Bagatellgrenzen gibt’s schon – und sie werden meist auch akzeptiert

anla

Von anla

Mi, 13. Juni 2018

Weil am Rhein

BZ-UMFRAGE: Landtagsabgeordneter Rainer Stickelberger hat die Diskussion um die Ausfuhrzettel neu angefacht, nicht alle Händler sind damit einverstanden.

WEIL AM RHEIN (anla). Für Schweizer Einkaufskunden könnte sich einiges ändern, wenn sich SPD-Landtagsabgeordneter Rainer Stickelberger mit der Forderung nach einer Bagatellgrenze bei Grünen Zetteln durchsetzen würde. Erst ab 50 Euro, so der Vorschlag, sollen Ausfuhrschein ausgestellt werden. Was Weiler Einzelhändler davon halten, hat die BZ in einer Umfrage wissen wollen.

Mustafa Sayin (G-Star RAW Outlet): Wir stellen Ausfuhrscheine sowieso erst ab 25 Euro aus. Mehr fänden Kunden wahrscheinlich nicht gut. Da viele Stammkunden aus Basel oft nur ein Teil kaufen, das gerade neu ist, würde uns die höhere Bagatellgrenze sicher treffen. Gut wäre sie für die Schweizer Wirtschaft.

Cecilia Müller (T.H. Kleen): Kundenfreundlichkeit ist wichtig, wenn einer also Tabak für vier Euro kauft, gibt es den Schein. Es gibt zwar auch Kunden, die auf 50 Euro kommen, weil sie zum Beispiel Zigaretten in Stangen kaufen. Die, die weniger haben, würden aber wohl nicht mehr kommen.

Marcus Mehlin (Velo Shop): Für Ausrüstung und Zubehör stelle ich keinen Ausfuhrschein aus, so betrifft es nur Fahrräder, die kosten sowieso mehr als 50 Euro. Trotzdem bin ich dagegen. Der Zoll beschwert sich, dabei habe ich mehr Arbeit mit den Scheinen als die Zöllner. Außerdem würden Bagatellgrenzen auch das Duty-free in Flughäfen treffen.

Stefanie Kreisler (Buchhandlung Thalia): Für uns ergibt die Grenze keinen Sinn. Bis ein Kunde hier 50 Euro ausgegeben hat, dauert es länger, da ein Buch circa 10 Euro kostet. In der Schweiz sind die Bücher viel teurer, da kann man für ein Taschenbuch schon mal 25 Franken zahlen. Kommt die Bagatellgrenze durch, hätte das wahrscheinlich negative Folgen für uns.

ACE (Ace Colors): Ich habe Verständnis für die Idee und kenne den Aufwand selbst. Manche Kunden verzichten auf den Ausfuhrschein, andere möchten ihn. Sie würden auch mit Bagatellgrenze kommen, aber sie wären vielleicht verärgert. Der Eurokurs ist wichtiger. Ist der sehr hoch, hat das mehr Einfluss.

Dietmar Böhm (Apollo Optik): Wir geben die Scheine auch bei 1,90 Euro aus. 98 Prozent der Kunden sind Schweizer. Weil die Beträge in der Regel über 50 Euro kommen, wird es keine größeren Auswirkungen von einer Bagatellgrenze geben.

Sven Schirmer (Deichmann): Ich finde es völlig in Ordnung. Die Ausfuhrscheine halten auf, so wäre an der Grenze weniger los. Unsere Zehn-Euro-Grenze funktioniert gut. Ich glaube, die Kunden würden nicht abgeschreckt, auch wenn jeder zuerst denkt: "Nee, bloß nicht!"

Natalie Wolf (Jeans Fritz): Bei uns kriegen die Kunden ab zehn Euro einen Ausfuhrschein. Wir müssen deswegen schon diskutieren. Ich denke aber, die Kunden würden trotzdem kommen, weil es effektiv billiger ist als in der Schweiz.

Svenja Schleifnig (Kölle Zoo): Ich persönlich finde die Idee sinnvoll, man spart viel Arbeit und Papier. Unsere Kunden sind hauptsächlich Schweizer, sie würden definitiv weiterhin kommen.

Sabina Pospiech (Alnatura): Ich wäre die Erste, die dafür ist. Am Wochenende hängen sich die Kassen teilweise auf. Wir schicken die Ausfuhrscheine inzwischen in Kartons zur Zentrale. Da alle davon betroffen sind, wird sich das Verhalten der Kunden nicht groß ändern.