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27. Oktober 2010
Auf Suche nach dem inneren Frieden
Gesangsverein Fahrnau und Orchester "ad hoc" überzeugten in der Kirche St. Martin in Wehr mit Requiem von Gabriel Fauré.
WEHR. Unter der Leitung von Ralf Ernst präsentierte der Gesangsverein Fahrnau unter Mitwirkung des Orchesters "ad hoc" am Sonntag ein Projekt, das die Suche des Menschen nach innerem Frieden sowie die Bitte nach Ruhe im Tode in den Mittelpunkt der musikalischen Darbietung rückte. Kern des Programmes, das am Tage zuvor in der Katholischen Kirche in Schopfheim aufgeführt wurde, ist das im Jahre 1888/89 komponierte Requiem von Gabriel Fauré.
"Das Programm stellt eine Konzeption dar, die sich um das Requiem herum entwickelt hat und damit auch einen inhaltlichen Bogen spannt", erklärt Dirigent Ralf Ernst, der seit anderthalb Jahren den Gesangsverein Fahrnau leitet. "Existenziellen Wünschen nachzuspüren und dabei den Vorstellungen ganz unterschiedlicher Komponisten nahezukommen", lautet die im Konzertprogramm beschriebene Beschreibung des Projektes, das sich mit dem Titel "Requiem, Kol Nidrei, Lamentation" auf den Punkt bringen lässt. Kol Nidrei ist jenes jüdische Gebet, das vor dem Versöhnungsfest Jon Kippur gesprochen wird. Voreilig abgelegte Eide und Schwüre werden widerrufen, um den Frieden mit Gott zu bewahren. Das eigentlich einer Singstimme vorbehaltene Gebet wird in der Komposition von Jerome Kessler vom Cello übernommen, welches das Gebet wörtlich wiederzugeben und zu paraphrasieren sucht.Werbung
Beim anschließenden Orgelstück "L´apparition de l´église" von Olivier Messiaen gelang es dem Organisten Cornelius Holdermann die Kirche zu St. Martin in Wehr mit jenen meditativ anmutenden Klangfarben zu füllen, die für die spirituelle Kraft und den tief empfundenen Glauben des französischen Komponisten charakteristisch ist. Ein glücklicher Zufall war, dass sich die beeindruckende Metzler-Orgel in der Kirche St. Martin mit ihrer französischen Registerdisposition bestens zur Interpretation vom Messiaens "Erscheinung der ewigen Kirche" eignete. Vergleichsweise schlicht gibt sich das anschließende Requiem von Giacomo Puccini, das der italienische Komponist des Fin de Siècle anlässlich des vierten Todestages Giuseppe Verdis komponiert hatte. Im Gegensatz etwa zu den Requien Verdis oder Mozarts verzichtete Puccini auf die Verwendung pompöser harmonischer Klangbilder. Die persönliche Suche nach Frieden und Ruhe wird durch den einfach gestalteten Unisono-Gesang unterstrichen, der nur sehr sparsam durch mehrstimmigen polyphone Elementen ergänzt wird. Dass sich der Dirigent bei Faurés Requiem für eine frühe kammermusikalische Version entschieden hat, die auf Holz- und Blechblasinstrumente gänzlich verzichtet, hatte auch praktische Gründe. Schließlich müsse auch auf Finanzierbarkeit und technische Realisierbarkeit eines Arrangements Rücksicht genommen werden, erklärt Dirigent Ernst.
Verstärkt wurde der Gesangsverein Fahrnau von Mitgliedern des Wehrer Kirchenchors St. Martin sowie von Schülern der Jugendmusikschule Schopfheim, die von Jacqueline Forster unterrichtetet werden. Neben dem Bass-Bariton Stefan Vock war die Sopranistin Jaqueline Foster beim Konzert am Sonntag als Solistin zu hören. Die gebürtige Australierin und Lebensgefährtin des Dirigenten machte dabei durch eine berührende Interpretation des "Pie Jesu" aus Faurés Requiem auf sich aufmerksam.
Das nächste Projekt des Gesangsvereins Fahrnau wird sich Balladen und Melodramen der Romantik widmen. Einstudiert werden Stücke von J.G Rheinberger, Johannes Brahms, Franz Schubert und Robert Schumann. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich dem Gesangsverein Fahrnau anzuschließen. Die Proben finden immer montags ab 19.30 Uhr im alten Rathaus in Fahrnau statt.
Autor: Hrvoje Miloslavic
