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18. Februar 2011

"Mundart ist nicht gleichzusetzen mit schlechtem Deutsch"

Mundartdichter Markus Manfred Jung war an der Walther-von-Klingen-Realschule, um eine denkwürdige Stunde zu halten.

  1. Der Mundartdichter Markus Manfred Jung im Gespräch mit Realschülern der 10. Klassenstufe. Foto: hrvoje miloslavic

WEHR. Der Ausdruck "Dialektpflege" liege ihm so gar nicht! Schließlich begreife er das Alemannische als eine Melodie, mit der er lebe – als ein Instrument, auf dem er spiele. Der vermeintliche Zwang, sich im Sinne einer Musealisierung legitimieren zu müssen, erscheint ihm fremd.

"Mundart darf nicht mit schlechtem Deutsch verwechselt werden", lautet das Credo des Mundartdichters Markus Manfred Jung, der am Mittwoch in der Walter-von-Klingen-Realschule eine denkwürdige Unterrichtsstunde abhielt.

Leicht wurde es dem Dichter insofern nicht gemacht, als die meisten der Schüler des Alemannischen gar nicht oder nur passiv mächtig waren. Dies änderte sich jedoch schnell, als Jung den Schülern seine eigne mundartliche Lyrik vorsetzte, die von der Deutsch-Klasse Silvia Lohmüllers mit viel Interesse angenommen wurde. Die "Litanei", hieß das das erste Werk, mit dem Jung von Beginn an keinen Zweifel aufkommen lassen wollte, dass regionale (Mund)Art keine Ausgrenzung von vermeintlich "andersartigen" Menschen nach sich ziehen darf. Das berühmte von Ludwig Soumagne verfasste Gedicht, das Jung in ein tadelloses - aber leicht dem "wiesentälerischen" zugeneigtes - Hochalemannisch übersetzt hatte, war nach eigener Aussage sehr bewusst im Gedenken an italienische Gastarbeiter verfasst worden, deren Schicksal Jung als "bedauernswert" in Erinnerung hatte.

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Nicht jeder findet Dialekt von vornherein blöd

Die Schüler zeigten sich vom Unterricht begeistert. Denise gibt offen zu, zur hiesigen Mundart wenig Bezug zu haben. Dennoch: "Es ist mal was anderes! Nicht immer mit dem Strom zu schwimmen, finde ich gut", sagt die 16-Jährige, zumal auch viele gute Bands inzwischen auf die Dialektschiene umgestiegen seien. Arthur (16) sieht die Sache sehr nüchtern: "Dialekt ist nicht gerade cool", lacht er. Sogleich wird er aber von seinem Kumpel Piero unterbrochen: " Ja, es ist aber was Neues, mal was anderes!"

So unschlüssig sich die Schüler auch gewesen sein mochten, so glänzend gestaltete sich deren Mitarbeit bei der nächsten Herausforderung. Es galt Gedichte Jungs in Gruppen zu bearbeitet und inhaltlich zu interpretieren. Bravurös meisterten die Schüler die nicht gerade einfache Aufgabe, die Gedichte Jungs im Original zu rezitieren. Bei der Interpretation waren sich aber alle einig: "Cool!"

Jung macht sich bezüglich der Zukunft des alemannischen Dialektes keine Illusionen: "Er stirbt aus...". Tatsächlich genießen Dialekte in Deutschland einen eher provinziellen Ruf, während regionale sprachliche Varietäten in Österreich oder der Schweiz gerade zur Identitätsbildung beitragen. Mut zureden, lässt Jung sich aber nur sehr bedingt! "Die Hochsprache speist sich doch gerade aus der Tiefe der Dialekte", entfährt es dem Mundartdichter. "Das Alemannische ist für mich keine Ideologie. Ich lebe das!"

Autor: Hrvoje Miloslavic