Schulentwicklung

Wehrer Gemeinschaftsschule kann wieder Realschule werden

Erika Bader

Von Erika Bader

Mo, 16. April 2018 um 19:47 Uhr

Wehr

Wehr könnte statt der Gemeinschaftsschule erneut eine Realschule bekommen. An ihr soll auch der Hauptschulabschluss möglich sein.

Die Wehrer Gemeinschaftsschule (GMS) könnte im Schuljahr 2019/20 zu einer Realschule werden. Entscheiden wird darüber der Gemeinderat am kommenden Dienstag, 24. April. Bei der möglichen Umwandlung soll es sich aber keineswegs um einen Rückschritt handeln, wie der Leiter des Staatlichen Schulamts Lörrach, Hans-Joachim Friedemann, bei einem Pressegespräch am Montagnachmittag deutlich macht. Die "Realschule neuen Typs" ist eine Weiterentwicklung der bisherigen Realschulform.

Gesetzesänderung

Möglich sei diese Umwandlung durch die Änderung des Schulgesetzes für Baden-Württemberg gewesen, die am 1. August 2018 in Kraft trat. An der "Realschule neuen Typs" ist dann auch der Hauptschulabschluss nach der neunten Klasse möglich. Hauptschüler können aber auch nahtlos an ihren Abschluss innerhalb von zwei Jahren den Realschulabschluss ablegen.

Bis zur sechsten Klasse werden die Schüler gemeinsam auf Realschulniveau unterrichtet – danach entscheidet sich, ob es auf der Laufbahn der Hauptschule oder der Realschule weitergeht. Noten sind dann wieder fester Bestandteil der Leistungsbewertung, anders als aktuell an der Gemeinschaftsschule.

Genztagsschule bleibt

Während des Pressegesprächs machte Bürgermeister Michael Thater deutlich: "Hätte es die Möglichkeit einer solchen Realschule schon vor 2013 gegeben – als die Stadt die Gemeinschaftsschule beschloss – ich hätte sie gewollt." Thater kann sich vorstellen, dass auch eine mögliche künftige Realschule, wie schon die Gemeinschaftsschule, eine dreitägige Ganztagsschule bleibt. Schulrat Helios Scherer sieht für Wehr das deutliche Potenzial einer Dreizügigkeit.

Der Bürgermeister unterstreicht dies und führt an, dass es 2010 noch 99 Geburten in Wehr gegeben habe 2017 bereits 135. Das Thema Schulentwicklung begleitet der Gemeinderat seit Monaten nicht öffentlich. Eingebunden in den Beratungsprozess waren Eltern, Lehrer, Schüler und die Verwaltung. Eingebunden waren zudem die Gesamtlehrerkonferenz, die Schulkonferenz und der Elternbeirat.

Mehrheit für Realschule

Letzterer sei es gewesen, bei dem das Konzept einer "Realschule neuen Typs" auf nicht allzu große Zustimmung gestoßen sei. "Eltern wollen es nicht hören, dass ihre Kinder an einer Schule sind, die ein Auslaufmodell sein könnte", erklärte Hauptamtsleiterin Yasemin Krause während des Pressegesprächs. Sie versichert allerdings, dass alle Kinder ihren Abschluss ganz normal an der Gemeinschaftsschule fertigmachen können. "In der Mehrheit geht die schulische Community aber eindeutig in Richtung Realschule", fügte Schulrat Helios Scherer hinzu.

Die "Realschule neuen Typs" könnte – wenn der Gemeinderat sich dafür ausspricht – ab dem Schuljahr 2019/20 von unten nachwachsen. Die Grundschule würde dann von der weiterführenden Schule entkoppelt werden. Die Alternative zur "Realschule neuen Typs" wäre es, die Gemeinschaftsschule beizubehalten und zu versuchen, sie weiterhin zu verbessern.

Neue Ausschreibung

Nach der Entscheidung des Gemeinderats soll im Mai die seit vergangenem Sommer vakante Stelle des Schulleiters erneut ausgeschrieben werden. "Wir wollen keinen Husarenritt", sagte Hans-Joachim Friedemann und verdeutlichte, dass man bis zur Neubesetzung bereits eine solide Leitungsstruktur für die Schule geschaffen habe.

Kommissarisch leitet die GMS-Lehrerin Petra Thiesen die Schule in Abwesenheit von Konrektor Nikolas Knust. Unterstützt wird sie von einem Lehrerteam und der Schulleiterin der GMS Wiesentalschule in Maulburg, Heike Schmarje, wie das Regierungspräsidium Freiburg auf Anfrage mitteilt. Dieses Leitungsteam sei laut Schulrat Scherer für die Dauer von zwölf bis 18 Monaten ausgelegt.