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21. Juni 2012 00:01 Uhr
Fall Simon Neipp
Was sagen Minister und JVA-Leiter zum Suizid des Verdächtigen?
Der Mann, der in dringendem Verdacht stand, Simon Neipp aus Gündelwangen getötet zu haben, hat sich in der JVA Waldshut erdrosselt. Was sagen Anstaltsleiter und Justizminister zu dem Suizid?
Der 25-jährige Tatverdächtige war am Montag im unterfränkischen Hammelburg festgenommen worden. Er war als Zeitsoldat in Donaueschingen stationiert und absolvierte zuletzt einen Lehrgang in der Infanterieschule Hammelburg. Sein mutmaßliches Opfer galt seit dem 24. Mai als vermisst. Am 8. Juni wurde seine Leiche entdeckt. Erst dann gaben die Ermittler bekannt, dass sie früh von einem Gewaltverbrechen ausgingen, da in der Wohnung Gegenstände fehlten und sich Blutspuren fanden, die abgewischt worden waren. Der Verdacht hatte sich rasch gegen den 25-Jährigen gerichtet. Er wohnte im gleichen Haus und stammt aus einer Nachbargemeinde.
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Im Ort machten Andeutungen die Runde, die Auslandseinsätze bei der Bundeswehr hätten ihn belastet und verändert. Bei der Einlieferung in die JVA Waldshut hätten sich aber keinerlei Suizidabsichten angedeutet, versicherte Anstaltsleiter Werner Hoffmann. Der Mann sei zuvor mehr als 24 Stunden in Polizeigewahrsam gewesen, weder die vernehmenden Beamten noch er, Hoffmann, hätten an ihm eine Selbstgefährdung bemerkt. Justizminister Rainer Stickelberger will den Fall untersuchen lassen, stellt sich aber vor die Bediensteten. "Ich weiß, wie sehr ihnen daran gelegen ist, solche Suizide zu verhindern. Bedauerlicherweise gibt es aber keine Garantie, dass das in jedem Fall gelingt."
Nach dem Justizvollzugsgesetz ist in der U-Haft Einzelunterbringung die Regel, Häftlinge dürfen die meisten persönlichen Gegenstände behalten. Bei ihnen können laut Gesetz "besondere Sicherungsmaßnahmen angeordnet werden, wenn nach ihrem Verhalten oder auf Grund ihres seelischen Zustands in erhöhtem Maß die Gefahr (...) der Selbsttötung besteht". Die Mitarbeiter der JVA müssen nach Hinweisen in den Akten suchen und sich selbst ein Bild machen. "Was passiert ist, ist außerordentlich tragisch und es belastet die Mitarbeiter", sagt Hoffmann, "wir wenden die Ausnahmen auch bei geringem Verdacht an."
Aufschlussreich ist aber eine neue Studie im Auftrag des Justizministeriums Niedersachsen; sie sieht bei U-Häftlingen die Suizidgefahr fünfmal so hoch wie bei männlichen Strafgefangenen; bei Gefangenen generell ist sie sechsmal so hoch wie bei Männern draußen. Und: Bei U-Häftlingen ist das Risiko in den ersten Tagen besonders hoch, denn es komme zu einem "Inhaftierungsschock", wenn sie allein mit sich in der Zelle Leere und Trennung von der Familie erfahren. Ob es Fehler gegeben habe, wird jetzt von der Landespolizeidirektion Freiburg untersucht.
Der Gefangene im Fall Neipp hatte am Dienstag um 16.20 Uhr sein Abendessen erhalten, bei einem Kontrollgang um 17.25 Uhr wurde er tot auf dem Boden liegend gefunden. Er hatte sich mit einem Schnürsenkel erhängt, der an der TV-Konsole befestigt war, sich mit der Zeit aber gelöst hatte. Laut Staatsanwaltschaft Waldshut hat er eine persönliche Nachricht hinterlassen.
In Bonndorf-Gündelwangen, dem 556-Seelen-Ort, schwankt die Stimmung zwischen erneutem Schock und vorsichtiger Erleichterung, halten die Menschen doch ein Verbrechen für aufgeklärt, das sie tief aufgewühlt hat. In dem Ort hoffen die Menschen darauf, dass die permanente Unsicherheit der letzten Wochen ein Ende haben könnte. Weil die Polizei von einem Täter mit Ortskenntnis ausging, habe man sich, so ein Einwohner, schon nicht mehr getraut, das Auto zu putzen, aus Angst, sich verdächtig zu machen. Andere gingen kaum noch aus dem Haus, weil sie von Spekulationen verschont bleiben wollten.
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Autor: Luisa Denz, Franz Schmider und Alexandra Sillgitt



