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20. März 2010
Wehr
Pumpspeicherkraftwerk: Sprengen bei tropischen Temperaturen
Die Arbeiten an dem Sondierungsstollen fürs Pumpspeicherkraftwerk sind anstrengend / Strengste Sicherheitsvorkehrungen.
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Tropische Temperaturen herrschen am Ende des Stollens, wo gerade die nächste Sprengung vorbereitet wird (kleines Bild unten). Bauleiter Michael Knieper neben dem Rettungsfahrzeug, das aufgrund des kleinen Stollenquerschnitts speziell angefertigt werden musste. Gut gesichert ist das unterirdische Sprengstofflager. Foto: keller
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Foto: Christin Keller
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Foto: Christin Keller
WEHR. 30 Grad Celsius im Schatten – was sich für viele nach Sonne, Strand und Urlaub anhört, ist für die Männer der Firma Baresel harter Arbeitsalltag. Fernab vom Tageslicht treiben sie 400 bis 500 Meter unter der Erde die Arbeiten am Sondierstollen für das Pumpspeicherkraftwerk Atdorf voran. Anfang 2011 sollen am Ende des 2200 Meter langen Tunnels geologische Messungen Aussagen über die Tauglichkeit für einen Kavernenstandort machen.
Von außen ist es kaum zu glauben, was sich unter der Erde abspielt. Verlassen liegt der Eingang des Zufahrtstollens da, nur ab und zu kommt ein LKW daraus hervor, um den Schutt weg zu bringen. Ungewöhnlich aufwendig sei das Projekt, so der Bauleiter der Schluchseewerk AG, Michael Knieper. "Schon von Anfang an hatten wir lange Wege und mussten alles auf Großtransporte anlegen." Der kleine Tunnelquerschnitt verhindere außerdem den Einsatz von großen Geräten.Bereits in den 70er Jahren wurde mit dem Bau eines Sondierstollens begonnen, als das Pumpspeicherkraftwerk das erste Mal in Planung war. Nach Abbruch der Bauarbeiten wurde das Projekt dann vergangenen Oktober fortgesetzt. Inzwischen konnte der bestehende, gut einen halben Kilometer lange Stollen um weitere 440 Meter verlängert werden, täglich kommen acht bis zehn Meter hinzu.
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Der Stollen wird an sieben Tagen pro Woche vorangetrieben. In zwei Schichten mit je zehn Stunden sind die 20 Arbeiter eingeteilt. Frische Luft bekommen sie durch große Rohre, die an der Decke entlang führen. Gleichzeitig wird durch sie die verbrauchte, feuchte Luft hinaus befördert. Seitlich sind weitere Leitungen an der Wand befestigt, in ihnen fließt Betriebswasser für die Bohrungen rein und das anfallende Bergwasser raus.
Zwei Liter sind es pro Sekunde, wesentlich weniger als die Bauleitung erwartete. Mehrere Pumpen sorgen dafür, dass das Wasser abgeleitet wird. Draußen kommt es in eine Bergwasserbehandlungsanlage, wird untersucht und, sofern alle Werte in Ordnung sind, in das Wehrer Staubecken geleitet.
Kurz vor Ende des Stollens hören die Lüftungsanlagen auf und es wird tropisch warm und feucht. Drei Männer und ein Bohrwagen bereiten gerade die nächste Sprengung vor, von denen es zwei bis drei Stück am Tag gibt. Jedes Mal werden dazu 150 Kilogramm Gel-Sprengstoff in 58 Löcher gesteckt, die gut dreieinhalb Meter tief sind, und den Stollen fast genauso weit verlängern sollen. Nach der Sprengung entnimmt Geologe Michael Groll Proben, um die Sicherheitsmaßnahmen für den Stollen anhand der Felskonsistenz festzulegen. Mit dem restlichen Material wird derzeit der Staudamm des Wehrabeckens verstärkt oder Forstwege aufgefüllt.
Der Stollen soll aber später auch als Rettungsstollen oder für die Belüftung einsetzbar sein. Um das Risiko für die Arbeiter zu minimieren, setzt die Schluchseewerk AG ganz auf Sicherheit. "Was wir mit großer Sicherheit ausschließen können, sind Gase", erklärt Winfried Rendel, Sicherheitsbeauftragter des Schluchseewerks. Im Schwarzwald komme kein Methan vor. Auch mit Verbruch, also einem Stolleneinsturz, sei nicht zu rechnen. Bestätigen kann dies Bauleiter Michael Knieper. "Wir haben sehr festen Fels", sagt er, je nach Felsklasse werde Abschnitt für Abschnitt über den Einsatz von Spritzbeton, Felsankern und Stahlbögen zur Sicherung entschieden.
"Wir wollen verhindern, dass es überhaupt anfängt zu brennen", sagt Rendel. Deshalb verfügt jedes Fahrzeug über eine automatische Löscheinrichtung, die auslöst, sobald der Motor zu heiß wird. Der Sprengstoff wird zudem in einem Sprengmittelschrank aus Beton aufbewahrt, der vom Landesbergamt genehmigt werden musste. "Der Gelsprengstoff wird erst gefährlich, wenn er mit dem Zünder zusammen kommt", erklärt Rendel. Über den Verbleib des Sprengstoffs werde genau Buch geführt, "da darf nicht ein Gramm fehlen", ergänzt Knieper.
Jeder Arbeiter hat eine Schutzausrüstung. Dazu gehört ein Selbstretter, der etwa 50 Minuten lang Sauerstoff zur Verfügung stellt, sodass auch bei Rauch geflüchtet werden kann. In Abständen sind Feuermelder und Anschlüsse an die Löschwasserversorgung angebracht, die Luftqualität wird kontinuierlich gemessen. Alle 500 Meter gibt es Erste-Hilfe-Stationen und Fluchtcontainer, die mit Strom, Telefon, Sauerstoff und Getränken ausgestattet sind. Zehn Personen können darin sechs Stunden versorgt werden und ausharren, bis der Brand vorüber ist.
Die Telefone sind mit feuerfesten Zuleitungen ausgestattet. Ein Chipsystem erfasst, wo sich Personen ungefähr befinden. Mit Hilfe eines Rettungsfahrzeugs können sie im Notfall evakuiert werden. Extra umgebaut wurde dazu ein Minibus. Das Fahrzeug hat eine eigene Sauerstoffversorgung und eine Wärmebildkamera an Bord, die es ermöglicht, auch bei Rauch die Tunnelabmessungen und eventuelle Personen auf der Fahrbahn zu erkennen.
Autor: Christin Keller





