Belebende Elemente im Heimalltag

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Fr, 21. April 2017

Weil am Rhein

Im Pflegeheim Markgräflerland will Hans Kaufmann die Integration Ehrenamtlicher ausbauen / Viele sind schon begeistert dabei.

WEIL AM RHEIN. Die Integration ehrenamtlicher Kräfte in vielen Bereichen ist eine der Stärken des Pflegeheims Markgräflerland. Das Engagement auf freiwilliger Basis wollen Heimleiter Hans Kaufmann und sein Team weiter ausbauen. "Das ist eine Win-Win-Situation nicht nur für zwei, sondern für drei Seiten", weiß er aus Erfahrung.

Gerade in der nachberuflichen Phase könne das ehrenamtliche soziale Engagement eine sehr sinnstiftende Aufgabe sein, so Kaufmann am Donnerstag im Rahmen einer Medienorientierung. Für die Bewohner seien die ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer eine große Bereicherung, ihre Zuwendung, die in dem Umfang vom hauptamtlichen Personal nicht zu leisten wäre, schaffe eine entspannte, lockere Atmosphäre. Das Personal schließlich werde durch das Engagement der Ehrenamtlichen entlastet.

Mit oder ohne Entschädigung

Eingesetzt werden Ehrenamtliche zum einen ganz klassisch bei den gruppenübergreifenden Aktivitäten, indem sie bei Veranstaltungen mithelfen, sich in die Programmgestaltung einbringen, bei Exkursionen als Begleiter mit von der Partie sind oder einfach mal mit Bewohnern vor die Tür gehen. Dies wird nicht vergütet.

Mit der Aufnahme seiner Tätigkeit als Heimleiter 2011 führte Hans Kaufmann dazu auch die ehrenamtliche Mitarbeit in den Wohngruppen ein, wo die Freiwilligen vor allem an der Essensausgabe mitwirken. Sie holen die Bewohner in den Zimmern ab, decken die Tische mit ein, reichen denjenigen, die sich nicht mehr selbst versorgen können, das Essen an und unterhalten sich mit den Bewohnern. Diese Freiwilligen sind fest in die Dienstpläne integriert und erhalten eine Aufwandsentschädigung. Schön wäre es, wenn in jedem der acht Wohnbereiche bei jeder der drei täglichen Mahlzeiten Ehrenamtliche dabei wären, wünscht sich Kaufmann. Mit derzeit rund 20 Essensbegleitern ist dieses Ziel noch nicht erreicht. Dem Pool von Hildegard Pfahler, die mit viel Elan die gruppenübergreifenden Aktivitäten organisiert, gehören rund 80 Freiwillige an.

Entlastung für Hauptamtliche

Seit September vergangenen Jahres ist Gisela Fiore (66) in einem Wohnbereich an fünf Tagen in der Woche sowohl beim Frühstück als auch beim Mittagessen unterstützend dabei. Als frühere Bedienstete des Pflegeheimes kennt sie die angespannte Personalsituation und weiß: "Unser Engagement ist Zeit, die den hauptamtlichen Pflegekräften geschenkt wird. Und für mich ist es toll zu sehen, wie die Bewohner sich freuen, wenn man da ist." Schon seit fünf Jahren ist Brigitte Elsner (68) im Wohnbereich Tüllinger an drei Wochentagen eine verlässliche Betreuerin in den Frühstückszeiten. Sie wohnt seit 40 Jahren mit Gisela Fiore Tür an Tür, "aber richtig nähergekommen sind wir uns erst hier im Pflegeheim", schildert sie. Auch dem Personal komme man näher, und so habe sie nun Kontakte in alle Welt. Brigitte Elsner, die die Mithilfe im Heim nicht als Arbeit empfindet, rief einen Stammtisch jeden Sonntag in der Cafeteria ins Leben, zu dem sie alle, die das Heim kennenlernen wollen, einlädt.

Nancy Stahl kannte das Haus bereits aus ihrer beruflichen Tätigkeit als Hautärztin. Nachdem sie nach einem Unfall selbst erfahren habe, was es heißt, pflegebedürftig zu sein, sei es für sie ein Bedürfnis gewesen, ihre wiedererlangte Gesundheit für ältere und gebrechliche Menschen einzusetzen, erzählt sie. Diese würden schon bei kleinen Akten der Zuwendung mit großer Dankbarkeit reagieren. Die leidenschaftliche Tänzerin bringt sich nicht nur in die Veranstaltungen im Heim ein, sie gibt außerdem Deutschkurse für die Auszubildenden mit ausländischen Wurzeln. Dass sie ihren Einsatz frei und flexibel gestalten kann, schätzt Nancy Stahl besonders.

Hemmschwellen fehl am Platz

Nachdem er sein stressiges Berufsleben als Manager beendet hatte, war für Peter Kuklinski (60) im April letzten Jahres klar, dass er sich in einem ganz anderen, von jeglichem Profitstreben befreiten Bereich engagieren wollte. Das Pflegeheim, in dem er Jahre zuvor seine Großmutter betreut hatte, lag für ihn nahe. In dem einen Jahr, dem er dem Team von Hildegard Pfahler nun angehöre, habe er mehr getanzt als zuvor in zehn Jahren, streicht Kuklinski heraus, dass die Aktivitäten im Pflegeheim nicht nur die Bewohner neu aufblühen lassen. Die stereotype Bemerkung vieler seiner Mitmenschen, dass sie das, was er tue, sicher nicht könnten, lässt Kuklinski nicht gelten. "Einfach mal ausprobieren", sagt er.

"Wenn die Ehrenamtlichen bei einer Mahlzeit mal nicht da sind, werden sie sofort vermisst", sagt Manuela Fischer, Leiterin des Wohnbereiches Tüllinger Blick. Zuhören, auch mal neckische Späßchen treiben, sich um die Bewohner kümmern – all dies könnten die hauptamtlichen Kräfte in der Intensität nicht leisten. Vor allem abends und an Wochenenden, wenn es bei der Essensausgabe an den guten Geistern von außerhalb mangle, komme das Personal "manchmal schon ins Rudern", schildert sie. Selbstverständlich war es für sie deshalb, auch die Ehrenamtlichen mit Osterpräsenten zu bedenken. Denn: "Sie gehören zum Team." Wer sich engagieren möchte, kann sich nach seinen individuellen Fähigkeiten und Zeitvorstellungen einbringen (siehe Infobox).