Berührende Momente

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 10. Juli 2017

Wehr

Anne-Sophie Mutter verleiht den Lothar-Späth-Förderpreis.

WEHR. Es war ein denkwürdiges Ereignis für die Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland und der Schweiz, die am Samstag aus den Händen von Weltstar Anne-Sophie Mutter den Lothar-Späth-Förderpreis 2017 für Künstler mit geistiger Behinderung entgegen nehmen konnten.

Die prominente Ehrenbürgerin der Stadt Wehr überreichte in der vollbesetzten Stadthalle den Preisträgern mit herzlichen Gratulationen die Urkunden und spielte zu Ehren der Künstler zusammen mit den beiden Nachwuchstalenten Sophie Bühler (Violine) und Leonie Bühler (Klavier) aus Öflingen.

Das waren berührende Momente bei dieser festlichen Preisverleihung an die strahlende Gewinnerin Yasmin Calabretti, Frank Lohmann (zweiter Preis), Juliane Amann (dritter Preis) sowie die Anerkennungs- und Sonderpreisträger. Bürgermeister Michael Thater freute sich sehr, dass die weltberühmte Geigerin spontan zugesagt hatte, die Preise zu überreichen und damit ihre enge Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt Wehr, zum Lebenswerk von Kunstpfarrer Paul Gräb, dem Öflinger Haus der Diakonie und zum verstorbenen Preisstifter Lothar Späth ausdrückte. Der ehemalige Ministerpräsident sei ein Visionär gewesen, der sich schon früh für die Integration von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft eingesetzt habe, angeregt durch das Modell Öflingen von Kunstpfarrer Gräb, sagte Thater. Seit der Preisgründung 2006 seien insgesamt 3000 Kunstwerke eingereicht worden. Auch sei es Späth immer wichtig gewesen, junge Menschen an Themen der Gesellschaft heranzuführen, hob Thater die Schülerfirma Emo der Gemeinschaftsschule Wehr hervor, die seit etlichen Jahren den Späth-Preis mitorganisiert und mitgestaltet.

Es sei eine Ehre, in die großen Fußstapfen von Lothar Späth zu treten, sagte Anne-Sophie Mutter. Sie erinnerte an den Preisstifter als einen Mann von beeindruckender Tatkraft, dem es am Herzen lag, dass Menschen mit Behinderungen in ihrer Kreativität gefördert würden und ihre individuellen Lebenschancen wahrnehmen und weiterentwickeln könnten. In diesem Zusammenhang zeige sich, wie wichtig die Solidargemeinschaft sei. Es sei ein "beglückendes Erlebnis, die Diakonie zu spüren". Mit "tiefem Respekt" würdigte Mutter die "große Ausdruckskraft und das Können" der Künstlerinnen und Künstler, die sich mit beeindruckenden Werken für den Späth-Preis beworben haben. Denn es brauche Mut, bei einem Wettbewerb mitzumachen. "In meinen Augen haben Sie alle den ersten Preis verdient", beglückwünschte Mutter die Künstler.

Eine persönliche Laudatio auf die Preisträger und ihre Werke hielt Elena Romanzin, die zusammen mit Lilot Hegi und Kitty Schaertlin die schwierige Jury-Aufgabe hatte, aus 277 eingesandten Arbeiten die 15 Preisträger auszuwählen. "Bei der Auswahl geht es um die ästhetische Qualität der eingereichten Arbeiten", sagte Romanzin, die mit künstlerisch fundiertem Blick und geschultem Auge für Farben, Komposition und Technik detailgenau und liebevoll die einzelnen Preisträger-Bilder vorstellte. Feinfühlig brachte Romanzin den Gästen die ausdrucksstarken Werke der drei Hauptpreisträger Yasmin Calabretti, Frank Lohmann und Juliane Amann, der zehn Anerkennungspreisträger Andreas Beisert, Titus Dreher, Torsten Holzapfel, Samuel Hopf, Kurt Sennebogen, Sibylle Moll, Pascal Pach, Ronald Saladin, Maximilian Weiger und Josef Wicker sowie der Sonderpreisträgerinnen Sarah Loriaux (Haus der Diakonie Öflingen) und Franziska Fiedler (Zonta-Preis) nahe. Romanzin verwies auch auf die sehenswerte Preisträger-Ausstellung im Alten Schloss Wehr.

Unter großem Applaus nahmen die strahlenden Preisträgerinnen und Preisträger ihre Auszeichnungen entgegen, die Freude über diesen großen Moment war ihnen ins Gesicht geschrieben. Auch musikalisch war es ein ganz besonderer denkwürdiger Nachmittag. Eröffnet wurde er durch das Orchester des Hauses der Diakonie Öflingen auf allerlei Instrumentarium mit dem rhythmisch vitalen Stück "Groove it" und dem hinreißenden "Schokoladen-Blues", einem köstlichen, humorvollen Loblied auf die Schokolade. Zusammen mit den hochbegabten Schwestern Sophie Bühler (zweite Violine) und Leonie Bühler (Klavier), beide Schülerinnen der Jugendmusikschule Bad Säckingen, spielte Anne-Sophie Mutter den zweiten Satz aus Bachs Doppelkonzert für zwei Violinen d-Moll überaus klangschön, bewegend und kantabel. Sehr konzentriert und harmonisch wirkte das Zusammenspiel der Nachwuchsmusikerinnen mit dem Weltstar. Im Gedenken an Lothar Späth spielte die Stargeigerin, einfühlsam begleitet von Leonie Bühler am Flügel, das "Ave Maria" von Bach/Gounod herzergreifend schön, mit einzigartig warmem, sanglichem Ton und gefühlvollem Ausdruck.

Nach den Dankesworten von Bürgermeister Thater gab die Stargeigerin das Versprechen, nächstes Jahr wieder zur Preisverleihung zu kommen: "Ich freue mich schon aufs nächste Jahr."