Als die Ciba in Wehr gedieh

Ernst Brugger

Von Ernst Brugger

Do, 13. September 2018

Wehr

75 JAHRE NOVARTIS IN WEHR (5): Pharmaproduktion hat an Bedeutung gewonnen und wurde zum zweiten Standbein der Stadt.

WEHR. Die Novartis, die 1943 als "Ciba" nach Wehr kam, feiert in diesem Jahr das 75-jährige Bestehen des Wehrer Firmenstandortes. Die Geschichte der Vorgängerunternehmen von Novartis reicht mehr als 250 Jahre weit zurück. Für die BZ Anlass, in einer Serie die historischen Meilensteine der Novartis und besonders den Standort Wehr näher zu beleuchten.

Die Abkürzung "Ciba" steht für die Produktionsstätte "Chemische Industrie Basel". Nach der Gründung des Unternehmens, 1859 in Basel, wurde die Produktpalette immer breiter. Es folgten weitere Chemikalien für verschiedene Industriezweige. Ende der 1880er-Jahre begann die Ciba in Basel auch mit der Herstellung von Pharmazeutika. Ab 1900 gewannen diese immer mehr an Bedeutung. 1914 ging in Berlin die erste deutsche Ciba-Niederlassung in Betrieb, die 1943 ausgebombt nach Wehr verlegt wurde. Für deren Neubau richtete die Bauleitung in einer Wohnung an der unweit entfernten Georg-Kerner-Straße ein Baubüro ein. Der Wehrer Standort produzierte anfänglich nur Arzneimittel.

Sämtliche Basler Ciba-Divisionen wurden vielfältiger. Innovative Produkte standen dabei stets im Vordergrund. So wurden später beispielsweise auch Seitenleitwerke und Innenausbauelemente für Flugzeuge mit Ciba-Verbundwerkstoffen hergestellt. Für die Agrarwirtschaft hielt Ciba unter anderem Produkte für den Pflanzenschutz und gegen den ertragsmindernden Insektenfraß und Pilzbefall bereit. Das Angebot diverser Desinfektionsmittel zur Hygiene sowie im Bereich Tiergesundheit umfasste verschiedene Mittel gegen Parasiten. Außerdem wurden Harze für Oberflächen- und Korrosionsschutz sowie Tauchgrundierungen für Automobile und für die Umhüllung elektronischer Bauteile vertrieben.

Das erste bis 1951 erstellte Verwaltungs- und Verkaufsgebäude an der Öflinger-Straße wurde später um eine Etage erhöht. Ab 1958 musste die Pharmaproduktion südlich des bestehenden Betriebsgebäudes um einen Anbau erweitert werden. Die anhaltende Expansion des Ciba-Pharmageschäfts erforderte schon bald eine erneute Erweiterung. Medikamente aus Wehr lagen ab Mitte der 1950er-Jahre in wichtigen Therapiebereichen in der Spitzengruppe des deutschen Pharmamarktes. Zu den bedeutendsten zählten Mittel gegen Rheuma, Depressionen und Epilepsie sowie Herzmedikamente.

In einer vierten Baustufe wurde ab 1965 ein weiterer Anbau an den bestehenden Bautrakt für die pharmazeutische Produktion erstellt. In diesem sogenannten "Großen Pharma-Neubau" mit Lager und Versand konnten nun weitere Medikamente in fester und halbfester Darreichungsform, wie Tabletten, Kapseln und Salben für verschiedene Therapien und Anwendungen hergestellt, abgefüllt und versandfertig verpackt werden. In großen Mengen wurden Arzneimittel von Wehr aus in über 100 Länder der Welt geliefert. Durch ihr Wachstum wurde die Ciba, neben der wieder florierenden Textilindustrie, zum zweitwichtigsten Wirtschaftszweig in der Wehrastadt.