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07. Februar 2012
"Balladen kommen wieder"
Michael Donkel und Reinhard Seiblich begeistern in Wehr mit einer gelungenen Musik-Wort-Kombi.
WEHR. "O schaurig ist's übers Moor zu geh'n" – so lautete der Titel der zweiten literarischen Vortragsreihe der Volkshochschule Wehr, die am Sonntagabend im Storchehus stattfand. Reinhard Seiblich (Rezitation) und Michael Donkel (Klavier) widmeten ihre einstündige Darbietung ganz der Kunstform der klassischen deutschen Ballade.
So manchem der zahlreichen Zuhörer war die Rührung deutlich anzusehen, angesichts von Klassikern aus dem Balladenjahr 1797 wie Johann Wolfgang von Goethes "Der Zauberlehrling" und "Der Erlkönig", Friedrich Schillers "Der Taucher" oder Theodor Fontanes "Gorm Grymme", Anette von Droste-Hülshoffs "Der Knabe im Moor" und Conrad Ferdinand Meyers "Die Füße im Feuer".
Mit traumwandlerischer Sicherheit setzte Seiblich Worte, Zeilen, Strophen und Reime, denen er mit ausdrucksstarker Gestik und Mimik Nachdruck zu verleihen verstand. Gleichwohl schien es hie und da, als drohten die Handlungen der Balladen durch die charismatische Wortgewalt des begnadeten Rhetorikers Seiblich zwischen verbal angeheizter Dramatik und gestenreich inszenierter Theatralik gleichsam zerrieben zu werden.
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Vermissen konnte der Zuhörer am zweifellos beeindruckenden Vortrag Seiblichs auch eine kritisch-interpretatorische Auseinandersetzung mit den Dichterpersönlichkeiten in ihrem historischen Kontext, statt diese in der doch beengten Sphäre bildungsbürgerlich anmutender Rezitation zu verorten. Der verdiente, langanhaltende Applaus des Publikums galt nicht weniger dem Pianisten Michael Donkel. Mit Stücken von Aleksandr Skrijabin (Preludes Opus 11), Edvard Grieg (Lyrische Stücke) sowie Eigenkompositionen bereicherte und stützte der Pianist den literarischen Vortrag mit seinen inhaltlichen klangfarblichen Entsprechungen.
Zu der am Ende rezitierten Ringparabel aus Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise" erklang die Sinfonia Nr. 6 von Johann Sebastian Bach. Nicht von ungefähr hatte sich Donkel für die in der "Liebestonart" E-Dur geschriebene, dreistimmige, im Neun-Achtel-Takt (drei mal drei Achtel) gehaltene Sinfonia entschieden, die in symbolträchtiger Weise für die in der Parabel thematisierten drei Ringe steht. Stellvertretend für die Begeisterung des Publikums über den gelungenen Abend dürfte die Haltung der Hebel-Expertin Inge Hemberger stehen: "Ganz toll", lautete ihr eindeutiges Urteil. Dass die Balladen im Schulunterricht eine Zeitlang kaum noch Bedeutung gehabt hätten, bedauere sie sehr. Nicht zuletzt solche Auftritte wie der von Reinhard Seiblich und Michael Donkel lassen Hemberger aber hoffen: "Die Balladen kommen wieder."
Autor: Hrvoje Miloslavic
