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16. Juni 2012

Wege finden aus einer "vertrackten Situation"

Gemeinde bringt Gesamtverkehrskonzeption auf den Weg / Verkehrsexpertin Diewald will bis Ende 2012 Varianten erarbeiten / Einige Brennpunkte.

  1. Verkehrsthemen in Steinen: Der Bahnübergang führt bei geschlossenen Schranken zu Rückstaus bis in die Eisenbahnstraße (links). Radfahrer fühlen sich bei ihren Fahrten durch den Kernort häufig gefährdet (Mitte). Und bei den Parkplätzen im Kernort fehlt es an einem modernen Konzept, den ruhenden Verkehr zu organisieren. Foto: Robert Bergmann

  2. Foto: Robert Bergmann

  3. Foto: Robert Bergmann

STEINEN. Knappes Einbiegen am "Scharfen Eck", Bahnübergangs-Stau, wildes Parken und gefährdete Radfahrer: Geht es um das Thema Verkehr in Steinen, fällt einem schon das eine oder andere bedenkliche Stichwort ein. Nach längerer Vorberatung im Verkehrsausschuss sollen jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden, um die Situation grundlegend zu verbessern. Am Donnerstag stellte Verkehrsplanerin Alexandra Diewald ihre Überlegungen zum Zeitplan für eine "Gesamtverkehrskonzeption" bei einer Pressekonferenz im Rathaus vor.

Diewald war im März vom Gemeinderat damit beauftragt worden, Überlegungen für die Verbesserung der Verkehrssituation im Kernort zu erarbeiten. Die junge Frau bringt einige Erfahrung bei der Erarbeitung entsprechender Konzepte vor allem für Schweizer Gemeinden in die Mammutaufgabe ein.

"Der Verkehr ist für Steinen ein wichtiges und zentrales Thema", hob Bürgermeister Rainer König hervor. Die Gemeinde leide sehr unter dem Zusammentreffen der beiden Landesstraßen mitten im Ortskern und dem Ausweichverkehr von der B 317. Die neue Verkehrskonzeption solle zu einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität in Steinen führen. König hob hervor, dass es ihm wichtig sei, sämtliche Interessengruppen – wie etwa den Einzelhandel und die Agendagruppe Verkehr – in den Planungsprozess miteinzubeziehen.

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Den großen Wurf zog Diplomingenieurin Diewald am Donnerstag noch nicht gleich aus der Tasche. In Steinen gehe es derzeit zunächst darum, belastbare Daten zu sammeln und die bereits vorhandenen Informationen zusammenzutragen, erklärte sie. Derzeit liefen an diversen Stellen Verkehrszählungen. Dafür ist ein modernes Gerät der Verkehrswacht Lörrach im Einsatz, das auch in der Lage ist, nach unterschiedlichen Fahrzeugarten zu differenzieren. Elf Zählungen in unterschiedlichen Fahrtrichtungen sollen es bis zu den Sommerferien sein. Dann will die Gemeinde einen realistischen Überblick darüber haben, was so alles an Fahrrädern, Autos, Lieferwagen und Lkw im Ort unterwegs ist. Hinzu kommen Befragungen von Fahrern, um eine Idee zu bekommen, warum der Einzelne sein Fahrzeug durch Steinen steuert.

Dem Sammeln von Informationen diente auch die jüngste Verkehrsausschusssitzung in der vergangenen Woche, an der neben Gemeindevertretern und der Polizei auch die Agenda Verkehr und Mobilität sowie Vertreter der Gewerbeinitiative "Steinen echt stark" teilnahmen. In der Sitzung mit "Workshop-Charakter" habe sie wertvolle Informationen auch über die unterschiedlichen Interessenslagen sammeln können, erklärte Alexandra Diewald.

"Dort ist sehr viel

auf sehr engem Raum"

Verkehrsexpertin Alexandra Diewald zur Situation am Bahnhof
Überhaupt hob Diewald hervor, dass es nicht sinnvoll sei, schnelle und unkoordinierte Einzelmaßnahmen zu ergreifen. Vielmehr gelte es zunächst ein möglichst klares Bild vom Ist-Zustand zu bekommen. Erst dann lasse sich ein nachhaltiges und tragfähiges Konzept erarbeiten.

Der momentane Eindruck der Verkehrsexpertin von der Situation in Steinen? "Ganz schön vertrackt" sei vor allem die Situation rund um den Bahnhof, findet Alexandra Diewald. Wenn dort die Schranken runtergehen und sich der Verkehr bis in die Eisenbahnstraße und über die Wiesebrücke hinaus zum Kreisel zurückstaut, werde es nicht selten brenzlig. "Dort ist sehr viel auf sehr engem Raum". Durch das Aufeinandertreffen der beiden Landesstraßen könnten "bewährte Patentrezepte" wie Verkehrsberuhigung und Fußgängerzone nicht so leicht umgesetzt werden wie andernorts. Eindeutig sprach sich Diewald für eine moderne Parkraumbewirtschaftung im Ortskern aus. Auch sollte darüber nachgedacht werden, das Radfahren im Ort attraktiver zu gestalten. Zum einen, weil dann – etwa durch Schaffung von Radweg-Ringsystemen – tatsächlich der ein oder andere zum Umsteigen vom Auto auf den Drahtesel gebracht werden könnte – was den Ortskern entlastet. Zum anderen, weil es darum gehen müsse, Radfahrern das verbreitete Gefühl des Bedrohtseins durch die motorisierten Verkehrsteilnehmer zu nehmen.

Diewald machte deutlich, dass oftmals auch schon kleinere Maßnahmen zu einer größeren Entlastung führen könnten. Der Bau einer Umgehungsstraße – wie etwa von der Agenda-Gruppe angeregt– sei nicht unbedingt die Ultima Ratio zur Lösung der Steinener Verkehrsprobleme. Auch könne es nicht darum gehen, den Verkehr komplett aus Steinen herauszuhalten, dies stehe nicht zuletzt den Wünschen des Einzelhandels nach dem Erhalt eines lebendigen Ortskerns entgegen. Alexandra Diewald: "Wir müssen aber schauen, dass wir nur den Verkehr bekommen, den wir auch wirklich wollen".

Viel Arbeit wartet somit auf die Verkehrsplaner in den kommenden Monaten. Alexandra Diewald gab einen von ihr erstellten groben Fahrplan vor, den sie indes selbst als "ambitioniert" bezeichnete. Wenn die Verkehrszählungen und – Befragungen abgeschlossen sind, könnte im September mit dem Planen verschiedener Verkehrs-Varianten begonnen werden.

Wenn es gut läuft, stehen diese Varianten bis zum Jahresende und sollen dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Im späten Frühjahr 2013 könnte aus diesen Varianten dann diejenige ausgewählt werden, nach der die Gemeinde ihre künftige Verkehrsplanung ausrichten will. Anschließend soll es an die Umsetzung gehen.

Autor: Robert Bergmann