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25. November 2014

Nüchterner Blick ins Mittelalter

Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz beschäftigen sich bei interdisziplinärem Symposium mit "Burgen am Hochrhein".

  1. Die Wehrer Stadthalle wurde zum Treffpunkt für Burgen-Liebhaber. Foto: Hrvoje Miloslavic

WEHR. Mittelalterliche Burgen und Schlösser bieten einen reichhaltigen Fundus, aus dem die romantische, literarische Phantasie schöpfen kann. Einem sehr viel nüchternen und genaueren Blick hat sich die historische Wissenschaft verschrieben. So auch das Symposium "Burgen am Hochrhein", das mit einer hochkarätigen Besetzung in der Wehrer Stadthalle aufwartete.

Die interdisziplinär angelegte historische Tagung hatte sich zum Ziel gesetzt, "die Burgen als Zeichen der herrschaftlichen Durchdringung des Raumes genauer zu analysieren und zur Diskussion zu stellen". So lautete die Ankündigung des wohl prominentesten Referenten, Thomas Zotz, emeritierter Lehrstuhlinhaber an der Universität Freiburg. Zotz’ Ankündigung fiel im Hinblick auf die Publikumsresonanz auf sehr fruchtbaren Boden. Konnten sich bereits die Vormittagsreferate von Alfons Zettler zu den "Burgen Hertenberg und Rheinfelden", Peter Freys Ausführungen zum frühen Burgenbau links des Hochrheins oder Reto Martis Vortrag zur "Burg Altenberg bei Füllinsdorf" eines großen Zuspruchs erfreuen, gestaltete sich der Besuch am Samstagnachmittag noch besser.

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Informativ und kurzweilig

Dann nämlich standen die Lokalmatadorinnen auf dem Programm: Der Tübinger Historiker Martin Strotz präsentierte seine Forschungsergebnisse zur Burg Bärenfels. Zur Sprache kamen nicht nur die architektonischen Besonderheiten, sondern auch die wechselhaften, nicht zur Gänze erforschten Besitz- und Eigentumsverhältnisse der Burgruine. Einen ebenso gewichtigen lokalen Bezug wies der Vortrag von Erik Beck auf. Der in Dortmund forschende Historiker referierte über die Herrschaft Walter von Klingens und stellte "Überlegungen zur Rolle Wehrs und Klingnaus" an. Beck beleuchtete vor allem die Bedeutung der Burg Werrach für die Herrschaft Walter von Klingens. Während die Verlegungen des für 1256 in Wehr verbrieften Klosters Klingnaus ganz gut erforscht seien, gebe es in anderen Bereichen noch sehr viele offene Fragen, erklärte Beck auf Anfrage der Badischen Zeitung. Potential sieht der Historiker insbesondere bei der Erforschung der späteren Geschichte der Burg Werrach im Rahmen der Auseinandersetzungen zwischen Rudolf von Habsburg und dem Basler Bischof Heinrich. Bei der Forschung der mittelalterlichen Geschichte am Hochrhein sei "noch vieles möglich", betonte Beck. Profitieren vom Symposium konnten auch jene Besucher, deren Interesse der Burg Wieladingen sowie der Burg Hauenstein galt. Einen sehr kurzweiligen Überblick bot Andre Gutmann. Den Schwerpunkt setzte der Freiburger Mediävist auf die Burgenpolitik der Habsburger. Dies habe sich besonders dadurch ausgezeichnet, das der zunehmende habsburgische Einfluss auf die Ministerialen zu einer Entfremdung der Burgen Wieladingen und Hauenstein aus den klösterlichen Besitzverhältnissen geführt hätte, so die Kernaussage Gutmanns.

Abgerundet wurde das Programm vom Vortrag Zotz´ über die Burg Rötteln bei Lörrach sowie das Referat des Schweizer Forschers Christoph Reding über "Burgen links des Hochrhein". "Ganz tolle Sache", so Bürgermeister Michael Thater abschließend über das Symposium.

DAS SYMPOSIUM

Das Symposium ist ein Projekt der Stadt Wehr und der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde. Bestandteil ist eine sechsteilige Vortragsreihe. Der nächste Vortrag findet am Donnerstag, 27. November, von 20 Uhr an im Kornhauskeller Frick statt. Thomas Zotz referiert über "Die Burg Rötteln bei Lörrach – vom Herrensitz des 12. und 13. Jahrhunderts zur markgräflichen Residenz im Spätmittelalter".  

Autor: milo

Autor: Hrvoje Miloslavic