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20. Dezember 2011 13:57 Uhr
Jobmotor
Was eine Wirtschaftsforscherin über Südbadens Jobmotoren sagt
Die Wirtschaft in Südbaden hat sich von der Krise der Jahre 2008/2009 sehr schnell erholt. Wie die weiteren Perspektiven sind und welche Branchen Arbeitsplätze schaffen werden, wollte Jörg Buteweg von Natalia Held wissen. Sie arbeitet im Basler Forschungsinstitut Bak Basel.
BZ: Südbadens Wirtschaft ist im zu Ende gehenden Jahr um 4,3 Prozent gewachsen, die deutsche um etwa drei Prozent. Das sagen die Berechnungen von BAK Basel Economics. Auch 2012 wird demnach die Region wieder schneller wachsen als Deutschland. Woran liegt das?
Held: Das Wachstum in Deutschland im laufenden Jahr ist vor allem auf das produzierende Gewerbe und weniger auf die Dienstleistungsbranchen zurückzuführen. Da in Südbaden, vor allem in den Landkreisen Lörrach und Waldshut, der Anteil des sekundären Sektors, also der Industrie, an der gesamten Wertschöpfung deutlich über dem entsprechenden Anteil des produzierenden Gewerbes in Deutschland liegt, erlebt Südbaden 2011 ein stärkeres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts.
BZ: Wie kommt es, dass die Industrie eine derart große Rolle spielt? Warum ist diese Rolle hier größer als im Rest der Bundesrepublik?
Held: Die große Bedeutung kommt aus der Vergangenheit. Vor einem halben Jahrhundert haben die produzierenden Branchen in allen Industriestaaten die größte Rolle gespielt. Auch die Landwirtschaft war damals noch viel bedeutender. In den vergangenen Jahrzehnten hat dann die sogenannte Tertialisierung der Wirtschaft stattgefunden, die Dienstleistungen sind immer wichtiger geworden. Dieser Prozess hat natürlich auch in Südbaden stattgefunden und findet immer noch statt. Generell ist es aber so, dass die Rolle der Dienstleistungen in den großen Metropolen stärker ausfällt als in eher ländlichen Gebieten, wo die mittelständischen Industrieunternehmen oft eine wichtige Rolle spielen. Eine produzierende Branche, die in Südbaden deutlich stärker ausgeprägt ist als in Deutschland, ist beispielsweise die chemisch-pharmazeutische Industrie. Das lässt sich mit der Nähe zu Basel als bedeutendem Chemie- und Pharma-Standort erklären.
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BZ: Ist die Industrie denn als Arbeitgeber so wichtig? In welchen Branchen sind die meisten Menschen beschäftigt?
Held: Die Industrie ist weiterhin ein wichtiger Arbeitgeber, auch wenn in Südbaden mittlerweile etwa 70 Prozent der Erwerbstätigen im Dienstleistungsbereich beschäftigt sind. Das produzierende Gewerbe stellt immerhin noch über 20 Prozent der Erwerbstätigen (im Jahr 1980 waren es noch fast 40 Prozent). Innerhalb der produzierenden Branchen bietet die Investitionsgüterindustrie mit einem Anteil von rund neun Prozent die meisten Arbeitsplätze. Darauf folgt die Bauwirtschaft mit rund fünf Prozent. Betrachtet man die Erwerbstätigenzahlen, so hat die chemisch-pharmazeutische Industrie lediglich einen Anteil von rund zwei Prozent an der Gesamtwirtschaft. Bezüglich der Wertschöpfung ist der Anteil dieser Industrie allerdings gut doppelt so groß. Dies liegt an der vergleichsweise hohen Produktivität der chemisch-pharmazeutischen Industrie.
BZ: Woher rührt die große Rolle des Gesundheitswesens? War das schon immer so? Oder hat sich in den vergangenen zehn, 20 Jahren viel verschoben?
Held: Die stärkere Bedeutung des Gesundheits- und Sozialwesens ist vor allem im Landkreis Freiburg zu sehen. In den Kreisen Lörrach und Waldshut liegt dessen Bedeutung etwa im deutschen Durchschnitt. Die Zahl an Erwerbstätigen im Freiburger Gesundheits- und Sozialwesen ist heute in etwa 2,5 mal so hoch wie noch im Jahr 1980. Dies hat natürlich sehr viel mit der immer älter werdenden Bevölkerung zu tun.
BZ: Die Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel, über fehlende Ingenieure und Techniker. Entstehen in der Industrie viele neue Arbeitsplätze? Welche Branchen werden in der Zukunft Jobmotoren sein?
Held: Das größte Potenzial an neuen Arbeitsplätzen zeigen sicherlich die sozialen und persönlichen Dienstleistungen. Trotzdem bleibt die Industrie nicht nur quantitativ wichtig, sondern auch im Bezug auf die Produktivität. Der Trend geht dahin, dass sich die Industrie immer stärker mit Dienstleistungskomponenten verknüpft. Gerade deshalb ist die Industrie auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen. Das Vorhandensein solcher Fachkräfte ist ein entscheidender Einflussfaktor für die zukünftige Entwicklung von Südbaden
Zum sechsten Mal findet der Wettbewerb Jobmotor statt. Wir suchen Unternehmen in Südbaden, die dauerhaft Jobs in der Region schaffen. Wir verleihen den Preis Jobmotor 2011 an diejenigen Betriebe, die die meisten Arbeitsplätze geschaffen haben. Außerdem loben wir einen Sonderpreis aus für das Unternehmen, das am meisten für die Energieeffizienz im Betrieb getan hat. Bis zum 31. Januar 2012 sind Bewerbungen möglich. Die Ehrung der Sieger findet am 9. März 2012 in der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau statt.
Details zum Wettbewerb und Teilnahmeformular: http://www.badische-zeitung.de/jobmotor
Autor: Jörg Buteweg
