100 Jahre für die Demokratie

Ernst Brugger

Von Ernst Brugger

Fr, 18. Januar 2019

Wehr

Die Freien Wähler in Wehr können auf eine bewegte Geschichte blicken / Jubiläumsfest am 10. Mai.

WEHR-ÖFLINGEN. Die Freie Wählervereinigung Wehr und Öflingen kann 2019 auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Am 10. Mai soll in der Wehrer Stadthalle mit einem Jubiläumsabend ein Jahrhundert erfolgreiche Kommunalpolitik gefeiert werden. Durch die von Anfang an starke kommunale Verwurzelung garantierten parteilose Freie Wähler stets eine bürgernahe Politik.

Der Ortsverband Wehr-Öflingen wurde 1974 aus der Freien Wählervereinigung – Einwohnervereinigung Öflingen und der Freien Wählervereinigung Wehr gebildet. Er ist seit 1980 ein eingetragener Verein und Mitglied im Landesverband Baden-Württemberg.

Bürgervereinigung Öflingen
tritt in Erscheinung

Die Ursprünge des heutigen Ortsverbandes gehen zurück auf die erste Gemeinderatswahl nach dem Ersten Weltkrieg, als in Öflingen am 20. Mai 1919 die Liste einer "Freien Bürgervereinigung" erstellt wurde. Die damaligen Öflinger Kandidaten waren Stefan Brandhuber, Josef Egle, Theodor Gallmann, Wilhelm Schmid und Gottfried Urich. Die Liste erhielt bei den Wahlen, am folgenden 29. Juni, über 41 Prozent der Stimmen und drei der sechs Sitze. Bei den nächsten Wahlen 1922 und 1926 nannte sich die Öflinger Freie Bürgervereinigung dann "Einwohnervereinigung". Diese verstand sich nach demokratischen Grundsätzen als freie Wählervereinigung aller wahlberechtigter Öflinger Bürger. Bei diesen Wahlen erhielten die Kandidaten 35 Prozent der Stimmen und stellten vier der acht Räte. Während der NS-Zeit, zwischen 1930 und 1945, gab es keinerlei demokratische Wahlen und demnach auch keine Gemeinderatswahlen. Nach dem Krieg, am 15. Oktober 1948, wurde in Öflingen die Wiedergründung der Einwohnervereinigung beschlossen.

Gründung
der Freien Wählervereinigung Wehr

In Wehr fand 1919 noch keine Gemeinderatswahl statt, es gab nur eine einzige Vorschlagsliste, nämlich die "Liste der vereinigten Parteien". Gemäß der Gemeindewahlordnung galten die damaligen acht Kandidaten der "Reihenfolge nach" als gewählt. Bei der nächsten Gemeinderatswahl 1922 in Wehr gab es erstmals eine Liste einer "Parteilosen bürgerlichen Wählervereinigung", es war eine lose Interessengemeinschaft.

Bei den Wahlen in den Jahren 1926 und 1930 nannte sich diese Liste dann Mittelstandsvereinigung. Die erste Gemeinderatswahl nach dem Krieg fand 1948 noch ohne Liste dieser bürgerlichen Wählervereinigung statt.

Im Spätsommer 1953 gründeten zwölf Wehrer Bürger dann eine Freie Wählervereinigung (FWV). Deren Ziel und Zweck war es, den heimischen Wahlberechtigten ein Mitspracherecht zu ermöglichen, ohne sich einer politischen Partei zu verpflichten. Im November 1953 erhielt die FWV vier von zehn zu wählenden Gemeinderäten. Gewählt wurden Viktor Erhard, Friedrich Meierin, Hans Rupp und Otto Wunderle. Von 1953 bis 1970 war die FWV Wehr eine lockere Interessengemeinschaft unter der Leitung von Otto Wunderle ohne Vorstandsgremium. Im April 1970 erfolgte dann die Konstitution der FWV Ortsgruppe Wehr als Verein.

Die Freien Wähler von Wehr
und Öflingen vereint

Nach dem Zusammenschluss von Öflingen und Wehr, zum 1. Januar 1972, bestand die FWV Öflingen zunächst noch weiter. Unter der Leitung des Wehrers Gerhard Zastrow und des Öflingers Siegfried Keser, fand aber eine enge kommunalpolitische Zusammenarbeit statt. Im Gasthaus "Zum Adler" in Öflingen erfolgte dann 1974 der Zusammenschluss zur Freien Wählervereinigung Wehr und Öflingen. Gerhard Zatrow wurde dabei zum ersten Vorsitzenden und Siegfried Keser zu seinem Stellvertreter gewählt. Bei den folgenden Gemeinderatswahlen erhielten die FWV bei den Gemeinderatswahlen bis heute einen stets hohen Stimmenanteil von 22 bis 30 Prozent und nahmen somit großen Einfluss in der strukturellen Stadtentwicklung.

Anlässlich des 75-jährigen Bestehens fand am 25. Mai 1994 im Gasthaus "Säge" in Öflingen eine Jubiläumsfeier statt. Der Waldshuter Landrat Bernhard Wütz hob damals in seiner Würdigung hervor, dass die FWV Öflingen jetzt schon jahrzehntelang an der politischen Willensbildung mitwirke und sich von Bürgerinitiativen unterscheide, die nur eigene Interessen vertreten, während die FWV stets politische Verantwortung übernommen habe.