute bekommen ihr Geld so bald als möglich zurücküberwiesen."

Das Stadion

Im Skistadion hat am Mittwoch das Aufräumen begonnen. Das wird ablaufen wie immer, nur, dass man zum allerersten Mal keinen einzigen Sprung erlebt hat. Ein, zwei Wochen, dann wird das Allermeiste gerichtet sein. Die Stimmung bei den Organisatoren ist gedrückt, aber nicht ganz am Boden, wie Joachim Häfker sagt. Er hat viel Zuspruch bekommen, dass die Absage der richtige Schritt war, "und das müssen wir jetzt akzeptieren, es ist so". Der Generalsekretär ist sicher: "Wenn wir runtergekommen sind, werden wir auch wieder Oberwasser gewinnen." Gerne und voller Stolz hätte man am Wochenende das Aufwärmgebäude präsentiert, das fällt buchstäblich ins Wasser. Im Frühjahr soll ’s nachgeholt werden.

Die Vereine

Vom Ausfall des Weltcups sind auch sie betroffen. Es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Die Mitglieder helfen, dafür dürfen die Vereine die Besucher bewirten und Geld verdienen, was den Vereinskassen immer guttut. Es geht einerseits um viele Stunden ehramtlicher Arbeit, wenn andere Leute auf der Couch sitzen. Es geht andererseits um Einnahmen in vierstelliger Höhe, ein Jahr mal mehr, ein andermal weniger.

Beim SV Titisee steht Ersatz für den kaputten Kunstrasen auf der Wunschliste, da hätte man das Extra-Geld gut brauchen können. Den laufenden Kosten dienen Feste und das Grümpelturnier. Der Vorsitzende Werner Schubnell ist im Schanzenteam immer an der Schanze, und ihm schwante angesichts des Wetters nichts Gutes. Wecken hat er gar nicht erst bestellt, Würste am Dienstag abbestellt in der Gewissheit, dass der Metzger sie anders verkaufen kann. Die Steaks werden eingefroren für Vereinsveranstaltungen. An einem Weltcup gehen normalerweise 1200 Essensportionen weg. "Verloren ist für uns nichts", sagt Schubnell, der übrigens die Absage richtig findet. Wenige Minuten vor dem Abrutschen des Hangs am Sonntag seien Leute dort gegangen, "sie hätten tot sein können". Man sollte nicht unnötig etwas riskieren, "gegen die Natur geht nichts mit Gewalt".

Arnold Löffler geht davon aus, dass der FC Neustadt die 1000 Brat- und Grillwürste, die für Samstag und Sonntag bestellt waren, dem Metzger nicht abnehmen muss. Eimerweise Ketchup und Mayo seien haltbar, 150 Kilo Pommes hätte man sowieso erst am Freitag beim Großmarkt geholt, ebenso die Getränke beim Vertrieb. "Für uns sind noch keine Kosten entstanden", überschlägt Löffler, die Absage sei gerade noch rechtzeitig erfolgt, "am Freitag hätte es schlimmer ausgesehen". Becher, Pappschalen und die Glühweinkessel könne man auch bei anderen Gelegenheiten nutzen. Beim FCN wäre der Weltcup eine von drei großen Veranstaltungen gewesen, die für ansehnliche Einnahmen sorgen. Sie seien zwar nicht fest geplant, aber wenn sie nicht kommen, "fehlen sie eben doch".

Der Lieferant

Thomas Kopfmann hat es schon geahnt. Der Metzgermeister aus Neustadt ist einer der großen Steak- und Wurstlieferanten für die Verpflegungsbuden an der Hochfirstschanze. Zwischen 5000 und 6000 Kopfmann-Würste gehen an einem guten Weltcupwochenende über die Grills. "Wir haben den Rutsch am Sonntag mitbekommen, wir haben das Wetter gesehen, wir reden mit den Leuten – und deshalb sind wir nicht so in die Vorbereitungen eingestiegen wie in den anderen Jahren", erklärt Kopfmann. Er habe mehr geschlachtet, aber das habe er auch wegen des eigenen Stands am vergangenen Wochenende auf dem Neustädter Weihnachtsmarkt getan. Ansonsten haben er und sein Team sich aufgrund der unglücklichen Umstände im Abwarten geübt. "Das, was wir sonst schon am Anfang der Weltcup-Woche erledigen, haben wir erst mal zurückgestellt. Hätte es keine Absage gegeben, hätten wir heute und übers Wochenende besonders rangeklotzt", erklärt der Metzger.

Der Caterer

Helfer, Medienvertreter, Sportler, Promis und Sponsoren ein ganzes Wochenende lang satt zu bekommen – das ist eine logistische Leistung. "2500 Essen hätten wir von Freitag bis Sonntag gehabt", sagt Thomas Lessig vom Kurhaus Titisee, der seit 2003 Cup-Caterer ist. Nach der Absage besteht die Herausforderung darin, den Schaden zu begrenzen. Denn: Vieles ist vorbereitet, "wir waren schon ziemlich weit, sonst schaffen wir das Pensum nicht". 100 Kilogramm Rinderhüfte, dazu 70 Kilogramm Schweinefilet für die Menüs im VIP-Zelt sind gekauft, im Keller lagern 100 Kilogramm Nudeln – zum Glück noch ungekocht. "Aber 200 Kilogramm Bolognesesoße dazu sind fertig", sagt Lessig. Genauso 90 Kilogramm Rohkostsalate und ein großer Beutel selbstgemachter Spätzle. Was jetzt mit den ganzen Lebensmitteln passiert? Pastaparty am Wochenende im Kurhaus? "Eine besondere Aktion zu starten, das bringt wohl nichts: Es sind ja kaum Gäste da." Das Fleisch werde er portionsweise einfrieren, die Nudeln halten. "Aber ja, die frischen Sachen werden wir wohl zum Großteil wegwerfen müssen." Über den Ausfall werde er mit Generalsekretär Häfker reden, "ich bin sicher, dass wir da eine Lösung finden". Und ganz wichtig ist es Thomas Lessig, Folgendes zu sagen: "Niemand kann etwas für die Absage."

Die Fanartikel

Sie haben im Unterschied zu Bolognese und Rohkostsalaten kein Verfallsdatum. Auf den Mützen, Stirn- und Armbändern steht nur FIS World Cup Skispringen Titisee-Neustadt und keine Jahreszahl. Auch die Schminke, mit der sich die Fans die Farben ihrer Nationen ins Gesicht malen, hält ganz bestimmt ein Jahr – oder kommt halt an Fasnet zum Einsatz.
Rückerstattung

Wie die Skisprungfans, die bereits Karten für den Weltcup gekauft haben, an ihr Geld kommen, erklärt das Weltcupbüro unter www.weltcupskispringen. com oder über http://www.titisee-neustadt.de/Skispringen Karten, die in den BZ-Geschäftsstelle gekauft wurden, können dort auch zurückgegeben werden. Wer seine Tickets über Reservix erworben hat, erfährt über die Homepage http://www.reservix.de wie die Rückabwicklung vonstatten geht.