Charles Brauer liest für guten Zweck

ros

Von ros

Do, 07. Dezember 2017

Wehr

Der Tatort-Schauspieler gibt in Wehr eine Hörprobe aus Grishams Weihnachtskomödie / Erlös geht an Lothar-Späth-Förderpreis.

WEHR. Seit mehr als zehn Jahren unterstützen der bekannte Schauspieler Charles Brauer und seine Frau, die Künstlerin Lilot Hegi, den Lothar-Späth-Förderpreis für Menschen mit geistiger Behinderung. Bei einer Benefizlesung am Samstag, 9. Dezember, 19 Uhr, im Alten Schloss Wehr, liest Brauer aus der amüsanten Geschichte "Das Fest" von John Grisham. Roswitha Frey sprach mit dem Schauspieler.

BZ: Herr Brauer, Sie engagieren sich seit vielen Jahren mit Ihrer Frau Lilot Hegi für den Lothar-Späth-Preis. Was beeindruckt sie besonders an diesem Projekt?
Brauer: Es ist jedes Jahr aufs Neue beeindruckend, wenn ich die Ausstellungen sehe und wenn ich bei den Preisverleihungen mitbekomme, was für eine Freude die Menschen haben, wenn sie einen ersten, zweiten oder dritten Preis bekommen. Das ist jedes Jahr sehr schön, das mitzuerleben. Auch die hohe künstlerische Qualität der Bilder beeindruckt mich sehr. Wenn ich dann gebeten werde, ob ich wieder eine Benefizlesung machen könnte, dann mache ich das mit Freude.

BZ: Sie sind nicht nur als Film- und Theaterschauspieler viel unterwegs, sondern machen auch Lesungen und sind ein gefragter Hörbuchsprecher. Was fasziniert Sie an diesem Medium?
Brauer: Wenn Sie mit diesem Beruf zu tun haben, in dem ich ja nun schon seit vielen, vielen Jahren unterwegs bin, dann ist es klar, dass Sie sich auch mit Literatur beschäftigen. Und dann behaupte ich mal, dass ich begabt darin bin, das auch vorlesen zu können. Seit es Hörbücher gibt, sagen wir mal so seit den 1990er-Jahren, als das angefangen hat, und ich gefragt wurde, habe ich sehr gern zugesagt. Und dann hängt es ja davon ab, wie weit die Leute auf so eine Bekanntheit reagieren, nicht nur wegen des Textes, sondern auch, weil sie neugierig sind, einen Schauspieler vorlesen zu hören.

BZ: Wie kam es, dass Sie alle Bestseller von John Grisham als Hörbücher gesprochen haben und zu einem Grisham-Spezialisten geworden sind?
Brauer: Das passierte in der Zeit, als ich noch sehr viel "Tatort" drehte und der damalige Verlag von Grisham mich fragte, ob ich Lust hätte, einen Grisham als Hörbuch zu lesen. Da versprach man sich natürlich etwas: Tatort-Kommissar liest Thriller von John Grisham. Und das funktionierte. Ich habe in den gut 25 Jahren, seit ich das mache, diesen Autor lieben und schätzen gelernt. Ich finde das hochspannend, was er Gesellschaftskritisches auf Amerika bezogen schreibt, die Geschichten, die er erfindet, die ja immer auf bestimmten Vorgängen in der amerikanischen Justiz oder in der Wirtschaft basieren. Auch der letzte Grisham "Das Original" ist eine tolle, spannende Geschichte, die gar nicht so thrillermäßig ist und auch nichts mit der Justiz zu tun hat, sondern in der es um Bücher geht.

BZ: In der Vorweihnachtszeit wollten Sie in Wehr aber keinen berühmten Thriller lesen, sondern bringen Grishams Buch "Das Fest" mit. Was hat Sie an dieser Geschichte gereizt?
Brauer: Ich würde nie zu einem solchen Benefizanlass einen Thriller lesen. Grisham hat auch andere Sachen geschrieben, wie diese amerikanische Weihnachtsgeschichte, die wahnsinnig komisch und erheiternd ist. Das kann er eben auch. Ich habe das schon ein paar Mal gelesen und weiß, dass das gut funktioniert. Es ist eine wunderbare typisch amerikanische Kleinstadtgeschichte, die man aber durchaus mittlerweile vergleichen kann mit deutschen oder schweizerischen Kleinstädten. Es wird ja auch hier wie verrückt nach amerikanischem Vorbild geschmückt. Überall hängen die Weihnachtsmänner und die Rentiere leuchten an den Häusern. Und darum geht es in dieser Familiengeschichte, die sehr lustig ist.

BZ: Eigentlich geht es doch um ein Paar, das Weihnachten boykottieren will?
Brauer: Richtig! Sie wollen Weihnachten boykottieren, weil ihre Tochter nicht da ist. Weil die Tochter in die Entwicklungshilfe nach Südamerika gegangen ist, haben die Eltern vor, eine Kreuzfahrt zu machen und auf das ganze Weihnachts-Brimborium zu pfeifen. Und lösen damit in ihrer kleinen Stadt, in ihrer kleinen Straße, wo immer der Wettbewerb um die schönste Weihnachtsdekoration stattfindet, eine ziemliche Verwirrung aus, weil kein Mensch versteht, warum sie nicht Weihnachten feiern wollen. Als die Tochter dann plötzlich doch vor der Tür steht, ist die Hölle los. Das beschreibt er auf sehr witzige und zum Teil auch ironische Art, das entsteht auch durch die Figuren und Charaktere, die ich lese und entsprechend schauspielerisch aufmöble (lacht). Es macht großen Spaß, das zu lesen.

BZ: Also werden Sie den Abend in Wehr ein bisschen als szenische Lesung gestalten?
Brauer: Ja, man färbt ja immer die Charaktere ein bisschen. Man macht das so lebendig, wie es geht, damit die Leute etwas davon haben. Es ist ein Zwei-Stunden-Abend mit Pause und wir hoffen, dass wir damit den Lothar-Späth-Förderpreis kräftig unterstützen können.

BZ: Ich habe gelesen, dass Sie mit John Grisham in Kontakt sind.
Brauer: Jein, das kann man so nicht sagen. Er hat mir sehr reizend geschrieben zu meinem 80. Geburtstag. Da schrieb er: "I keep writing, you keep reading". Da habe ich mich natürlich sehr gefreut. Ich war im Sommer in Amerika zu Dreharbeiten und war auch eine Woche in New York, und da habe ich die Agentin von ihm kennengelernt. Wir bleiben auch in Kontakt, weil die sich freuen, dass die Hörbücher, die in Deutschland von mir gemacht werden, so erfolgreich sind.

BZ: Was sind Ihre nächsten Projekte?
Brauer: Am 21. Januar läuft im ZDF der in Amerika gedrehte Film, in dem ich einen Jazzpianisten spiele. Ich bin auch unterwegs mit einer Hommage an Manfred Krug, ich moderiere den Abend, und im März beginne ich mit Proben zu dem Zwei-Personen-Stück "Heisenberg" am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg.