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10. August 2009
Weht’s warm oder kalt?
Die von Kachelmann angefachte Debatte um den Höllentäler kommt wieder in Bewegung.
Warm oder kalt? Die Frage, die schon die Allerkleinsten beim Topfschlagen umtreibt, hat auch für uns Erwachsene – im richtigen Kontext gestellt – noch einige Brisanz. Ein solcher Kontext ist, beispielsweise, die Temperatur des Höllentälers. Seit einigen Jahren steht da quasi Aussage gegen Aussage: Der smarte Wettererklärer Jörg Kachelmann setzt auf "warm", etliche, so auch der Freiburger Meteorologe Helmut Mayer bleiben beim "kalt". Das versprach Kachelmann nun widerlegen zu können – und legte Beweisdaten vor. Keine überzeugenden, erklärt der Basler Meteorologe Eberhard Parlow.
Von einer Sensation sprach Kachelmann, als er anlässlich der Einweihung einer Messstation in Munzingen kürzlich beeindruckende Kurvendiagramme von Freiburger Messdaten präsentierte. Die nämlich zeigten, dass der abendliche Höllentäler – auf der untenstehenden Grafik ist beispielhaft die Höllentälernacht vom 17. auf den 18. Juli 2006 abgebildet – ein warmer Wind sei, ließ Wettermann Jörg Kachelmann wissen. Allen fünf vorgelegten 24-Stunden-Verläufen von Messungen an drei Stationen ist eines gemeinsam: Die Temperaturen an der Freiburger Messstation, damals noch in der Heinrich-von-Stephan-Straße, liegen zwischen 20 Uhr und fünf Uhr morgens bis zu acht Grad über den Messdaten in Freiburg Ebnet und in der March.Werbung
Nächtliche acht Grad über anderen Freiburger Messstationen, argumentiert Kachelmann, das sei der Beweis. Und hielten Meteorolgen wie Helmut Mayer bislang mit dem sogenannten Stadteffekt dagegen, so sieht er auch den widerlegt: Indem um die heiße Mittagszeit die Kurven aller drei Messstationen über viele Stunden sehr dicht beieinanderliegen, könne in Freiburg kein Stadteffekt angenommen werden. Anders beschreibt das Eberhard Parlow: "Ein städtischer Wärmeinseleffekt wird eben sehr wohl typischerweise nachts wirksam." Kritisch sieht der Kenner von hiesigen Windsituationen – der Freiburger Parlow hat einst seine Habilitation über den Münstertäler verfasst – aber vor allem eines: Dass da als Vergleichswerte die Messdaten von Ebnet und March herangezogen werden: "Das heißt Äpfel mit Birnen vergleichen." Man müsse, so Parlow, die Messdaten von energetisch gleichen Situationen vergleichen: "Zwei, drei Messstationen jeweils inmitten städtischer Bebauung, die eine da, wo der Höllentäler entlangweht, die anderen an Orten, die der Höllentäler rechts oder links liegen lässt."
Nun lässt der Höllentaler beispielsweise Ebnet sehr wohl rechts liegen. Parlow aber kritisiert dennoch den Vergleich mit Ebnet: "Das ist eine ländliche Oberflächensituation und mit der städtischen Oberfläche in Freiburg gar nicht zu vergleichen." Die Bausubstanz in der Stadt wirke als eine Art "Akku", erklärt Parlow: "Tagsüber heizt sich die Bebauung auf, nachts wird dieser Akku angezapft." Er stimmt Jörg Kachelmann zu, dass der Höllentäler sich sehr wohl beim Herunterwehen – ein typischer Mitnahmeeffekt – erwärmt, ergänzt jedoch als sehr wichtiges Detail, dass er auf seinem Weg – etwa über die ausgekühlten Wiesenlandschaften des Zartener Beckens – schon wieder Wärme abgibt.
Überzeugende Messungen in Sachen Höllentälertemperatur, resümiert Parlow, müssten Daten wissenschaftlich vergleichbarer Messstationen liefern. Solche Messungen hat schon Ende der 70er Jahre Wilfried Nübler in Freiburg für seine meteorologische Doktorarbeit erstellt. Ergebnis seiner Messungen: In Herdern – weit abseits von Höllentälereinfluss lag die Temperatur während einer Höllentälerlage acht Grad über der Temperatur an der Johanniskirche. Dabei nimmt die den Höllentäler voll mit.
Höllentäler
Autor: lit
Autor: Julia Littmann
