"Ein supertoller Gegensatz"

Hrvoje Miloslavic

Von Hrvoje Miloslavic

Mo, 20. Juni 2011

Wehr

Stephanie Bucher führt Kunst und Maschinenbau zusammen.

WEHR. "Art and Engineering" – Kunst und Maschinenbau. Zwei Bereiche, die sich auf den ersten Blick so gar nicht recht vereinbaren zu lassen scheinen, wie man meinen könnte. Umso mehr Aufsehen erregt die gleichnamige Installation der Schweizer Künstlerin Stephanie Bucher, die am Wochenende ihre Exponate – großformatige Gemälde, serielle Arbeiten auf Leinwand Plexiglas und Materialien der Metallverarbeitung – in der Produktionshalle der Firma Tschumber Misch- und Trenntechnik ausstellte.

Eigentlich sei ihr der Stahl fremd, sagt Bucher. Dies verwundert auch nicht weiter, lebt doch die 43-jährige Schweizerin seit mehreren Jahren in Burgund, aus dessen malerischer Landschaft und Natur sie die Inspiration für ihr künstlerisches Schaffen zieht. "Ich wollte meine Bilder nicht in einem normalen Raum oder einer Galerie ausstellen", verrät die Künstlerin. "Ich wollte etwas Lebendiges." Mit ihrer Schöpfung "INOX", mit der nach Aussage der Künstlerin "reflektierte Arbeitsabläufe während der Produktion (...) mit all ihren akustischen und olfaktorischen Reizen" künstlerisch verarbeitet werden sollten, hat Bucher eine große Herausforderung angenommen. Dem ungeübten Galeriebesucher will sich der Zusammenhang von "Lebendigem" mit Drehbänken, Schweißgeräten, Fräs-, Polier-, Schleif- und Bohrmaschinen sowie Unmengen von Eisenspäne nur schwer erschließen.

"Ich habe Arbeitsprozesse beobachtet und diese dann umgesetzt", beschreibt Bucher ihre Vorgehensweise. Als spannend habe sie es empfunden, die Kunst in einen technisch-maschinellen Kontext zu setzen, um sie dann weiterzuentwickeln. Bei der Entstehung ihrer Bilder nutzte die Künstlerin verschiedene Materialen und Stoffe, die bei der Metallbe- und -verarbeitung Verwendung finden: Eisenglimmer, Aluminiumpulver, Mangan, verschiedene Pigmente sowie das Glasmehl, das in der Kombination mit Acrylfarben optische Effekte hervorruft.

Ebenfalls zu sehen waren ältere Arbeiten Buchers. "Chocolate" heißt etwa ein Konzept, zu dem die Künstlerin bei einem Besuch eines Chocolatiers in Montceau-les-Mines inspiriert wurde. Sie sei fasziniert von der "weichen und fließenden Beschaffenheit der Schokolade", was sie dazu veranlasst habe, das angenehme Aroma in visualisierter Form auf Leinwand festzuhalten. Durchweg positiv waren die Reaktionen der in ansehnlicher Zahl erschienenen Besucher. Große Stücke auf die Künstlerin hält etwa eine Schweizerin aus Füllinsdorf. Sie habe drei "Schokoladenbilder" von Stephanie Bucher, an den sie viel Freude hätte.

Zweifellos ist Stephanie Bucher mit ihrer Installation ein recht schwieriger Spagat gelungen. Doch in dem Maße wie es der Künstlerin in beeindruckender Weise gelungen ist, den wenig inspirierenden mechanischen Produktionsprozessen mit sprichwörtlich "kaltem Stahl" künstlerischen Ausdrucke zu entlocken, liefen die eher durch ihre Wirkung, weniger durch Tiefe bestechenden Exponate während der Ausstellung selbst Gefahr, von ihrer unwirtlichen technischen Umgebung wieder "verschluckt" werden.

Begeistert zeigt sich der Hausherr Hanspeter Tschamber, der seine rund 1000 Quadratmeter große Produktionshalle als Galerie zur Verfügung stellte. "Ein supertoller Gegensatz und eine schöne Abwechslung", befindet Tschumber. Vor allem gefalle ihm der Kontrast zum wirtschaftlichen Denken, zu dem er sonst immer gezwungen sei: "Bei uns ist normalerweise jeder Schnörkel zu viel, weil er nicht gezahlt wird."