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13. September 2017

Unter anderen Vorzeichen

FDP-Bundestagskandidat Daniel Poznanski ist in Wehr unterwegs.

  1. Wolfgang Eckert, Klaus Denzinger, ein interessierter Bürger und Daniel Poznanski Foto: Felix Held

WEHR. Daniel Poznanski ist Realist. "Ich rechne nicht damit, dass ich nach dem 24. September in Berlin sein werde", gibt der FDP-Bundestagskandidat für den Wahlkreis 288 Waldshut an seinem Stand vor einem Supermarkt in Wehr freimütig zu. Gemeinsam mit dem FDP-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Klaus Denzinger, und dem FDP-Stadtverbandsvorsitzenden, Wolfgang Eckert, versucht er dort knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl, noch ein paar Unentschlossene davon zu überzeugen, ihr Kreuz bei ihm und seiner Partei zu machen.

Auch wenn er nicht damit rechnet, das Direktmandat in seinem Wahlkreis holen zu können, so hat er trotz allem die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass er über die Landesliste, wo er auf Platz 16 steht, doch noch den Einzug in den nächsten Bundestag schaffen könnte. Er halte bundesweit ein Ergebnis für die FDP zwischen acht und zwölf Prozent für realistisch, so Poznanski. "Damit es mir reicht, bräuchte die FDP ein ähnliches Ergebnis wie 2009", denkt er. Damals hatte die FDP 14,6 Prozent erreicht. 2013 war seine Partei allerdings mit 4,8 Prozent knapp an der Fünfprozenthürde gescheitert. Auch, damit das bei dieser Wahl wieder anders wird und seine Traditionspartei, die schließlich zuvor in jedem Bundestag der Bundesrepublik Deutschland vertreten war, dort wieder Einzug halten kann, will sich Daniel Poznanski engagieren. "Ich will meinen Beitrag leisten", sagt er.

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Erfahrung im Wahlkampf hat er genug, wenn auch nicht in der Region. 2009 und 2013 trat der gebürtige Münchner im Kreis Herne/Dortmund für den Bundestag an. "2009 hätte es mir auch fast gereicht", erinnert er sich. In Herne war er auch Kreisvorsitzender der FDP. Die Vorzeichen dort und in seinem heutigen Wahlkreis könne man kaum vergleichen. In Herne habe es zeitweise eine Arbeitslosenquote von mehr als 20 Prozent gegeben. "Wenn ich da einen Wahlstand hatte, hat jeder Fünfte mir gesagt: ,Hau ab, Du schwule Sau’."

In der FDP ist er seit 1989. "Damals bin ich mit 18 Jahren in die Partei eingetreten", erzählt der heute 46-Jährige. Und eins hat er dabei – nicht nur wegen der Anfeindungen am Wahlstand – gelernt: "Als FDP-Mitglied braucht man eine gewisse Leidensfähigkeit." Doch entmutigen lässt er sich davon nicht.

Die knapp drei Prozent Arbeitslosigkeit, die es in der Region gibt, seien natürlich kein Vergleich zu den Verhältnissen, die er aus Herne kennt. "Hier herrscht ja quasi Vollbeschäftigung", freut er sich. Dennoch dürfe sich die Region nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Deswegen setzt er in seinem Wahlprogramm für die Region einen Schwerpunkt auf die Verbesserung der Infrastruktur im Hochschwarzwald und am Hochrhein.

Dabei geht es ihm um die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke, den Ausbau der A 98, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und um eine bessere Kinderbetreuung auf dem Land. Dass es um Letztere nicht besonders gut bestellt ist, weiß der Vater von Zwillingen aus eigener Erfahrung. Seit 2015 ist er Geschäftsführer des Kollegs in St. Blasien. "Wir sind zunächst nach Lenzkirch gezogen, mittlerweile wohne ich mit meiner Frau und meinen Kindern in Bonndorf", erzählt er.

Ausschlaggebend für die Wohnortwahl sei gewesen, dass in den vergleichsweise großen Orten eben eine Kinderbetreuung gewährleistet sei. So konnte seine Frau, eine Architektin, wieder in den Beruf einsteigen. "Wir können nur junge Familien davon überzeugen, in der Region zu bleiben, wenn wir auch sicherstellen, dass die Kinder richtig versorgt sind", ist er deswegen überzeugt.

Klaus Denzinger und Wolfgang Eckert, die beiden Unterstützer vor Ort an diesem Tag in Wehr, sind mit ihrem Kandidaten sehr zufrieden. "Er macht das gut, wir unterstützen ihn gerne", betont Klaus Denzinger.

Daniel Poznanski widerspricht unterdessen freundlich, aber bestimmt, einer Frau, die behauptet, Flüchtlingen gehe es in Deutschland viel zu gut. "Das stimmt nicht", versichert er ihr. Aufgrund seiner katholischen Prägung sei für ihn der Schutz der Menschen- und Bürgerrechte ein hohes Gut. Dazu gehöre es auch, Menschen in Not zu helfen. Allerdings brauche es dafür klare Regeln.

Autor: Felix Held