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30. November 2011
900 Jobs durch Tourismus
Untersuchung zeigt positive Auswirkungen des Fremdenverkehrs / Aber auch Nachholbedarf.
KANDERN. Die 65 757 Übernachtungen und 211 992 Tagesreisen, die im Jahr 2010 in der Töpferstadt gezählt wurden (die BZ berichtete) bringen nicht nur Geld in die Kassen von Betrieben und Stadt, sondern sie sichern auch Arbeitsplätze: Insgesamt hängen bis zu 900 Vollzeitjobs in der Stadt direkt oder indirekt vom Tourismus ab.
Dies zeigt die Untersuchung der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG), die von Claudia Röder, der Leiterin der Touristinfo, im Gemeinderat vorgelegt wurde. Die Stellen wurden von der STG nicht nachgezählt, sondern sie sind das Ergebnis eines Rechenverfahrens, das mit statistischen Durchschnittswerten arbeitet.Insgesamt sorgten die Touristen für einen Umsatz von 9,8 Millionen Euro. Nach Abzug der Vorleistungen, die von den Betrieben zum Beispiel beim Wareneinkauf erbracht wurden, verblieb unterm Strich eine Wertschöpfung von 2,86 Millionen Euro in der so genannten ersten Umsatzstufe. Zusammen mit der zweiten Umsatzstufe (Einnahmen der Zulieferer) ergibt sich eine Gesamtwertschöpfung von 4,6 Millionen Euro. Diesen Betrag dividierten die Tourismusexperten durch das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen und kamen damit auf 225 Vollzeitjobs unmittelbar im Tourismussektor. "Es ist davon auszugehen, dass die dreifache Anzahl an indirekten Vollzeitarbeitskräften durch den Tourismus induziert wird", heißt es in der STG-Untersuchung. Das ergibt für Kandern weitere 675 Arbeitsplätze bei Zulieferern oder im Handel und eine Gesamtzahl von 900 Arbeitsplätzen.
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Die Untersuchung der Schwarzwald-Tourismus GmbH zeigt aber auch, dass auf dem Gebiet des Tourismus in Kandern noch erheblicher Nachholbedarf besteht. So liegt die sogenannte Tourismusintensität (Zahl der Übernachtungen im Verhältnis zu je 1000 Einwohnern) lediglich bei 2750. Zum Vergleich: Landesweit beträgt dieser Wert 4048, im Schwarzwald sogar 6500.
In ihrer Analyse der aktuellen Situation im Bereich Fremdenverkehr führte Claudia Röder auf, dass zwar die Zahl der Gästeankünfte steige, die der Übernachtungen jedoch stagniere. Die Auslastung liege bei ungefähr 30 Prozent, bei Privatanbietern sogar noch niedriger. Tagestouristen bringen mittlerweile rund 60 Prozent des gesamten Tourismusumsatzes, nach Ansicht der Kanderner Tourismuschefin sollte diese Zielgruppe vorrangig ins Blickfeld rücken. Besonders stark vertreten bei den Tagestouristen sind Menschen, die Sport treiben und solche, die gut essen und trinken wollen, aber auch kulturell Interessierte. Um hier erfolgreich zu arbeiten, fordert Claudia Röder zielgruppenorientierte Produkte, auch über die Gemeindegrenzen hinaus.
Kooperationen mit dem Landkreis hält sie für unerlässlich, zumal der Kreis bereits Tourismusstrategien entwickelt hat, die unter anderem in Richtung "sanfter Tourismus" zielen. Für Kandern und das Markgräflerland werden dabei bis zum Jahr 2020 Steigerungen von 15 Prozent bei den Übernachtungen und 10 Prozent bei den Tagesbesuchern angestrebt.
Autor: Jochen Fillisch
