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25. Februar 2016

Beratungsfirma stellt Ergebnisse ihrer Untersuchung zu Strukturen in der Stadtverwaltung vor

Fazit: Gut aufgestellt, aber Luft nach oben.

  1. Die Strukturen im Wehrer Rathaus hat ein Beratungsunternehmen aus Köln unter die Lupe genommen. Foto: Jörn Kerckhoff

WEHR. Gut gefüllt waren die Zuschauerränge bei der jüngsten Sitzung des Wehrer Gemeinderates am Dienstagabend. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung wollten sich offensichtlich die Vorstellung der Ergebnisse der Organisationsuntersuchung der Stadtverwaltung nicht entgehen lassen. Was sich sperrig anhört, hat indes einen griffigen Kern: Arbeitet die Verwaltung effizient und wo könnte es noch besser laufen, waren die zentralen Fragen, die die Kölner Beratungsfirma BSL Management beantworten sollte.

Berater Daniel Eggerding stellte die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung vor. Und hatte dabei interessante Ansätze zu präsentieren. "Unternehmen sollten sich von Zeit zu Zeit von Außen betrachten lassen, um sich Stärken und Schwächen aufzeigen zu lassen", erklärte Bürgermeister Michael Thater den Anlass der Untersuchung. Zuletzt sei eine solche Inaugenscheinnahme im Jahr 2004 durch die Gemeindeprüfungsanstalt erfolgt. "Grundsätzlich haben Sie ein gut aufgestelltes Haus, aber mit Verbesserungspotential im Einzelnen", eröffnete Daniel Eggerding seine Präsentation.

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Neue Behörden

"Die örtliche Straßenverkehrsbehörde und untere Baurechtsbehörde sind nicht bei der Stadtverwaltung anzusiedeln", lautet ein klares Statement der Untersuchung. Daniel Eggerding untermauerte diese Empfehlung mit harten Zahlen: So würden durch die Einrichtung einer Straßenverkehrsbehörde Kosten von etwa 100 000 Euro zusätzlich im Jahr entstehen. "Das wäre nur kostendeckend möglich, wenn 80 Prozent der Wehrer Haushalte pro Jahr einen Strafzettel von 20 Euro bekommen würden", erklärte der Berater. Deswegen sei die Einrichtung "betriebswirtschaftlich nicht vertretbar", zumal die Kreisumlage dadurch nicht sinken würde. Auch die politischen Gestaltungsmöglichkeiten seien beschränkt. Deswegen sollte man die Aufgaben lieber beim Kreis belassen. Das gelte auch für die untere Baurechtsbehörde. Sollte eine solche in Wehr neu geschaffen werden, rechnen die Berater mit zusätzlichen Personalkosten von 210 000 Euro pro Jahr. Diesen würden aber nur Einnahmen von 100 000 Euro gegenüberstehen. Bliebe unterm Strich also auch hier ein dickes Minus.

Vier oder fünf Ämter?

"Die Anzahl der Ämter ist von fünf auf vier zu reduzieren", lautet eine weitere Forderung der Berater. In Städten vergleichbarer Größenordnung bestünden in der Regel nur drei oder vier Ämter. Je mehr Ämter bestehen, desto höher sei der Abstimmungs- und Koordinierungsaufwand. Konkret lautet der Vorschlag der Berater, eventuell künftig statt eines Kulturamtsleiters nur noch einen Kulturreferenten einzustellen und das Kulturamt an ein anderes Amt anzugliedern. Mit dieser Forderung stießen die Berater allerdings auf deutlichen Widerstand bei Bürgermeister und Gemeinderat. "Ich bin überzeugt, dass für uns die Struktur mit fünf Ämtern die beste ist", sagte Bürgermeister Thater. Diese Entscheidung liege im Aufgabenfeld des Bürgermeisters und müsse deswegen auch nicht ausführlich im Gemeinderat diskutiert werden. Allerdings erhielt er im Gemeinderat weitgehend Rückendeckung für seine Einschätzung. "Wir haben seit 25 Jahren ein hervorragendes Kulturamt und müssen schauen, dass wir nicht in die Provinzialität zurückfallen", warnte beispielsweise Stadträtin Martina Meyer von den Freien Wählern. Bürgermeisterstellvertreter Paul Erhart (CDU) war dagegen etwas anderer Meinung: "Nach der Pensionierung von Kulturamtsleiter Valenta braucht es eine offene Diskussion um den Weiterbestand des Kulturamtes", forderte er. Das Einsparpotential wäre indes vergleichsweise gering. Die Berater rechnen mit 7000 Euro pro Jahr weniger Ausgaben, sollte ein Amt wegfallen. Allgemein betonten sie aber, dass sich die Stadt Gedanken über die künftige Ausrichtung der Volkshochschule machen müsse.

Technischer Dienst

Auch beim Technischen Dienst sehen die Berater Verbesserungspotential. So würden derzeit "Pflichtaufgaben nachrangig bearbeitet". Künftig sollten diese aber "Vorrang gegenüber freiwilligen Aufgaben haben". So würden beispielsweise die Kontrollen von Kinderspielplätzen zwar erfolgen, allerdings nicht regelmäßig protokolliert. Dies müsse sich ändern. Außerdem seien den Mitarbeitern des Stadtbauamtes und der Technischen Dienste teils Dienstanweisungen zu Kontrollen von Straßen, Kinderspielplätzen und Bäumen nicht bekannt. Und die Anweisungen selbst stammten noch aus dem Jahr 1997. Allgemein habe Wehr im Bereich der Technischen Dienste "einen hohen Standard". Gerade was die Unterstützung der Vereine angehe. "Das sollten die Vereine auch wissen", findet Daniel Eggerding. Außerdem mache der Standort Öflingen aus betriebswirtschaftlicher Sicht keinen Sinn. Auch den Bürgerservice in Öflingen sehen die Berater kritisch. Da seien "die Öffnungszeiten zu reduzieren und Serviceleistungen zu hinterfragen". So werde in Öflingen derzeit eine halbe Stelle gebraucht für Aufgaben im Bürgerservice, für die die Stadt eigentlich gar nicht zuständig sei. Umgerechnet bedeute das für die Stadt jährlich Kosten von 22 000 Euro, so Daniel Eggerding.

Personalbedarf

Alles in allem sehen die Berater den Personalstand der Verwaltung als in Ordnung an. Für Führungs- und Leitungsaufgaben sehen sie allerdings einen Mehrbedarf von 0,61 Stellen. Dagegen bestehe insgesamt auf Basis des Personalstandes von 2014 ein Minderbedarf von 2,02 Stellen. "Das ist eine rechnerische Größe. Diese Werte nehmen keine Rücksicht auf subjektive und vor Ort notwendige Gegebenheiten", relativierte Daniel Eggerding diese Aussage allerdings gleich wieder. Er warne davor, "die Zahlen auf Biegen und Brechen umzusetzen". Die Verwaltung müsse die Ergebnisse nun auf die örtlichen Gegebenheiten transferieren. Die Wehrer Personalchefin Yasemin Yildirim machte deutlich, dass sie kein Potential für Einsparungen sieht. Im Gegenteil: "Jetzt fängt für uns die Arbeit erst richtig an. Ich gehe da temporär eher von einem Mehrbedarf beim Personal aus." Da erhielt sie auch Rückendeckung aus dem Gemeinderat. Bürgermeister Michael Thater kündigte an, dass es nun 30 Empfehlungen gebe, die bis September abgearbeitet werden sollen. Dann werde es einen neuen Wasserstandsbericht für den Gemeinderat geben.

Autor: Felix Held