"Öflingen hat eine große Bedeutung"

Hans Loritz

Von Hans Loritz

Do, 21. September 2017

Wehr

BZ-INTERVIEW mit Father Joe Pereira / Der Geistliche feiert am heutigen Donnerstag sein 50-jähriges Priesterjubiläum / Der Katholik hilft gerne anderen Menschen.

WEHR-ÖFLINGEN. Der katholische Priester Father Joe Pereira aus Indien feiert am 21. September 2017 sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Viele Öflinger kennen den Priester von seinen zahlreichen Besuchen in der Pfarrgemeinde bereits. Er war auch über viele Jahre Zelebrant des Fronleichnamsgottesdienstes. Hans Loritz hat mit dem Geistlichen zum Anlass des Priesterjubiläums gesprochen, während dieser in Rom weilte.

BZ: Father Joe – Sie sind vor 50 Jahren zum Priester geweiht worden. Was ging Ihnen damals durch den Kopf?
Father Joe: In der Nacht vor meiner Weihe hatte ich einen Traum. Ich sah einen wundervollen Berg, von dem aus ein schmaler Bach ins Tal floss. Ein verirrtes Schaf trank aus dem Wasser. Ich träumte und fühlte, dass genauso mein Leben als Priester werden würde. Ich würde ein kleiner Storm sein, der sich aus Gottes Gnade speiste, und einem verirrten Schaf Wasser spendete. Und genauso wurde mein Priesteramt.

BZ: Wie hat sich Ihre Arbeit im Laufe der Jahrzehnte verändert?
Father Joe: 1971, vier Jahre nach meiner Priesterweihe, traf ich Mutter Teresa. Das änderte alles. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, was ich tun musste. So wie Jesus es getan hat, sollte ich seelisches Leid lindern und Kranke heilen. Das war ein besonderer Auftrag zusätzlich zu meiner Berufung zum Priesteramt. Priester zu sein, war und ist meine Hauptaufgabe und innerhalb dessen gründete ich Kripa, um gegen Sucht und später auch gegen HIV zu kämpfen. Dazu inspirierte mich Mutter Teresa.

BZ: Sie sind nach wie vor in der ganzen Welt unterwegs. Wie bewältigen Sie diese Anstrengung?
Father Joe: Ich reise, um bei den Menschen zu sein, die auf der Suche nach innerer Zufriedenheit sind, in einer Welt, wo viele ein immer materialistischeres Leben führen. Mutter Teresa sagte immer, es gibt materielle Armut in der Dritten Welt und es gibt auch Armut in der "reichen" Welt. Denn dort gibt es zu wenig Liebe, Spiritualität und Glauben. Mit Yoga und Meditation kann ich all denen, die es benötigen, helfen. Wenn ich mit den Menschen Yoga übe und meditiere, ist das für mich eine neue Form der Verkündigung des Evangeliums. Millionen von Menschen, die nichts mehr von der Kirche wissen wollen, finden dadurch wieder zur Spiritualität zurück. Junge Leute wollen nicht nur in die Kirche gehen und nur Rituale präsentiert bekommen. Papst Franziskus sagt, sie wollen wirklich etwas Gutes tun. Letzten Freitag, am 15. September 2017 durfte ich die Heilige Messe mit Papst Franziskus in seiner privaten Kapelle feiern und den päpstlichen Segen von ihm empfangen. Papst Franziskus fordert die Menschen auf:" Geht raus aus den Kirchen und in die Welt! Geht dorthin, wo das Leid ist. Dort ist die wahre Kirche." Genau das leben wir in der Kripa Foundation.

BZ: Sie haben lange Jahre eng mit Mutter Teresa zusammengearbeitet. Wie hat Sie diese Zeit geprägt?
Father Joe: Ich habe ganz wunderbare Erinnerungen an Mutter Teresa. Ihre grenzenlose Liebe veränderte meine Persönlichkeit und meine Arbeit. Wenn man mit ihr zusammen war, fühlte man stets die Liebe Jesu. Sie bat mich, regelmäßig mit den Nonnen in Kalkutta zu beten und zu meditieren. Immer wenn ich zu den Exerzitien in Kalkutta war, war sie mit dabei und wir alle saßen eine Stunde in stiller Anbetung vor dem Allerheiligsten. Einmal leistete sie mir beim Abendessen Gesellschaft und bot mir einen Nachschlag an, gleichzeitig ermahnte sie mich: "Du bist ein junger Priester! Sei stark! Ich werde nie vergessen, wie wir gemeinsam nach Bhiwandi in Bombay gingen. Das war 1984 und dort hatte es gewaltige Unruhen gegeben. (Es gab über 160 Tote und 600 Verletzte, Anmerkung der Redaktion.) Wir gingen in die Stadt und Mutter Teresa mischte sich unter die Menschen und wand sich den Opfern zu wie ein Engel. Jeder konnte fühlen, dass sie wie eine Heilige war. Immer wenn sie nach Bombay kam, durfte ich predigen und mit ihr die Messe feiern. Mein ganzes Leben und meine Arbeit sind von Mutter Teresa geprägt. Alle bei Kripa und alle die mit mir zusammenarbeiten, wissen wie nah sie mir ist. Auch die Menschen von St. Ulrich.

BZ: Wann kamen Sie zum ersten Mal nach Deutschland?
Father Joe: 1978 kam ich zum ersten Mal gemeinsam mit meinem Vater nach Deutschland. Ein zweites Mal war ich 1986 da. Seit 1992 unterrichte ich in Deutschland regelmäßig Yoga und Mediation.

BZ: Welche Rolle spielt dabei Öflingen?
Father Joe: Öflingen und die katholische Kirchengemeinde St. Ulrich haben eine große Bedeutung für meine Arbeit. Die Kirchengemeinde war meine größte Unterstützung bei den Projekten für die Straßenkinder und ab 1995 für die HIV-Infizierten Kinder. Damals 1995/96 bekam ich 100 000 DM für ein Waisenhaus für HIV- und Aidskranke Kinder durch eine gemeinsame Aktion des Förderungs- und Werbering Bad Säckingen, dem Haus Heidenwuhr und der Öflinger Sternsinger. Seither sammeln die Sternsinger von St. Ulrich jedes Jahr in der bitteren Januar-Kälte für meine Kripa-Foundation. Diese Kollekte ermöglicht es uns, den betroffenen Kindern zu helfen.

BZ: Was sind momentan die wichtigsten Projekte der Kripa Foundation?
Father Joe: Mein Hauptanliegen ist es, mit süchtigen Jugendlichen zu arbeiten. Wir haben an drei Orten Einrichtungen für Alkohol- und Drogensüchtige Frauen gegründet. Jetzt gibt es außer dem Frauenhaus in Pune und einer kooperativen Einrichtung in Delhi, noch ein Frauenhaus in Colva/Goa. Für den Umbau und die Renovation des ursprünglich alten, verfallenen Hauses, war ein hoher Kostenaufwand notwendig. Wir bilden auch immer mehr Menschen für unsere Arbeit aus. Dafür ist ein Zentrum in Vasai/Mumbai und in Goa entstanden. Von hier aus wollen wir die Idee unserer Kripa Foundation in die ganze Welt bringen. In jedem Winter kommen Studenten aus über 40 Ländern hierher, um sich mit dem Programm vertraut zu machen. Ich wünsche mir sehr, dass sich das weiter ausbaut. Schließlich bin ich nun 75 Jahre und werde wahrscheinlich irgendwann nicht immer so viel reisen können.

BZ: Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit in der Zukunft?
Father Joe: Ich wünsche mir, dass Mutter Teresas und meine Arbeit, mehr und mehr Menschen dazu inspiriert, auch ihr Leben dieser Aufgabe zu widmen. Ich wünsche mir, dass alle die für Kripa arbeiten, sich Jesus zum Vorbild nehmen und helfen. Genau das forderte Mutter Teresa auch von ihren Schwestern.