"Alle wussten es vor mir"

Erika Bader

Von Erika Bader

Mi, 24. Mai 2017

Wehr

BZ-INTERVIEW mit Julian Donner, der am Donnerstag zum Diakon geweiht wird.

WEHR. Der 30-jährige Julian Donner aus der Pfarrei St. Martin in Wehr erhält am morgigen Donnerstag zu Christi Himmelfahrt die Weihe zum Diakon. Über sein tiefes Vertrauen zu Erzbischof Stephan Burger und die Entscheidung, eine geistliche Karriere einzuschlagen, hat er mit Erika Bader gesprochen.

BZ: Herr Donner, Sie waren ursprünglich Werkzeugmechaniker. Was hat Sie veranlasst, eine Karriere in der Kirche zu beginnen?
Donner: Als Kind wollte ich Maschinenbauingenieur werden – das hat in unserer Familie Tradition. Als Jugendlicher war ich auf einem katholischen Internat. Ein guter Freund sagte mir damals: "Du wirst doch eh mal Pfarrer." Ich habe ihn für verrückt erklärt, aber andere Freunde sahen das genau so. Ich hatte schon immer eine große Freude an der Kirche. Als ich meinen Eltern eröffnete, dass ich diesen Weg gehen möchte, sagte meine Mutter, dass mein Großvater das auch schon kommen sehen hat. Alle wussten es vor mir (lacht).

BZ: Sie selbst waren lange in der Pfarrei St. Martin in Wehr tätig. Welche Verbindung haben Sie noch zu Wehr?
Donner: Bis zum vergangenen Sommer war ich noch regelmäßig in Wehr. Eigentlich bin ich gebürtiger Westfale, meine Familie zog 2006 nach Hasel. Seit dem Sommer 2016 habe ich den Magister der Theologie und bin pastoraler Mitarbeiter in Baden-Baden-Oos, da bleibt nicht mehr viel Zeit, um nach Wehr zu kommen. Ich werde noch bis Januar als Diakon in der Kirchengemeinde Baden-Oos arbeiten. Dem schließt sich eine Ausbildungsphase in Freiburg an, bis ich dann am 13. Mai 2018 die Priesterweihe im Freiburger Münster empfangen werde.

BZ: Wissen Sie, wohin Ihr Weg dann geht?
Donner: Ich gehe dahin, wo mein Bischof mich hinschickt. Der weiß, wie ich ticke. In der Hinsicht vertraue ich dem Erzbischof. Man kann zwar Wünsche äußern, ob man in den Norden, Süden, oder in eine bestimmte Stadt des Erzbistums möchte. Ich vertraue allerdings darauf, dass der Bischof weiß, was gut ist.
BZ: Am Donnerstag steht aber zunächst die Weihe zum Diakon an. Was werden dann Ihre Aufgaben sein?
Donner: Die Aufgabe eines Diakons ist es, Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen zu helfen; Armen, Kranken und Heimatlosen beizustehen. Aber auch die Verkündigung des Evangeliums und die Predigt gehören dazu, ebenso darf ich dann taufen und Brautleuten bei der Trauung assistieren.

BZ: Apropos Trauung – als Diakon versprechen Sie selbst die Ehelosigkeit. Passt das noch ins Jahr 2017?
Donner: Ja. Ehelosigkeit bedeutet nicht, dass man keine Freundschaften und Beziehungen zu anderen Menschen pflegt. Ehelosigkeit meint, dass wir uns ganz an Christus binden. Außerdem hat man seine Freunde und viele Menschen, die einen begleiten.

BZ: Wenn Sie in einem Jahr selbst Priester sind, werden Sie sicherlich noch ein Vielfaches an Aufgaben zu erledigen haben. Wie stehen Sie zum Priestermangel?
Donner: Ich habe Respekt vor dem Priesteramt, weil ich sehe, was es dazu braucht. Gleichzeitig vertraue ich aber auch darauf, dass sich eine Lösung für das Problem finden wird. In 2000 Jahren Kirchengeschichte gab es immer wieder Umbrüche und dafür Lösungen.

Zur Person: Julian Donner (30) ist in Lüdenscheid am Rande des Sauerlandes geboren. Seit 2009 ist er im Priesterseminar Collegium Borromaeum in Freiburg.