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03. Februar 2009

Was die Region will

Mehr Lärmschutz und Tunnels: Die Gemeinden an der Rheinschiene fordern von der Bahn, den Ausbau der Strecke neu zu planen

FREIBURG. Das Land unterstützt die Region in Sachen 3. und 4. Gleis. Die BZ fasst die wichtigsten Forderungen entlang der Rheinschiene zusammen.

OFFENBURG

Keine andere Stadt an der Rheintalstrecke ist vom Bahnausbau so betroffen wie Offenburg. Die Bahn will für 245 Millionen Euro zwei weitere Gleise mitten durch die Stadt bauen. Schon die siebenjährige Bauzeit würde Offenburg lahm legen. 16 zum Teil stark befahrene Brücken müssten erneuert werden. 25 Häuser sind dem Bahnausbau im Weg. 16 Kilometer lange und bis zu zwölf Meter hohe Schallschutzwände würden die Stadt teilen. Trotz dieses "Mauermonstrums" könnten ohne zusätzlichen passiven Schallschutz für 10 000 Menschen nachts die Grenzwerte nicht eingehalten werden. Die Stadt fordert einen Güterzugtunnel. Knackpunkt dafür sind die Mehrkosten: je nach Rechnung 170 bis 210 Millionen Euro.

OFFENBURG–RIEGEL

Kenzingen und Herbolzheim setzen mit Lahr und Ringsheim auf den Bau des Offenburger Tunnels, anschließend sollen die neuen Gleise an der A 5 entlangführen, statt mit den alten gebündelt zu werden. Die Variante würde die Lärmbelastung insgesamt drastisch reduzieren, aber sie würde zwischen Offenburg und Riegel 220 Millionen Euro mehr kosten. Um die Gemeinden in der Ortenau, die dann neu von Bahnlärm betroffen wären, durch tiefer gelegte Gleise bestmöglich zu schützen, wären nach Berechnungen der Bahn weitere 120 Millionen Euro erforderlich. Wenn Bahn und Autobahn näher zusammenrücken, um den Flächenverbrauch möglichst klein zu halten, wären in diesem Abschnitt weitere 80 Millionen Euro für den Bau einer Schutzmauer nötig.

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FREIBURG

Mehr Lärmschutz fordert die Stadt Freiburg von der Bahn. Wenn die neuen Gleise für den Güterverkehr gebaut werden, soll die Bahn auf den ihr gesetzlich zugestandenen Lärmbonus verzichten und sich an die allgemeinen Grenzwerte halten. In Freiburg sind vor allem die Stadtteile Hochdorf, Landwasser, Lehen östlich und Munzingen und Tiengen westlich der Rheintalstrecke betroffen. In Freiburg geht man nach aktuellen Berechnungen davon aus, dass von den neuen Gleisen fünf Prozent mehr Krach ausgeht als von einer neuen Straße. Im Regierungspräsidium Freiburg hat man ausgerechnet, dass der verbesserte Schallschutz zwischen Hochdorf und Munzingen rund 75 Millionen Euro mehr kosten würde als die bisherige Planung der Bahn.

BAD KROZINGEN–buggingen

Die geforderte "Bürgertrasse" sieht zwischen Bad Krozingen und Heitersheim vor, das dritte und vierte Gleis unter die Erdoberfläche zu legen und teilweise mit Deckeln zu versehen. Diesen Vorschlag haben sich Schallstadt, Hartheim, Bad Krozingen, Eschbach, Heitersheim und Buggingen von einem Ingenieurbüro erarbeiten lassen. Seine Umsetzung kostet 200 Millionen Euro mehr als die Dammtrasse, die die Bahn plant. Doch durch die Tieflage hält sich, den Befürwortern zufolge, die Lärmbelastung für die Menschen in den benachbarten angrenzenden Wohn- und Kurgebieten in Grenzen. Zudem würde die Bürgertrasse die Gleise nicht bei einer Bugginger Siedlung, sondern in unbebautem Gelände zusammenführen. Damit wäre laut Planern auch ein massives Überwerfungsbauwerk mit sechs Gleisen überflüssig.

WeIL AM RHEIN

Die Stadt Weil am Rhein verbindet mit dem Bahngipfel die Hoffnung auf eine Tieferlegung der Neubaustrecke im Stadtteil Haltingen. Das hatte die Bahn im bereits kurz vor der Genehmigung stehenden Planfeststellungsverfahren bis zuletzt abgelehnt: Eine Absenkung der Gleise sei technisch gar nicht möglich. Auch aufgrund des politischen Drucks, den die Bürgerinitiative "Lärmschutz Bahn" aufgebaut hat, beschäftigte sich im Herbst aber eine Arbeitsgruppe von Stadt und Bahn mit der Tieflage. Ergebnis: Es gibt eine technische Lösung. Die Mehrkosten berechnete man auf rund 100 Millionen Euro, die Bürgerinitiative sieht aber noch ein Sparpotenzial von 30 Millionen Euro.

Drittes und Viertes Gleis

Der Ausbau der Strecke Karlsruhe − Basel, zu dem sich Deutschland 1996 per Staatsvertrag mit der Schweiz verpflichtet hat, ist neben Stuttgart 21 das größte Bahnprojekt im Land. Die Kosten wurden bisher auf 4,5 Milliarden Euro geschätzt. Wann die Strecke fertig wird, ist offen. Gegen das Projekt gibt es massiven Widerstand in der Region.

Autor: unseren Lokalredaktionen