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02. Februar 2012
Exil auf Heuboden beendet
Kanzel der Wehrer Pfarrkirche war 25 Jahre eingemottet – jetzt kehrt sie frisch restauriert zurück.
WEHR. Nach einem Vierteljahrhundert hat die Kirche Sankt Martin in Wehr ihre Kanzel wieder. Das aufwendig restaurierte Verkündigungspodest wurde vor wenigen Tagen von der ortsansässigen Zimmerei Bühler und anderen Handwerkern an seinem früheren Platz angebracht. Möglich gemacht hat das eine großzügige Spende.
Firmenchef Berthold Bühler leitete die Arbeiten. Mit dabei war der Restaurator Detlef Reimann aus Kirchzarten bei Freiburg. Reimann hatte 1984 bei der großen Innenrenovation der Martinskirche verschiedene Skulpturen überarbeitet. Jetzt die Kanzel zu renovieren, sei eine große Herausforderung gewesen, sagte er.Der Restaurator hat die Einzelteile, wie den Korpus oder den Sockel, gründlich gereinigt. Der alte Lack wurde entfernt, das Holz gefestigt und gehärtet. Dann hat Reimann das gesamte Ensemble in den Originalfarbtönen gestrichen und neu lackiert. Unbegründet war glücklicherweise die Sorge, die Kanzel könnte vom Holzwurm befallen sein.
Fast acht Zentner wiegt die Kanzel, die Zimmermeister Bühler an der rechten Säule am Beginn des zweiten Kirchenschiffes befestigt hat. Sie steht auf zwei Stahlträgern, die tief in das Mauerwerk eingelassen wurden. Es ist der Platz, wo sie einst stand, ehe Pfarrer Hermann Marder sie 1959 an den vorderen Vierungspfeiler versetzen ließ. Dort blieb sie nicht lange: Bei der grundlegenden Kirchenrenovation 1985 bis 1990 entschied sich der Pfarrgemeinderat gegen die Kanzel und so wurde sie entfernt.
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Pfarrer Gerhard Balles machte damals klar, dass er niemals mehr die Kanzel zum Predigen besteigen würde. Seit der Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil hatten Kanzeln mehr oder minder ausgedient. Somit kam aus Wehrer Sicht eine Restaurierung nicht mehr in Frage. Die Kanzel wurde auf einen Wehrer Heuboden verbannt. Erst zum Kirchenjubiläum im vergangenen Jahr kam sie wieder ins Spiel. Als eigentlich unzertrennlicher Teil des Gotteshauses entfachte sie eine neue Diskussion mit dem Ergebnis, dass sie wieder eingebaut werden sollte.
Nachdem sich ein großzügiger Spender fand, der die Kosten für die Restauration übernahm, stand die Entscheidung fest. Wie viel die Instandsetzung gekostet hat, will der Spender nicht in der Zeitung lesen, ebenso wenig seinen Namen.
Die Kanzel strahlt wieder in altem Glanz. Pfarrer Matthias Kirner und alle, die an der Aktion beteiligt waren, freuen sich über das Ergebnis. Besonders gelungen sind die Medaillons mit den stilisierten Symbolen Löwe und Stier für die Evangelisten Markus und Lukas sowie Mensch und Adler für Matthäus und Johannes. Die Unterseite des Schalldeckels (sozusagen das Dach der Kanzel) ziert eine Taube, darüber thront eine Putte.
Autor: Hansjörg Bader
