Außerordentlich einfühlsames Spiel

Grischa Freimann

Von Grischa Freimann

Mo, 19. Juni 2017

Weil am Rhein

Marina Ragger an der Orgel.

Das war sicherlich einer der ganz besonderen Höhepunkte dieses Konzertsommers: die Orgelmusik zum Samstagabend, bei der Marina Ragger, die Referentin für Kirchenmusik der Diözese Linz, die Metzler-Orgel der Weiler Kirche St. Peter und Paul zum Strahlen brachte. Ihr Orgelspiel ist dabei außerordentlich einfühlsam, so dass sie die Hörer geradezu mitnimmt in die verschiedenen Klangwelten, die sich, je nach Komposition, auftaten, wofür sich diese am Ende des Konzertes mit begeisterten Bravo-Rufen dankten.

Begonnen hatte das Konzert mit Felix Mendelssohn-Bartholdys großer, oft und gerne gehörter Sonate Nr. III. Nach dem prachtvoll-dekorativen Beginn folgte das Fugato deutlich und durchsichtig gestaltet. Überhaupt wurde das gesamte Werk sehr übersichtlich gestaltet, jederzeit begeisternd, ja mitreißend. Sehr voll, aber auch sehr abwechslungsreich wurde registriert, dabei immer dem Charakter des Werkes entsprechend. So war denn auch der sehr kurze 2. Satz ganz als Kontrast angelegt, ruhig, dezenter, ja fast meditativ. Das waren auch die beiden Werke des im Alter von nur 29 Jahren im Zweiten Weltkrieg gefallenen Komponisten Jehan Alain mit ihrer fremden Harmonik. Geradezu geheimnisvoll klang sein Le jardin suspendu, voll von inneren Spannungen, die mitreißend ausgestaltet wurden, ein Renaissance-Tanz, die Chaconne in einem völlig unerwarteten Gewand. Unerwartet waren auch die Variationen Alains über ein Thema des Renaissance-Komponisten Clément Jannequin, eine spannende Auseinandersetzung der Moderne mit einem alten Thema. Dieses blieb auch in seinen vielfältigen Bearbeitungen immer klar erkennbar.

Zum Abschluss spielte Marina Ragger Johann Sebastian Bachs Passacaglia et Theme Fugatum, ein sehr ausladendes Werk, bei dessen Präsentation sie außer dem Pedal und reichhaltiger Registrierung nur ein einziges der drei Manuale der Orgel nutzte, was sicher für die Bachsche Zeit angemessener ist und den Zuhörer bei Raggers Interpretation noch mehr über Bachs musikalische Phantasie staunen ließ. Als Zugabe dann noch etwas zum Schmunzeln: ein Capriccio über diverse Vogelstimmen, eingeleitet breit vom Vogelstimmen-Register der Orgel.